• Prof. Dr. Gerald Hüther

     

„Ich würde mein Kind zu einem Rebellen erziehen!“

Prof. Dr. Gerald Hüther zählt zu den bekanntesten Hirnforschern Deutschlands. Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit setzt er sich für die Entfaltung menschlicher Potenziale, vor allem im Bereich Erziehung und Bildung, ein. Im Interview mit ergopraxis spricht er über die Bedeutung des freien Spiels für die kindliche Entwicklung.

Wie wichtig ist das freie Spiel für die Gehirnentwicklung von Kindern?

Früher hat man geglaubt, dass das Spielen eine Art Vorbereitung auf das spätere Leben ist. Inzwischen ist deutlich geworden, dass sich sämtliche lernfähigen Säugetiere dadurch auszeichnen, dass sie spielen. Und sie spielen nicht, um die späteren Lebenstechniken einzuüben, sondern um auszuprobieren, was mit ihrem Körper und in ihrer Lebenswelt möglich ist. Das heißt, Spielen ist in Wirklichkeit ein aktives Erkunden der eigenen Potenziale. Kinder, denen nicht genügend Raum zum freien und unbekümmerten Spielen bleibt, haben keine hinreichenden Möglichkeiten, sich selbst mit ihren Anlagen, Talenten und Begabungen kennenzulernen.

Warum ist eine gewisse Kontinuität im Sinne von Vertrautheit bzw. Bekanntheit wichtig, um vorhandene Erfahrungen weiterzuentwickeln?

Vertrautheit ist das beste Mittel gegen Angst, und Angst ist der größte Unterdrücker von Neugier. Menschen öffnen sich nicht, wenn sie Angst haben. Heute sind Eltern oft verunsichert, weil sie selbst verlernt haben, was das Richtige für sie und ihre Kinder ist.

Wie wichtig sind die Wiederholung von Betätigungen und das Anknüpfen an bereits Bekanntes in der kindlichen Entwicklung?

Man kann nichts Neues lernen, wenn es nicht anknüpfbar ist an etwas, das man bereits weiß. Neues Wissen darf allerdings nicht identisch mit dem sein, was schon bekannt ist. Es darf aber auch nicht zu neu sein. Das Einzige, womit Kinder etwas anfangen können, ist etwas, das ein kleines bisschen über das hinausgeht, was sie schon wissen. Und das ist das, was sie im freien Spiel tun. Dabei legt sich jedes Kind seine Latte für die nächste zu bewältigende Aufgabe genau auf die Höhe, die zu ihm passt. Und jedes Mal sind die Aufgaben von den Kindern so gewählt, dass es einer Anstrengung bedarf, sie zu lösen. Kinder sind nicht bequem, man muss sie nicht dazu zwingen, Leistungen zu vollbringen. Es ist ihr eigenes Bedürfnis.

 

Lesen Sie hier das vollständige Interview: „Ich würde mein Kind zu einem Rebellen erziehen!“

Aus der Zeitschrift ergopraxis 6/2016

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