•  

Gefühle und Gedanken teilen – Mindsharing in der Gruppe

Gedanken und Gefühle äußern. Zuhören. Sich austauschen. Das sogenannte Mindsharing ermöglicht es, sich in Krisen zum Beispiel auch per Video psychisch zu stabilisieren und Nähe zu erfahren.

Die globale Corona-Krise ist eine von Angst, Unsicherheit und Einsamkeit geprägte Zeit. Diese schlagartig veränderte, befremdliche Realität erfordert eine neue Herangehensweise, um die eigenen Gefühle und Gedanken zu sortieren. Die Pandemie bringt laut Karen Whalley Hammell eine „occupational disruption“ mit sich. Damit ist ein Abbruch oder eine Unterbrechung der täglichen Routine und der gewohnten, regelmäßig ausgeführten Betätigungen gemeint. Diese Unterbrechung lag außerhalb unserer Kontrolle. Sie war der Ausbreitung von COVID-19 und der darauf reagierenden politischen Entscheidungen geschuldet.

Das Leben davor schien weitestgehend berechenbar – ein Kalender voller Termine, ein Alltag geprägt von Verpflichtungen, Ortswechseln und Events. Mit der Pandemie fielen sämtliche Betätigungsmöglichkeiten in der Bildungs- und Arbeitswelt, auf öffentlichen Plätzen, in Gebäuden sowie kulturelle Angebote und soziale Begegnungen abrupt weg. Eine plötzlich fehlende Struktur kann ein Gefühl von Ungewissheit auslösen und zu starker psychischer Belastung führen. Deshalb empfiehlt der Psychiater Manfred Spitzer (2020) während einer erzwungenen Auszeit, in sich zu gehen und über sich und das Leben zu reflektieren.

Diesen Rat nahmen wir im Studiengang Ergotherapie an der Fachhochschule Wiener Neustadt, Österreich, an. Wir nutzten dafür das Mindsharing, zu Deutsch „Gedanken teilen“, in der Gruppe. Damit war ein psychosoziales Gesundheitsförderungsprojekt des Bachelorabschlussjahrgangs geboren. Die Idee der bewussten Wahrnehmung und des Teilens von Gedanken und Emotionen entstand im März 2020, als die Corona-Krise gerade begann, ihren Lauf zu nehmen.

Gedankenaustausch in zwei Runden

Die eigene Meinung und Befindlichkeit offen und intuitiv zu teilen, lässt Gemeinschaft entstehen. Die anthropologischen Ursprünge dieser Intervention entstammen den „talking circles“ der nordamerikanischen Ureinwohner/-innen. Dieses offene System des Teilens von Gedanken und Seinszuständen wurde ab den 1970er Jahren von nicht indigenen kulturellen Gegenbewegungen übernommen und damit anderen sozialen Gruppen zugänglich gemacht. Wir vermuten, dass dieses System von England ausgehend in unterschiedlichen Workshops mit psychodynamischem Schwerpunkt in Europa und Nordamerika weiterentwickelt wurde. Die „talking circles“ wurden dadurch an den Zeitgeist westlicher Gesellschaften angepasst. Die modifizierte Form besteht aus zwei Teilen:

  • In der ersten Runde erhalten alle Teilnehmenden die Möglichkeit, zeitlich begrenzt ihre Gedanken und Gefühle zu äußern.
  • In der zweiten Gesprächsrunde nehmen sie nacheinander Bezug auf eine konkrete Frage.

Diese Form setzten wir im Lockdown online um und leisten damit nach unserem Kenntnisstand Pionierarbeit.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Gefühle und Gedanken teilen – Mindsharing in der Gruppe
aus der Zeitschrift ergopraxis 13(11/12) / 2020

Newsletter Ergotherapie

  • Jetzt anmelden und Paper sichern!

    Jetzt Whitepaper sichern!

    Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an und Sie erhalten als Dankeschön das Paper "Therapie auf Knopfdruck".

Quelle

ergopraxis
ergopraxis

EUR [D] 80Inkl. gesetzl. MwSt.

Buchtipps

Ergotherapie in der Psychiatrie
Beate KubnyErgotherapie in der Psychiatrie

EUR [D] 69,99Inkl. gesetzl. MwSt.

Ergotherapie - betätigungszentriert in Ausbildung und Praxis
Maria Kohlhuber, Christine Aichhorn, Barbara DehnhardtErgotherapie - betätigungszentriert in Ausbildung und Praxis

EUR [D] 51,99Inkl. gesetzl. MwSt.

Grundlagen der Ergotherapie
Mieke le, Margo van, Astrid KinébanianGrundlagen der Ergotherapie

EUR [D] 99,99Inkl. gesetzl. MwSt.

Cookie-Einstellungen