• Larissa Sarand

    Erleben Sie Larissa Sarand bei ergopraxis after work in Stuttgart und Berlin! Infos unter www.thieme.de/ergopraxis-after-work

     

Anorexie aus Klientensicht – "Ich habe überlebt"

Larissa Sarand erkrankte mit 26 Jahren an Magersucht. Dabei hatte sie nie im Sinn, „mager“ zu werden oder einem vermeintlichen Schönheitsideal nachzueifern. Selbstzweifel und Verlust waren es, die sie dazu trieben und beinahe das Leben kosteten. Sie berichtet über die letzten Jahre und ihr Buch „Friss oder stirb“ – schonungslos, unverblümt und mit schwarzem Humor.

Magersüchtige sind Mädchen und junge Frauen, die nach einem vermeintlichen Schönheitsideal streben und sich um jede Mahlzeit drücken. Oder? Nun, im Gegensatz zu den tatsächlich zahlreichen Facetten der Erkrankung ist die Antwort auf diese Frage simpel: Nein.

Aber woher sollen es „Normalesser“ besser wissen? Schon der in meinen Augen ungünstig gewählte Begriff „Magersucht“ muss zwangsläufig zu falschen Annahmen verleiten. Die wenigsten Patienten magern ab, weil sie ein fragwürdiges Ästhetikempfinden haben. Und der Suchtcharakter der Anorexie ergibt sich nicht aus hervorstechenden Rippen und storchenhaften Beinen, sondern aus dem unbedingten Wunsch nach Autonomie und Kontrolle. Die Magersucht ist „lediglich“ die nach außen hin sichtbare Auswirkung großer innerer Konflikte und Probleme. Herauszufinden, worin diese eigentlich bestehen, ist für die Betroffenen eine echte Mammutaufgabe.

Die Frage nach dem Warum

„Warum wurde ich magersüchtig? Welchen ‚Gewinn‘ brachte mir die Magersucht ein?“ Die Antworten darauf haben sich mir bis heute nicht wirklich erschlossen. Letzten Endes kann ich nur Vermutungen darüber anstellen, die ich mir aus möglichst logischen Kausalketten zusammengebastelt habe. Denn ich bin schon aufgrund meines späten Einstiegsalters alles andere als die „klassische“ Anorexie-Patientin.

Natürlich hat jede Magersüchtige ihre ganz individuellen „Gründe“ für das Ausbilden einer Anorexie. Dennoch steht fest: Etwa 90 Prozent der Betroffenen sind Mädchen, die während der Pubertät erkranken. Eine gängige These ist, dass die auftretenden körperlichen und psychischen Veränderungen von den Betroffenen nicht gut bewältigt werden können und sie mit „Hilfe“ der Anorexie die Kontrolle über diese Vorgänge zu erlangen versuchen. Außerdem finden sich in den Familien magersüchtiger Mädchen oftmals Eltern mit extrem hohen Leistungsansprüchen. Die meisten Magersüchtigen haben außerdem eine sogenannte Körperschemastörung. Sie empfinden sich auch dann noch als zu dick, wenn sie bereits ein lebensbedrohliches Untergewicht erreicht haben.

Das Leben im Griff haben

In Bezug auf die Ursachen für Magersucht werden auch noch andere Faktoren aufgeführt, mit denen wir in meinem Fall der Sache näherkommen: Dazu gehören Selbstzweifel, ein geringes Selbstwertgefühl sowie das Eintreten belastender Situationen wie Tod oder Trennung nahestehender Personen. Irgendwo hier muss bei mir der Ursprung des Übels sitzen. Denn auch wenn ich stets ein Spätzünder war, hatte ich zu Beginn der Magersucht mit 26 Jahren doch schon lange die Pubertät hinter mir gelassen. Auch eine Körperschemastörung habe ich nie entwickelt. Ich sah, dass ich (zu) dünn war, aber dieser Umstand ging mit einer – anders kann ich es nicht ausdrücken – freudlosen Befriedigung einher.

Magersucht ist eine Höchstleistung.

Nach dem Ausschlussprinzip bleiben bei mir zwei Stellgrößen übrig, denen ich eine Mitschuld an meiner Essstörung geben kann: der Verlust meiner Eltern – vor allem der meines geliebten Vaters – und die kläglichen Reste eines Selbstwertgefühls, das meine Mutter kontinuierlich und im wahrsten Sinne des Wortes aus mir herausgeprügelt hat. Da ich aufgrund des fehlenden Selbstwerts nicht glauben kann, dass ich eine Existenzberechtigung habe, wenn ich keine Leistungen erbringe, definiere ich mich über diese. Und ich bin mir durchaus des faden Beigeschmacks meiner folgenden Aussage bewusst, zutreffend ist sie trotzdem: Magersucht ist eine Höchstleistung. Dafür sind unbedingte Disziplin, exakte Planung und eiserner Wille vonnöten. Außerdem bot die Anorexie mir nach einer Phase absolut unkontrollierbarer Ereignisse, dem Krebstod meines Vaters und dem Suizid meiner Mutter, die Möglichkeit, endlich wieder selbst die Dinge im Griff zu haben. Ich hatte wieder die Kontrolle, hatte mich unter Kontrolle.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Anorexie aus Klientensicht – "Ich habe überlebt"

Aus der Zeitschrift: ergopraxis 04/2018

Bei der Veranstaltung ergopraxis after work mit dem Thema "Magersucht" am 18.09.2018 und 09.10.2018 wird Larissa Sarand referieren. Zu weiteren Informationen und der Anmeldung gelangen Sie hier.

Call to Action Icon
ergopraxis kostenlos testen... ...und ausführlich kennenlernen!

Newsletter Ergotherapie

  • Jetzt Newsletter abonnieren und Poster zur ICF sichern!

    Jetzt kostenlos anmelden

    Melden Sie sich jetzt kostenlos zum Newsletter an und verpassen Sie keine Neuigkeiten mehr! Als Dankeschön erhalten Sie kostenlos das Poster zur ICF.

Quelle

ergopraxis
ergopraxis

EUR [D] 56,00Zur ProduktseiteInkl. gesetzl. MwSt.