• Intensivstation

     

Überlebender eines schweren Schädel-Hirn-Traumas - Reise in ein neues Leben

Als Patrick 23 Jahre alt war, beendete ein Pickup-Truck sein bis dahin aktives und glückliches Leben. Zurück blieben ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, unermüdlich kämpfende Eltern und eine Odyssee über die Ländergrenzen hinweg.

„Was ist los mit ihm?“, fragte das mutigste der drei Kinder, die uns auf unserem Spaziergang in einem Park in Pforzheim trafen. „Unser Sohn hatte einen schweren Unfall“, erklärten wir. „... und ist gestorben“, beendete der Junge unseren Satz. „Nicht ganz“, korrigierten wir ihn. „Aber jetzt ist er tot!“, rief der Junge im Brustton der Überzeugung, der keinen Zweifel an Patricks Zustand lassen konnte. Worauf Patrick sein Bein bewegte, sein Gesicht zu einem breiten Lächeln verzog und den drei kleinen Helden einen Riesenschreck einjagte. „O.k., also, er ist nicht tot. Er lebt!“ Tatsächlich – Patrick lebt.

Seit unserem Spaziergang im Park haben meine Frau und ich uns oft gefragt, was sich die Kinder wohl dachten, als sie Patrick und uns trafen. Dachten sie wirklich, wir würden seinen Leichnam im Rollstuhl durch den Park spazieren fahren? Die Kinder waren Asylanten, Kriegsflüchtlinge aus Afghanistan und Syrien, vielleicht acht oder zehn Jahre alt. Für sie war es bestimmt kein ungewohnter Anblick, Eltern mit ihrem schwer verwundeten, ja toten Sohn auf der Straße zu sehen. Aber warum auch viele Ärzte, Therapeuten, Pfleger und Besucher mit Patrick umgehen, als sei er tot, verstehen wir bis heute nicht. Sie ignorieren ihn als Person, sehen in seiner Behandlung, Therapie und Pflege, in seiner Teilhabe und Integration eine verantwortungslose Verschwendung wertvoller Ressourcen des Gesundheitssystems.

Studien belegen, dass mehr als 40 Prozent der Menschen mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma (sSHT) als in einem permanenten vegetativen Zustand diagnostiziert werden. Obwohl sie in Wirklichkeit bei Bewusstsein sind, oft in einem minimalen Bewusstseinszustand. Eine unveröffentlichte Studie in Irland belegt, dass die Fehlerrate bei über 60 Prozent liegt. Zahlen, die bei Krebs- oder Herzkranken undenkbar wären und nie und nimmer toleriert würden. Menschen liegen in Pflegeheimen, sehen nicht viel mehr als die Deckenlampe, werden mit Sondennahrung, Wassergaben über die PEG und Medikamente am Leben erhalten und fragen sich, was in aller Welt hier abgeht.

Patrick war in Deutschland und Irland aufgewachsen. Wie wir als Wanderer zwischen den Kulturen hatte er im Frühjahr 2013 sein Studium in Dublin beendet und wollte den Sommer als Saisonarbeiter in den USA verbringen. Er hatte mit einem Stipendium an der University of Kentucky studiert und war dort Mitglied der Schwimm-Mannschaft der ersten Liga. Er war ein „Gaelgóir“, ein der irischen Kultur und Sprache Verschworener und Moderator von Radiosendungen in irischer Sprache. Ende Mai 2013, an seinem 23. Geburtstag, verabschiedeten wir uns von ihm.

Das nächste Mal sahen wir ihn etwa einen Monat später auf der Intensivstation des Cape Cod Hospital (CHH) in Hyannis, USA. Ein Pickup-Truck hatte versucht, ihn auf einer engen Landstraße bei Gegenverkehr zu überholen, und ihn am Lenkrad erfasst. Sein Kopf schlug erst gegen die Windschutzscheibe und die C-Säule zwischen Fahrzeugdach und Kotflügeln, dann auf der Straße auf.

Die Ärzte fragten uns, ob wir unserem so aktiven, intelligenten, lebensfrohen Sohn wirklich ein nicht zu tolerierendes Leben, „an intolerable life“, zumuten wollten. Der Schock, der Terror dieser für uns unfassbaren Situation versetzte uns in einen Zustand, den nur die kennen, die ihn einmal durchlebt haben. Abhängig vom Rat und der Meinung der Ärzte waren wir dieser uns unbekannten Welt machtlos ausgeliefert.

 

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Aus der Zeitschrift ergopraxis 07/08 2017 

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