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Zertifizierungskurs: Implementierung von betätigungs- und klientenzentrierter Ergotherapie - „Es sind Gänsehaut-Momente“

Ellen Romein, Gaby Kirsch und Barbara Dehnhardt haben eine Vision: In zehn Jahren sollen alle Ergotherapeuten fähig sein, Menschen unabhängig von Diagnose, Alter, Kultur oder Kontext dabei zu unterstützen, das zu tun, was für sie in ihrem Alltag wichtig ist. Im Interview erzählen sie, wie sie Ergotherapeuten auf dieser Entdeckungsreise begleiten.

Die ersten Teilnehmer haben Ihren Kurs „Innovative Ergotherapie“ gerade abgeschlossen. Wie ist es gelaufen?

Alle sieben teilnehmenden Praxen haben es geschafft, ihre Arbeit so umzustellen, dass sie mittlerweile in allen Phasen des Therapieprozesses, also vom Befund über die Therapie bis hin zum Bericht, klientenzentriert und betätigungsorientiert arbeiten. Besonders beeindruckt hat uns dabei, wie viel Energie sie in diesen Kurs eingebracht haben. Das heißt, der Kurs bringt viel Nutzen mit sich, bedeutet aber auch viel Arbeit – sowohl für die Teilnehmer als auch für das gesamte Praxisteam, mit dem sie arbeiten. Denn das Team ist in jeder Phase der Veränderung aktiv beteiligt, um die Inhalte auch tatsächlich in der Praxis zu verankern und nutzen zu können.

Sie bieten den Kurs speziell für Praxisinhaber an. Warum?

Wir sprechen bewusst die Verantwortlichen einer Einrichtung an. Und da wir den Kurs für Ergotherapiepraxen konzipiert haben, sind das in der Regel Praxisinhaber. Denn sie müssen eine klientenzentrierte und betätigungsorientierte Arbeitsweise wollen und unterstützen. Das ist die Voraussetzung. Entweder der Inhaber nimmt selbst teil und gibt die Inhalte an sein Team weiter oder er bestimmt eine Person, die eine gewisse Rolle im Team innehat und die Inhalte weitertragen kann. Eine Praxis hat zum Beispiel mit zwei Verantwortlichen teilgenommen – je nach Praxisgröße bzw. Anzahl an Standorten kann man so die Aufgabe auf mehrere Schultern verteilen.

Für einzelne Ergotherapeuten bzw. Angestellte wäre der Kurs mit 2.800 Euro sicherlich auch finanziell gar nicht tragbar.

Der Vorteil der Weiterbildung ist, dass der Teilnehmer das Wissen, das er sich im Kurs angeeignet hat, an die gesamte Praxis weitergibt. Wie er das sinnvoll vermittelt, lernt er ebenfalls bei uns. Damit schulen wir nicht nur diejenigen, die im Kurs sitzen, sondern alle Mitarbeiter einer Einrichtung. Würde man sie also alle einzeln zur Fortbildung schicken, wären die Kosten deutlich höher.

Ist dieses Weitervermitteln auch der Grund, warum gleich im ersten Kursmodul das Change Management eine Rolle spielt?

Ganz genau. Ein Kursteilnehmer meldete uns zurück, dass ihm gar nicht bewusst war, wie wichtig das Change Management ist. Es hat ihn sehr dabei unterstützt, die Strukturen in seine Praxis einführen und den Veränderungsprozess jedes einzelnen Mitarbeiters begleiten zu können. Denn auf Veränderung reagieren nicht alle Mitarbeiter gleich: Es gibt diejenigen, die sich auf die neuen Inhalte freuen, diejenigen, die eher abwarten, was auf sie zukommt, und es gibt Mitarbeiter, die das Ganze eher abwehren. Mit diesen Reaktionen gilt es umzugehen. Das heißt, die Teilnehmer brauchen Strategien, um den Prozess positiv zu steuern und mit Mitarbeitern umgehen zu können, die Widerstände haben oder denen zum Beispiel unterwegs die Puste ausgeht. Hierzu vermitteln wir Teilaspekte aus dem Change Management.

Das heißt, Voraussetzung für die Kursteilnahme ist, dass sich das gesamte Team geschlossen für ein klientenzentriertes und betätigungsorientiertes Vorgehen entscheidet?

Der Praxisinhaber und sein Team brauchen auf jeden Fall eine Bereitschaft und Offenheit, den Prozess anzugehen – auch wenn sie nicht genau wissen, was auf sie zukommt. Denn wer weiß schon, wie klientenzentriertes und betätigungsorientiertes Arbeiten genau aussieht? Es gibt bislang nur wenige Stellen in Deutschland, in denen das gelebt wird. Das ist bislang noch eher eine Vision oder Idee. Wie eine Praxis dann den Lernprozess gestaltet, bestimmt sie ganz individuell nach ihrem Charakter, ihrem Anspruch und nach ihren Schwerpunkten. Die Vermittlung ist in kleineren Praxen mit wenigen Mitarbeitern deutlich einfacher als bei großen Praxen mit mehreren Standorten. Im Change Management lernen die Teilnehmer zum Beispiel, dass eine Kick-off-Veranstaltung wichtig ist, um das Team auf das Thema überhaupt erst einmal einzustimmen und sie dafür zu begeistern. In welchem Rahmen sie die Inhalte, die sie an den Präsenztagen gelernt haben, dann gemeinsam entdecken – ob innerhalb von Teambesprechungen oder mal an einem Samstag –, das bestimmt das Praxisteam und gibt so seinem Veränderungsprozess eine individuelle Richtung. Das heißt, die Theorie und Übungen vermitteln wir im Kurs. Wie man Interviews führt, eine Betätigungsanalyse oder ein Betätigungsprofil erstellt, entdecken die Therapeuten individuell in ihrer Praxis. Die Basis des Zertifizierungskurses bleibt aber immer gleich: Klientenzentrierung und Betätigungsorientierung.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Zertifizierungskurs: Implementierung von betätigungs- und klientenzentrierter Ergotherapie

Aus der Zeitschrift ergopraxis 10/2017

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