Soziale Beeinträchtigung und Tinnitus

Eine soziale Beeinträchtigung als Tinnitusfolge kann verschiedene Ausprägungen haben. Dies ist darauf zurückzuführen, dass verschiedene Patienten ihr Ohrgeräusch unterschiedlich wahrnehmen und bewerten: Einige fühlen sich stark gestört, andere wiederum erfahren durch das Ohrgeräusch keine sozialen Beeinträchtigungen oder andere Belastungen. Unter anderem die Einstufung eines Tinnitus in „kompensiert“ und „dekompensiert“ ermöglicht Aussagen über die individuell vorhandene soziale Beeinträchtigung:

  • kompensierter Tinnitus: Wahrnehmung des Ohrgeräusches, ohne dass dieses negative Auswirkungen auf die Lebensqualität hat
  • dekompensierter Tinnitus: erhebliche soziale Beeinträchtigungen durch das Ohrgeräusch, unter anderem in den Bereichen „Beruf“, „Familienleben“ und „Hobbys“, außerdem Auftreten von Folgeerscheinungen wie Muskelverspannungen, Angstzustände, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Depressionen

Die unterschiedliche tinnitusbedingte soziale Beeinträchtigung kommt auch in den Tinnitusschweregraden zum Ausdruck. Entsprechend der steigenden Schweregrade nimmt auch die soziale Beeinträchtigung zu:

  • Schweregrad 1: kompensiertes Ohrgeräusch, kein Leidensdruck
  • Schweregrad 2: Auftreten des Tinnitus hauptsächlich bei Stille, jedoch störende Wirkung des Ohrgeräusches bei Stress und körperlichen oder seelischen Belastungen
  • Schweregrad 3: dauerhafte soziale Beeinträchtigungen sowie seelische, geistige und körperliche Störungen
  • Schweregrad 4: völlige Dekompensation im privaten Bereich durch den Tinnitus mit erheblichen sozialen Beeinträchtigungen

Arten der sozialen Beeinträchtigung durch Tinnitus

Die sozialen Beeinträchtigungen, die als Folge eines Tinnitus entstehen, können von Patient zu Patient ganz unterschiedlich sein. Dies hängt zum einen mit dem sozialen Leben des Einzelnen zusammen, zum anderen mit der individuellen Tinnitusbewältigung. Beispielsweise können sich soziale Beeinträchtigungen dadurch ergeben, dass ein Tinnitusbetroffener unter affektiven Störungen leidet, was sich wiederum negativ auf die sozialen Kontakte auswirkt.

Eine weitere Quelle für tinnitusbedingte soziale Beeinträchtigungen sind Depressionen und körperliche Tinnitusnebenwirkungen. Zu Letzterem gehören unter anderem Leistungsminderung und Konzentrationsstörungen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit, welche durch das Fehlen am Arbeitsplatz wiederum zur sozialen Beeinträchtigung beiträgt.


Quellen:
Biesinger, E./ Iro, H.: HNO Praxis heute – Tinnitus. Springer, Heidelberg (2005)
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Leitlinie Tinnitus. www.phoniatrie-paedaudiologie.com/Informationen/HoersturzTinnitus/assets/AWMFonline-Leitlinie%20HNO-Tinnitus.pdf  (Abruf am 09.12.2009)
Probst, R./ Grevers, G./ Iro, H. (Hrsg.): Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, 3. Aufl. Thieme, Stuttgart (2008)

 

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