Osteopathie in der Tiermedizin

Bewegung ist Leben

Die Osteopathie begreift den Körper in seiner Gesamtheit. Die einzelnen (anatomischen) Strukturen greifen ineinander wie bei einem Uhrwerk und nur wenn alle Teile gut beweglich sind, funktioniert auch das Ganze.
Ist die Bewegung nur an einer einzigen Stelle eingeschränkt, ist dieses sensible Gleichgewicht gestört und Krankheiten können entstehen.
Der geistige Vater der Osteopathie ist der US-amerikanische Arzt Andrew T. Still. Er begründete in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts diese manuelle Therapieform. Der Name Osteopathie setzt sich zusammen aus griech. ostéon = Knochen und páthos = Leiden. Die Namensfindung hängt eng mit Stills Behandlungsansatz zusammen:

Er behandelte alle Erkrankungen (Leiden) immer über den Bewegungsapparat und das Skelettsystem (Knochen).
Schon um 1940 wurde versucht, die Osteopathie auch auf Tiere zu übertragen. Seit den 70er Jahren wird diese Therapieform regelmäßig beim Tier angewandt, v.a. bei Pferden und Hunden. Vorreiter und Mitbegründer der Osteopathie beim Pferd waren der französische Tierarzt Dominique Giniaux und der belgische Physiotherapeut
und Humanosteopath Pascal Evrard, der 2003 im Alter von nur 44 Jahren tödlich verunglückte. 

Was macht die Osteopathie?

Osteopathie ist eine rein manuelle Therapie. Mit Hilfe der Hände werden die verschiedenen Gewebeschichten durchgetastet und Bewegungsstörungen erfühlt. Durch die Auflösung dieser Bewegungsstörungen werden die Selbstheilungskräfte angeregt und der Körper wieder ins Gleichgewicht gebracht.
Nach Ansicht der Osteopathen erfüllen vor allem die Faszien als umhüllendes und verbindendes Bindegewebe (z.B. der Muskeln aber auch der inneren Organe) eine äußerst wichtige Rolle im Körper. Dieses körperweite Netzwerk der Faszien verbindet sämtliche Strukturen, sodass eine Störung in einem Bereich auch Auswirkungen
auf weit entfernte Strukturen haben kann. So kann z.B. die Ursache für eine klinisch auffällige Lahmheit durchaus eine Läsion (Störung) an der Brustwirbelsäule sein.

Das Missverständnis mit dem Einrenken …

Sprechen Osteopathen von einem „ausgerenkten“ Gelenk (oder Wirbel), ist hier nicht das gleiche gemeint wie in der Schulmedizin. In der Schulmedizin ist eine Ausrenkung gekennzeichnet durch eine Bewegung eines Knochens über das physiologische Maß hinaus, wobei auch die Gelenkkapsel und die Gelenkbänder meist
reißen oder anreißen. Es liegt also eine erhebliche Verschiebung und Verletzung vor.
In der Osteopathie hingegen geht es um Bewegungen viel kleineren Ausmaßes. Innerhalb der normalen Beweglichkeit eines Gelenks kann ein Knochen in einer bestimmten Stellung fi xiert sein, z.B. durch Verspannungen der Muskeln. Die Beweglichkeit des Gelenkes ist eingeschränkt, was wiederum Auswirkungen auf den weiteren Körper hat. Löst nun der Osteopath diese Fixierung oder Blockade („renkt er das
Gelenk wieder ein“) ist die normale Beweglichkeit wieder gegeben und der Körper kann sich regenerieren. Typische Anwendungsgebiete der Osteopathie sind chronische Erkrankungen (z.B. des Bewegungsapparates). Ebenso wird eine regelmäßige osteopathische Behandlung zur Vorbeugung von Krankheiten und/oder Betreuung von Sportpferden eingesetzt. Lediglich begleitend kann die Osteopathie bei strukturellen, akuten oder sehr schweren Erkrankungen eingesetzt werden, als alleinige Methode hier aber keine Heilung erzielen.

Formen der Osteopathie

Anhand der vorrangig betrachteten Strukturen werden 3 Säulen der Osteopathie unterschieden. Für jede dieser Säulen gibt es eigene Behandlungstechniken, die individuell im Sinne des Patienten kombiniert werden können.

• Parietale Osteopathie

Diese Form beschäftigt sich vorrangig mit Knochen, Gelenken, Muskeln und Faszien.

• Viszerale Osteopathie

Hier wird der Fokus auf die inneren Organe gerichtet. Dabei stehen die nervale Versorgung, ihre Aufhängung
im Körper und das versorgende Blutgefäßsystem im Vordergrund.

• Kraniosakrale Osteopathie

Diese Form wurde von William G. Sutherland geprägt und postuliert einen kraniosakralen Rhythmus, der im ganzen Körper spürbar ist. Das Wort „kranial“ bezieht sich dabei auf den Schädel (Cranium) als oberen „Endpunkt“, der Begriff „sakral“ auf das Kreuzbein (Sakrum) als unteren „Endpunkt“.
Ziel der kraniosakralen Therapie ist die Wiederherstellung der Beweglichkeit aller Elemente (Schädel und Kreuzbein sowie alle dazwischen liegenden Strukturen) um einen ungestörten kraniosakralen Rhythmus zu gewährleisten.

 

Ausbildung

In Deutschland ist „Pferde-Osteopath“ oder „Hunde-Osteopath“ kein geschützter Begriff . Es gibt eine Vielzahl von Ausbildungsmöglichkeiten und Schulen, die je nach ihrer Ausrichtung nur Tierärzte, Ärzte oder (Tier)physiotherapeuten zulassen, aber auch solche, die allen Interessierten off en stehen. Die Ausbildungsdauer
beträgt zwischen 100 und 330 Unterrichtsstunden und wird jeweils mit einer Prüfung abgeschlossen.
Im Bereich Kleintier gibt es einen von der Akademie für tierärztliche Fortbildung (ATF) anerkannten Kurs: Kleintier Kompakt.Dieser vermittelt in 4 Modulen (jeweils 3 Tage) Theorie und Praxis zu den verschiedenen Formen der Osteopathie.

Bildquelle: Könneker, Reiter: Osteopathie in der Kleintierpraxis.

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