•  

Auswirkungen des Lockdowns auf Betätigung

Die Corona-Pandemie stellt Millionen von Menschen nicht nur vor persönliche, sondern auch vor berufliche Herausforderungen. Verschiedene Berufsgruppen können gewohnte Routinen und Aktivitäten nicht mehr ausüben, was ihren beruflichen Alltag im Sinne einer Occupational Transition verändert – mit sehr vielschichtigen Folgen.

Ich vermisse es, meine Freunde zu treffen, Fußball zu spielen, in Bars oder Restaurants zu gehen und mit mehreren Menschen in Interaktion zu sein.

Bereits in Ausgabe 7-8/20 thematisierte der Artikel „Lebensübergänge mit Betätigung bewältigen“ das Konstrukt Occupational Transitions (ERGOPRAXIS 7-8/20, S. 10). Er zeigte, wie es Menschen mithilfe von angepassten oder neuen Betätigungen gelingen kann, eine lebensverändernde Situation auf persönlicher Ebene zu überwinden, zum Beispiel eine Erkrankung oder die Berentung. Der Lockdown im Rahmen der Corona-Pandemie führte Millionen von Menschen nicht nur auf persönlicher, sondern auch auf gesellschaftlicher Ebene in eine Occupational Transition. Dabei erlebten größere Bevölkerungsgruppen ein von außen auferlegtes, lebensveränderndes Ereignis, durch das sie ihre gewohnten Routinen und Aktivitäten nicht mehr ausführen konnten.

 

Betätigung im Lockdown dokumentieren

Ich arbeite an zwei Berufsfachschulen für Ergotherapie in Nordrhein-Westfalen und nutzte den Online-Unterricht während des Lockdowns, um den Lernenden die Bedeutung von Betätigung und Betätigungsverlust anhand des eigenen Erlebens zu verdeutlichen. Gemeinsam mit einer Kollegin bat ich zwischen Ende März und Ende April 2020 insgesamt 72 Lernende des ersten und zweiten Ausbildungsjahres, mehrere Tage hintereinander Aktivitätsprotokolle, Bögen zu Aktivitätsmuster und -experimente des Therapieprogramms „Handeln gegen Trägheit“  auszufüllen sowie Lernprotokolle zum Betätigungsverhalten und -erleben im Lockdown zu führen.

Im Folgenden verknüpfe ich die Zitate aus den Lernprotokollen mit den Aspekten einer Transition, den sogenannten sieben Strängen. Dies verdeutlicht aus Sicht der Occupational Science, wie der Lockdown im Rahmen der Corona-Pandemie menschliche Betätigung beeinflusste und wie es den befragten Lernenden gelang, sich mithilfe von alternativen Betätigungen und Betätigungsausführungen an die veränderten Bedingungen anzupassen.

 

Zu Beginn der Occupational Transition „Lockdown“ – Physische und soziale Umwelt

Die umfassenden staatlich angeordneten Kontakt- und Bewegungsbeschränkungen sowie die Schließung von Schulen, Kindertagesstätten, kulturellen Einrichtungen und weiten Bereichen des Groß- und Einzelhandels wirkten sich in Deutschland in der Zeit vom 23.3. bis 19.4.2020 auf die physische und soziale Umwelt aus.

Ich tanze sehr gerne, aber das kann ich in der kleinen Wohnung nicht tun.

Crider et al. (2015) identifizieren dies als ein Kennzeichen von Occupational Transition. In den als „Lockdown“ bezeichneten Wochen veränderte sich die physische Umwelt:

  • wenig Straßenverkehr
  • kaum belebte Straßen und Plätze
  • geschlossene Geschäfte bzw. Warteschlangen vor geöffneten Geschäften
  • leere Regale
  • Abstandsmarkierungen
  • geschlossene Sportstätten
  • geschlossene Spielplätze
     

Der Bewegungsradius der Bürger/-innen innerhalb ihrer physischen Umwelt verringerte sich. Sie suchten gewohnte Ausbildungs-, Arbeits- oder Freizeiteinrichtungen nicht mehr auf und zogen sich zunehmend in ihre Wohnungen und Häuser zurück.

Sie erlebten eine stark veränderte soziale Umwelt, da sich ihre physischen Sozialkontakte auf die Angehörigen des eigenen Haushalts beschränkten bzw. sie Mitmenschen nur noch im „Social Distancing“, also mit räumlichem Abstand, begegnen durften.

 

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Auswirkungen des Lockdowns auf Betätigung – Occupational Transition in der Pandemie
aus der Zeitschrift ergopraxis 13(11/12) / 2020

Die Autorin Rebecca Lang spricht über dieses Thema auch im Podcast „Performance Skills". Hier geht's zur Folge 19 - Der Lockdown innerhalb der Corona-Pandemie aus Sicht der Occupational Science mit Rebecca Lang.

Newsletter Ergotherapie

  • Jetzt zum Newsletter anmelden!

    Jetzt kostenlos anmelden

    Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an und sind immer auf dem Laufenden mit News, Buchtipps, Neuerscheinungen und Gewinnspielen.

Quelle

ergopraxis
ergopraxis

EUR [D] 80Inkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Professionelles und klinisches Reasoning in der Ergotherapie
Maria FeilerProfessionelles und klinisches Reasoning in der Ergotherapie

Ein Leitfaden für reflektiertes Denken und Handeln

EUR [D] 81,99Inkl. gesetzl. MwSt.

Ergotherapie - betätigungszentriert in Ausbildung und Praxis
Maria Kohlhuber, Christine Aichhorn, Barbara DehnhardtErgotherapie - betätigungszentriert in Ausbildung und Praxis

EUR [D] 51,99Inkl. gesetzl. MwSt.

Ergotherapie in der Psychiatrie
Beate KubnyErgotherapie in der Psychiatrie

EUR [D] 69,99Inkl. gesetzl. MwSt.

Cookie-Einstellungen