Was ist das Asperger-Syndrom?

Dr. Asperger beschrieb das Syndrom

Obwohl Ärzte erst seit kurzem diese Unterschiede beschreiben, so war doch das ungewöhnliche Fähigkeitsprofil, das wir heute als Asperger-Syndrom definieren, wahrscheinlich ein wichtiges und wertvolles Merkmal unserer Spezies im Verlauf ihrer gesamten Evolution. Erst im 20. Jahrhundert haben wir einen Namen gefunden, um solche Menschen zu beschreiben. Heute benutzen wir den diagnostischen Begriff Asperger-Syndrom, der auf die ungewöhnlich gut beobachtete Beschreibung von Dr. Hans Asperger zurückzuführen ist, einem Wiener Kinderarzt, dem 1944 auffiel, dass einige der Kinder, die in seine Klinikeingeliefert wurden, ähnliche Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen zeigten. Mitte der 1940er-Jahre wurde das psychologische Studium der Kindheit in Europa und in Amerika zu einem anerkannten und wachsenden Bereich der Wissenschaft, in dem es bedeutsame Fortschritte bei den Beschreibungen, theoretischen Modellen und Testwerkzeugen gab. Dennoch konnte Asperger keine Beschreibung und Erklärung für die kleine Gruppe einander ähnlicher und ungewöhnlicher Kinder, die ihn faszinierten, finden. Er schlug den Begriff »Autistische Psychopathen im Kindesalter« vor, wobei der Begriff »Psychopath« heute stark abwertend klingt und daher als Fachbegriff kaum noch üblich ist, damals aber allgemein eine Persönlichkeitsstörung bezeichnete, ohne notwendigerweise abwertend gemeint zu sein.

Typische Schwierigkeiten und besondere Fähigkeiten

Asperger war von Kindern mit einer autistischen Persönlichkeit offenbar fasziniert und beschrieb ihre Schwierigkeiten und Fähigkeiten mit einer bemerkenswerten Genauigkeit.

  • Er beobachtete, dass die soziale Reife und das soziale Verständnis dieser Kinder verzögert waren und dass es in jeder Entwicklungsphase einige ungewöhnliche soziale Verhaltensweisen gab.
  • Den Kindern fiel es schwer, Freundschaften zu schließen und sie wurden oft von anderen Kindern gehänselt.
  • Es gab Beeinträchtigungen bei der verbalen und der nonverbalen Kommunikation, besonders bei den Aspekten der Sprache, die mit wechselseitiger Konversation zu tun haben.
  • Der Sprachgebrauch dieser Kinder war pedantisch und einige Kinder wiesen eine ungewöhnliche Prosodie (Sprachmelodie) auf, die die Tonlage, die Betonung und den Rhythmus der Sprache beeinflusste.
  • Die Grammatik und der Wortschatz waren wohl relativ fortgeschritten, aber der Gesprächsablauf war nicht altersgemäß.
  • Asperger beobachtete und beschrieb auch auffällige Beeinträchtigungen bei der Äußerung und der Kontrolle von Emotionen und die Tendenz, Gefühle zu intellektualisieren.
  • Die Empathie war nicht so reif, wie man aufgrund der intellektuellen Fähigkeiten des Kindes erwarten würde.
  • Die Kinder wiesen außerdem eine ich-bezogene Beschäftigung mit einem bestimmten Thema oder Interesse auf, um das ihre Gedanken ständig kreisten.
  • Einigen der Kinder fiel es schwer, in der Klasse aufmerksam zu bleiben und sie hatten spezifische Lernprobleme.
  • Asperger bemerkte, dass sie mehr Unterstützung durch ihre Mütter bei Selbsthilfe- und Organisationsfähigkeiten benötigten, als man erwarten würde.
  • Er beschrieb eine auffällige Ungeschicklichkeit beim Gehen und bei der motorischen Koordination.
  • Einige Kinder reagierten besonders empfindlich auf bestimmte Geräusche, Gerüche, Oberflächen und Berührungsreize.
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