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Zweifel sind normal – Studieren mit Ü40

Corinna Schug steht schon lange im Beruf und ist damit auch recht zufrieden. Doch die Idee, noch mal zu studieren, lässt sie nicht los. Befürchtungen, dass ihr Englisch für ein Studium nicht reichen könnte oder ihre Ehe darunter leidet, schiebt sie beiseite und wagt den Schritt. Drei Jahre später ist sie zwar urlaubsreif, aber auch unglaublich stolz und gestärkt.

Mein Name ist Corinna Schug. Ich bin 46 Jahre alt und schloss im Jahr 2000 meine Ergotherapieausbildung ab. Vor drei Jahren entschied ich mich für das Studium zum „Bachelor of Science in Occupational Therapy“.

Über diesen Schritt habe ich lange nachgedacht und mich tatsächlich auch lange dagegen entschieden. Studieren mit über 40 traute ich mir nicht zu. Denn es bedeutete ja auch, die eigene Komfortzone zu verlassen, neue Wege zu gehen und sich mit dem eigenen Berufs- und Selbstbild auseinandersetzen zu müssen. Und das, obwohl ich seit mehr als 14 Jahren eine sichere Anstellung hatte und mit meiner Arbeit meist recht zufrieden war.

Ich schreibe bewusst „recht zufrieden“, denn seit einigen Jahren mischte sich immer wieder ein Gefühl innerer Unzufriedenheit ein. Ich bildete mich stets weiter und suchte mir in meiner Arbeit immer wieder neue Herausforderungen. Doch das reichte nicht mehr aus, um den Arbeitstag mit einer wohligen Zufriedenheit beschließen zu können. Hinzu kam, dass ich als Praxisanleiterin immer häufiger auf Praktikanten traf, die sich für das duale Studium entschieden hatten – das machte mich neugierig.

Zwischen Neugier und Sorgen

In meiner Ausbildung setzten wir uns nicht mit Modellen und Assessments oder Themen wie Clinical Reasoning, Empowerment und Evidenz auseinander. Das habe ich mir im Laufe meiner Berufsjahre zwar angelesen, konnte damit jedoch nie leichtfüßig jonglieren. Ich hatte den Eindruck, nicht mehr zeitgemäß zu arbeiten.

Also begann ich 2016 mit dem berufsbegleitenden Studium. Im Gepäck viel Neugierde und Vorfreude, aber auch viele Sorgen und Fragen wie: Reicht mein Englisch für die ganze Fachliteratur? Wie wird mein Alltag aussehen? Wie wirkt sich diese Zusatzanforderung auf meine Ehe, meinen Freundeskreis, meine Freizeit und meine Arbeit aus? Und wird das alles auch dauerhaft finanziell gut zu meistern sein? Wie wird es sein, mit deutlich jüngeren Kollegen zu studieren?

Ich hatte den Eindruck, nicht mehr zeitgemäß zu arbeiten.

Ich nehme die Beantwortung dieser Fragen mal vorweg: Ja, es ist zu schaffen. Doch ein Sonntagsspaziergang sieht anders aus.

Empfehlung: Vollzeitstelle reduzieren

Das Grundstudium absolvierte ich an den Döpfer Schulen Köln. Im Schnitt hatte man alle zwei Monate ein Modul von Freitag bis Sonntag. Zwischen den Modulen setzt man sich mit dem Gelernten in Form einer Hausarbeit auseinander und muss für diese viel recherchieren, lesen und lernen. Jedes Modul will vor- und nachbereitet werden, und Texte, Studien und Literatur sind zu circa 60 Prozent in englischer Fachsprache. Ich musste mich einarbeiten, was am Anfang schwierig war. Doch mit der Zeit hatte auch ich weniger Probleme mit den englischen Texten und immer wunderbare Mitstudenten und Dozenten an meiner Seite, die mir halfen. Der zeitliche Aufwand im Grundstudium umfasste etwa 10 bis 15 Stunden pro Woche, im Hauptstudium deutlich mehr.

Da ich meine Vollzeitstelle während des Studiums im Gegensatz zu den meisten anderen Studierenden in meinem Kurs nicht reduziert habe, waren meine Wochenenden nun immer für das Lernen und Ausarbeiten der Studieninhalte reserviert. Dies würde ich nun ganz anders machen und empfehle jedem, seine Stelle wenn möglich zu reduzieren. Denn mein Weg bedeutete auch, kaum Freizeit zu haben, den Alltag komplett neu organisieren zu müssen und sich sowohl mit einem stirnrunzelnden Ehepartner als auch naserümpfenden Freunden auseinandersetzen zu müssen. Doch auch hier möchte ich Mut zusprechen. Meine Ehe und Beziehungen zu Freunden haben das überstanden, und wir sind alle an der neuen Situation gewachsen.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag: Zweifel sind normal – Studieren mit Ü40

Aus der Zeitschrift: ergopraxis 05/2019

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