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  • Prof. Dr. med. Martin Middeke, Vorsitzender der Jury und Schriftleiter der DMW (l.) und Prof. Dr. med. Claus F. Vogelmeier, Vorsitzender der DGIM und diesjähriger Kongresspräsident (r.), zeichnen Prof. Dr. med. Jean-François Chenot (Mitte) aus. © DGIM/Sve

     

DMW Walter Siegenthaler Preis für Studie zur Arzneimittelsicherheit

Am Montag, den 6. Mai 2019, wurde im Rahmen des 125. Internistenkongresses in Wiesbaden zum 20. Mal der DMW Walter Siegenthaler Preis verliehen. Die von Thieme gestiftete und mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt Autoren, deren Forschungsarbeit im Vorjahr in der Fachzeitschrift „DMW“ publiziert wurde und prägenden Einfluss auf Medizin und Gesundheit genommen hat und nimmt. In diesem Jahr sprach sich die Jury für den Beitrag „Arzneimittelverordnung bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz in der hausärztlichen Versorgung“ aus.

Laut der Deutschen Nierenstiftung leiden etwa eineinhalb Millionen Menschen hierzulande unter einer eingeschränkten Nierenfunktion. Mediziner müssen dann besonders darauf achten, welche Medikamente sie ihren Patienten bei möglichen weiteren Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus verschreiben und in welcher Dosierung; denn rund 50 Prozent aller Arzneimittel werden über die Nieren ausgeschieden.

Ob Hausärzte Nierenpatienten ihre Medikamente entsprechend verordnen, haben Forscher der Universitätsmedizin Greifswald in Zusammenarbeit mit dem KfH-Nierenzentrum Greifswald untersucht. Ihre Ergebnisse haben sie in der Thieme Fachzeitschrift „DMW“ veröffentlicht. Laut Dr. med. Maria Mahner und Professor Dr. med. Jean-François Chenot war bei den über 5000 Verordnungen der Anteil der fehlerhaften Medikationen relativ gering. „Dennoch erhielten rund 29 Prozent der Patienten mindestens einen Wirkstoff, der inadäquat dosiert war oder überhaupt nicht hätte verordnet werden dürfen“, fassen die Forscher zusammen. Da 55 Prozent aller Fehlverordnungen auf nur fünf Medikamente entfielen, empfehlen sie eine auf diese Wirkstoffgruppen fokussierte Information für Hausärzte. Auch ein elektronisches Informationssystem zur Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz könne von Vorteil sein.

Insgesamt verordnen Hausärzte Medikamente umsichtig

Professor Dr. med. Jean-François Chenot leitet am Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) die Abteilung für Allgemeinmedizin. Gemeinsam mit Dr. Maria Mahner und weiteren Mitarbeitern hat er die Querschnittsstudie durchgeführt, die von der KfH-Stiftung Präventivmedizin gefördert wurde. Die Untersuchung schloss 34 Hausarztpraxen in Vorpommern ein. Insgesamt erhielten 589 Patienten mit Niereninsuffizienz 5102 Verordnungen. Davon haben die Ärzte nur rund zwei Prozent der Medikamente zu hoch dosiert, weitere zwei Prozent entfielen auf Medikamente, die sie nicht hätten verschreiben dürfen.

Fehlverordnungen betreffen meist fünf bestimmte Wirkstoffe

Im Durchschnitt nahmen die Patienten fast neun Wirkstoffe ein. Bei 173 Patienten war mindestens eine Verordnung nicht korrekt, was rund 29 Prozent der Stichprobe entspricht. Insbesondere ACE-Hemmer und Diuretika, die zur Behandlung von Bluthochdruck und Herzschwäche verschrieben werden, verordneten Hausärzte laut Beipackzettel nicht korrekt. Auch Antidiabetika für Patienten mit Typ-2-Diabetes waren häufig nicht auf die Nierenfunktion angepasst. Des Weiteren fielen den Wissenschaftlern nicht korrekte Verordnungen des Medikaments Methotrexat auf, mit dem Rheuma und andere Autoimmun¬erkrankungen behandelt werden. Auch Kalium-Präparate zur Behandlung von Elektrolytstörungen waren oft nicht richtig dosiert.

Unterschiedliche Angaben in Fachinformationen verwirren

„Bislang fehlt es noch an Studien, um die klinische Relevanz der Medikationsfehler besser einschätzen zu können“, erklären die Preisträger. Hier sehen sie weiteren Forschungsbedarf. Kritisch beurteilen sie die unterschiedlichen Angaben in den Fachinformationen, die die Arzneimittelhersteller nach Rücksprache mit den Zulassungsbehörden veröffentlichen, und den Empfehlungen der Fachgesellschaften, die auf den Ergebnissen klinischer Studien beruhen. „Hier benötigen wir dringend einen Konsens, um die Versorgungsqualität für die Patienten zu erhöhen“, fordern Mahner und Chenot. Zudem regen sie Informationen für Hausärzte zu besonders kritischen Wirkstoffen an. Elektronische Verordnungshilfen könnten zusätzliche Sicherheit im Praxisalltag schaffen.

Wichtiger Beitrag zur Arzneimittelsicherheit in der Hausarztpraxis

Professor Dr. med. Martin Middeke, Vorsitzender der Jury und Schriftleiter der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“, erklärt die Juryentscheidung so: „Mit ihrer Untersuchung leisten die Autoren einen wichtigen Beitrag zur Frage der Arzneimittelsicherheit im hausärztlichen Bereich.“

M. Mahner, C. Raus, F. Ludwig, G. Weckmann, S. Stracke. J.-F. Chenot: Arzneimittelverordnung bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz in der hausärztlichen Versorgung. Dtsch Med Wochenschr 2018; 143 (12); e99-e107

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