• Reagiert ein Klient aggressiv, geht in der Regel ein Schlüsselreiz voraus. Mit der Frage „Was ist passiert?“ kann die Therapeutin die Situation deeskalieren und den Trigger für das aggressive Verhalten herausfinden.

     

Die wichtigsten Strategien …

BEI AGGRESSIVEN KLIENTEN: Wenn Klienten unvermittelt aggressiv reagieren, sind Therapeuten oft hilflos. Mit wenigen, aber den richtigen Strategien können sie problematische Situationen auflösen.

Hintergrund

Aus dem Alltag
„Er hat mich beschimpft und mir die Akte aus der Hand geschlagen“, erzählt Ergotherapeutin Irene noch recht erschüttert im Team. Solche und ähnliche Situationen werden häufig erlebt, aber selten fasst jemand den Mut und berichtet darüber so wie Irene. Dabei erleben Mitarbeiter aus Sozial-, Betreuungs- und Gesundheitsberufen immer wieder aggressive Reaktionen. Das Spektrum der Aggressionsformen reicht von Anschreien über Beißen, ernie-drigenden Beschimpfungen bis hin zu Kratzen, Schlagen oder Zwicken. Solche Situationen sind lästig, belastend und zu Recht unerwünscht. Sie lösen oft ein Gefühl des persönlichen Versagens aus, weshalb Betroffene nur ungern darüber reden. Dieses Erleben kann sich vermischen mit Angst, Schrecken, Empörung und Verunsicherung. Bedenkt man das Kommunikationsaxiom von Watzlawick, dass man nicht „nicht kommunizieren“ kann, stellt sich die Frage, welche Reaktion denn nun angemessen ist.

Ein aggressiver Mensch ist nicht böse
Der Psychologe Icek Ajzen geht davon aus, dass unsere Einstellung unser Handeln prägt. Vor diesem Hintergrund lohnt sich die Überlegung: Sieht man in einem aggressiv reagierenden Klienten einen bösen Menschen? Oder sieht man in ihm einen Menschen, der sich in einer solchen Not oder Bedrängnis befindet, dass ihm vielleicht aus diesem Grund ein Zugriff auf angemessenes Verhalten nicht mehr möglich war? Es ist dabei weniger von Bedeutung, ob das Not- oder Angsterleben tatsächlich berechtigt ist oder nicht. Entscheidend ist, dass der Klient im Augenblick diese Not erlebt. Ein Beispiel: Ein ehemaliger Architekt, der aufgrund einer Demenz im Pflegeheim lebt, interpretierte eine ungefährliche Pean-Klemme als gefährliche Schere. In logischer Konsequenz musste er die vermeintliche Schere wegschlagen, um sich selbst zu verteidigen. In einem anderen Beispiel erlebte die 82-jährige Frau Wagner* die gut gemeinte Äußerung, sie müsse ihren Löffel auf eine bestimmte Weise halten, um den Mund besser zu erreichen, als rechthaberisches Einmischen in ihre Privatsphäre. Vermischt mit der Angst, was aus ihr werden wird, sah sie keinen anderen Ausweg, als die Therapeutin anzuschreien, dass sie überhaupt nichts müsse.

Aus der Perspektive der Klienten
Im einen Fall war die Klemme, im anderen Fall das Wort „müssen“ der Schlüsselreiz für die Klienten. Obgleich eigentlich ungefährlich, waren diese Schlüsselreize kausale Ursache für alles Weitere: Es folgte die Deutung. Und mit der Deutung stellte sich bei den Klienten das entsprechende Gefühl ein. Zum Beispiel die Bedrohung der eigenen Integrität, eine erlebte Geringschätzung, Ungerechtigkeit oder sogar Gefahr.

 

Lesen Sie hier den ganzen Artikel Die wichtigsten Strategien bei aggressiven Klienten.

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