• Pionierin der Handrehabilitation: Cornelia Struchen

     

Pionierin der Handrehabilitation

Auf dem nächsten ergotag wird Cornelia Struchen den Eröffnungsvortrag halten. Wir stellen Ihnen die Expertin für Handrehabilitation aus der Schweiz heute schon vor.

Frau Struchen, Sie sind seit 20 Jahren in der Handrehabilitation tätig. Was fasziniert Sie an diesem Bereich?

Ich bin in erster Linie Ergotherapeutin, weil ich gerne mit dem Menschen als Ganzes zu tun habe. In der Handrehabilitation fasziniert mich die Verbindung zum funktionellen, medizinischen und technischen Wissen. Ich arbeite am liebsten mit Menschen mit Handverletzungen, weil ich sie von der Akutphase bis in ihren Alltag begleiten kann, in dem sie wieder ihren Gewohnheiten nachgehen können.

Wie bringen Sie die betätigungsorientierte und funktionelle Therapie unter einen Hut?

Für mich ergänzen sich die beiden Bereiche wunderbar. In der Schweiz orientieren wir uns stark am Occupational Therapy Intervention Process Model (OTIPM). Es sieht vor, dass man Klienten bereits im Erstgespräch erklärt, warum sie in der Ergotherapie sind. Ich frage dann, was ihnen wichtig ist und was sie wieder können möchten. Dann sagen sie zum Beispiel „mit Stöcken wieder walken gehen“. Darauf kann ich Bezug nehmen und sagen: „In der Ergotherapie geht es genau darum, dass Sie das wieder tun können. Zuerst schauen wir, dass wir die Funktion Ihrer Hand verbessern. Sollte das nicht gehen, suchen wir nach Ersatzstrategien.“ Mit einem solchen Einstieg bringen die Klienten immer wieder Alltagsbeispiele in die Therapie mit. Sie sagen dann nicht mehr, dass sie dieses und jenes Gelenk nicht mehr so gut bewegen oder etwas mit der rechten Hand besser können als mit der linken. Indem ich also etwas an meiner Grund-haltung verändert und mich bewusst für die Betätigungsorientierung entschieden habe, löse ich auch etwas bei Klienten aus. Die funktionellen Aspekte finde ich dennoch sehr wichtig, aber immer im Bezug zu ihrer bedeutungsvollen Betätigung. Das ist für mich die Quintessenz der Ergotherapie.

Das heißt, die Klientenzentrierung hat auch in der Handtherapie einen wichtigen Stellenwert?

Die Klientenzentrierung finde ich sehr entscheidend. Man denkt immer, man muss dem Klienten vorschreiben, was er zu tun hat. Wenn er frisch verletzt ist und es zum Beispiel darum geht, eine Schiene zu tragen, stimmt das natürlich auch. Aber letztendlich entscheidet der Klient, ob er etwas will oder nicht. Darum finde ich es wichtig, ihn darüber aufzuklären, warum ich ihm rate, etwas zu tun. Erst dann kann er selbst die Verantwortung dafür übernehmen.

Was halten Sie von der Tendenz, Ergo- und Physiotherapeuten als Handtherapeuten zu bezeichnen? Gibt es in diesem Fachbereich gar keine berufsspezifischen Unterschiede mehr?

Diese Tendenz finde ich ein bisschen schade, denn beide Berufsgruppen können sehr kompetent in der Handrehabilitation tätig sein. Wenn man sie zu demselben Beruf machen möchte, wird das für mich „konturlos“, und wir verlieren jeweils unseren Spezialblick. Es gibt zwar Bereiche, in denen wir uns überschneiden. Aber Ergotherapeuten haben zum Beispiel einen sehr guten Blick für den Alltag und den Beruf. Physiotherapeuten schauen gezielter auf die Biomechanik, die Fitness und den Körper an sich.

Sie haben schon so viel erreicht und auf die Beine gestellt. Was treibt Sie an?

Ich habe der Ergotherapie einfach mein Herz verschrieben. Auch heute mit fast 50 Jahren würde ich mich immer wieder für den Beruf entscheiden. Natürlich verschieben sich die Schwerpunkte und damit auch die Spezialisierung. Der Kern der Ergotherapie bleibt aber, genau wie meine Faszination.


Das Gespräch führte Simone Gritsch.

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