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Kolumne – Berufsidentität bis aufs Blut

Handlungsfähigkeit erreichen Klienten nicht durch Trockenübungen – da müssen Alltagsbedingungen her! Und weil Ergotherapeuten keinen Aufwand scheuen, um die Lebensqualität ihrer Klienten zu verbessern, wagt Michael Schiewack ein Abenteuer, an das er sich für den Rest seines Lebens erinnern wird.

Heute pflege ich meine Wunden. Denn diese dokumentieren meine berufliche Identität und mein Wissen um die Kernkompetenz der Ergotherapie: die Handlungsfähigkeit des Klienten in den bedeutenden Bereichen seines Lebens herstellen. Das mit den Wunden kam dann so:

Ich hatte eine Neuaufnahme in meiner Praxis. Ein Riesenkerl. Ein Verkehrsunfall hatte seine Hand ziemlich schwer in Mitleidenschaft gezogen. Kein Problem, denke ich. Mit meinen unzähligen Fortbildungszertifikaten kann mir nichts passieren. Den Klienten bekomme ich schon wieder fit. Nach ausgiebiger Anamnese, Anwendung des COPM und Verwendung der visuellen Analogskala behandele ich drauflos. Schließlich ist der Riese selbstständig und muss seinen Beruf bald wieder ausüben. Dazu müssen sich seine Finger wieder bewegen können, schmerzfrei sein und wörtlich genommen viel Gefühl entwickeln. Er hat Riesenpranken, und ich kann mir gar nicht recht vorstellen, wie er eine solch feinfühlige Arbeit machen kann. Aber das geht mich ja nichts an, ich muss ihn nur wieder dazu befähigen und dafür sorgen, dass er zufrieden ist.

Nachdem ich ihn zur Narbenbehandlung beraten und ihn für Heimübungen angeleitet habe, werden seine Finger langsam wieder alltagsbeweglich. Nur das mit dem Gefühl, will nicht so recht. Der Klient hatte allerdings ziemlichen Zeitdruck. Denn irgendwann muss er ja wieder seine Brötchen verdienen. Ich schlage also eine Belastungserprobung vor. In seinem Betrieb. Vorher müssen wir jedoch sein Arbeitsgerät und die Belastung für die Hände erproben. Er bringt alles mit. Es summt im Behandlungsraum. Die feinen Vibrationen und Schwingungen der Maschine bereiten dem Klienten keine Schmerzen. Er scheint glücklich und meint, dass er es kaum noch erwarten kann, richtig Hand anzulegen. Ich gebe zu bedenken, dass ich das erst mal genau analysieren muss. Und zwar in der Betätigung selbst. Er schätzt meine Fachexpertise. Ich habe alles im Griff.

 

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Aus der Zeitschrift ergopraxis 05/2017

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