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Neuroplastizität – Das Gehirn lernt immer

Auch wenn ein Schlaganfall bereits mehrere Jahre zurückliegt, sind dank der Neuroplastizität kognitive und motorische Verbesserungen möglich. Erklären Sie Ihren Klienten die Zusammenhänge auf verständliche Art und Weise und ermöglichen Sie ihnen, Eigenverantwortung für ihren Genesungsprozess zu übernehmen.

Es ist überholt, zu denken, dass Menschen mit angeborenen oder erworbenen Hirnschädigungen für immer eingeschränkt bleiben müssen. Das Gehirn besitzt die Fähigkeit zur Neu- und Umstrukturierung und kann sich durch Erfahrungen im Laufe des Lebens verändern. Diese Erfahrungen werden zum Beispiel sensorisch oder motorisch, durch aufgabenorientiertes Lernen, Motivation, Stress, Belohnung, Altern, Ernährung oder Hormone hervorgerufen.

Wie sich das Gehirn verändert

Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, seine Struktur und Organisation kontinuierlich an veränderte Voraussetzungen (z. B. Läsionen) und neue Anforderungen (z. B. Lernbedarf) anzupassen. Sie wurde zum Beispiel bei blinden Menschen nachgewiesen, die Blindenschrift lesen. Die Repräsentationsareale ihrer Finger auf der Hirnrinde sind vergrößert. Ähnlich ist es auch bei Streichmusikern. Ihre Hirnrinde muss ganz andere Tasteindrücke verarbeiten als diejenige von Menschen, die niemals ein Streichinstrument erlernt haben.

Plastizität und Reorganisation sind jedoch nicht immer wünschenswerte Phänomene. Sie können auch negative Folgen haben. Drogenabhängigkeit oder zwanghafte Gedanken sind beispielsweise negative Muster, die sich durch Wiederholung zu Störungen entwickelt haben. Bei Menschen mit einem amputierten Körperteil ist der neuronale Zufluss zum kortikalen Areal unterbrochen. Hier kommt es zu einem „Hineinwandern“ benachbarter Hirnareale in das „leere“ Areal. Diese Reorganisation kann von Phantomschmerzen begleitet sein.

Was das für die Neuroreha bedeutet

Das Gehirn ist kurz nach einer Schädigung besonders empfänglich für plastische Veränderungen. Deshalb sollte die Rehabilitation möglichst früh beginnen, um das Outcome zum Beispiel nach einem Schlaganfall zu verbessern. Allerdings haben Klienten mit neurologischen Erkrankungen häufig viele verschiedene kognitive und motorische Einschränkungen. Und nicht selten erschweren Kontextfaktoren wie Alter, Motivation oder Angehörige die Rehabilitation. Weil so viele Faktoren eine Rolle spielen und mehrere Professionen am Behandlungsprozess beteiligt sind, ist Transparenz gefragt: Welche Ebene im Rehabilitationsprozess ist aktuell für den Klienten und seine Angehörigen relevant und welche Profession arbeitet woran?

Um sich in dieser Komplexität zurechtzufinden, hilft die Einteilung der Ebenen der Neurorehabilitation nach Carey et al. (EBENEN DER NEUROREHA). Etwas detaillierter als die ICF unterscheiden sie die biomedizinische Ebene, die Ebene der Körperfunktionen, der funktionellen Einschränkungen, der Aktivitäten, der Partizipation und der Umwelt. Anhand dieser Einteilung wird deutlich, dass sich Neuroplastizität überall wiederfinden kann.

 

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Aus der Zeitschrift ergopraxis 05/2017

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