Probleme bei der Partnersuche

Beim Zusammensein mit anderen Menschen fällt das Anderssein besonders auf. Autisten müssen das soziale Miteinander, das eine Grundvoraussetzung für jeden Kontakt darstellt, mühsam lernen und einüben. Dabei brauchen sie kompetente Unterstützung und ein wohlwollendes Umfeld, dann können auch Freundschaften und eine Partnerschaft entstehen.

Die Partnersuche stellt sich meist schwierig dar, beispielsweise legen die Betroffenen oft nur wenig Wert auf ihre äußere Erscheinung, sie machen sich keine Gedanken darüber, wie sie auf ihr Gegenüber wirken. Dies lässt sie auf das andere Geschlecht nicht unbedingt von Beginn an attraktiv wirken. Zudem sind sie allein meist nicht in der Lage, auf einen fremden Menschen zuzugehen, sondern in der Regel darauf angewiesen, dass der andere den ersten Schritt macht.

Menschen mit Autismus fällt es schwer, ihr Interesse am anderen Menschen adäquat zu zeigen und auszudrücken. Die Kunst des Flirtens beherrschen sie allenfalls ansatzweise. Sie wissen häufig nicht, wie sie sich bei einer Begegnung verhalten, worüber sie sprechen und wie viel sie über sich selbst erzählen sollten. Wenn ihr Spezialinteresse ins Spiel kommt, langweilen sie nicht selten ihr Gegenüber mit ausgedehnten Monologen, ohne dass ihnen dies jedoch bewusst wäre. Mit den Themen anderer Menschen können sie dagegen meist nur wenig anfangen.

Einen Partner finden können autistische Menschen auf dieselbe Weise, wie dies auch bei anderen Menschen der Fall ist, nämlich beispielsweise

  • während der Schulzeit, im Studium, am Arbeitsplatz;
  • auf gesellschaftlichen Ereignissen wie Partys oder Volksfesten;
  • bei der Ausübung von Freizeitinteressen;
  • über Stellenanzeigen in Zeitungen etc.;
  • im Internet (Community-Portale wie Facebook o. Ä., Single-Börsen, Foren, Chats etc.).


Gefühle aushalten und ausdrücken

Ein Gefühl der Zuneigung für das Gegenüber ist für die Betroffenen oft nur schwer auszuhalten, da sie es nicht kennen und zunächst häufig nicht richtig einordnen können. Alles Ungewohnte macht Angst und wird in der Regel anfangs als unangenehm empfunden, so auch unbekannte

Emotionen. Man geht inzwischen jedoch davon aus, dass autistische Menschen Emotionen zwar anders erleben, dass diese Unterschiede aber geringer sind, als bislang angenommen wurde. Auffällig sind die Schwierigkeiten der Betroffenen beim Ausdrücken von Gefühlen, sie wirken dabei oft förmlicher oder gefühlloser, als sie in Wirklichkeit sind.

 

Missverständnisse vermeiden und ausräumen

Eventuelle Missverständnisse sollten offen angesprochen werden, denn hinter vermeintlichen Provokationen steht oft einfach ein zunächst unverständliches Verhalten, das häufig nachvollziehbar wird, wenn man es sich erklären lässt.

Ein abendlicher Spaziergang am See kann beispielsweise von einem nicht autistischen Menschen als sehr romantisch empfunden werden, während der Partner mit Autismus ihn vielleicht eher als Möglichkeit sieht, die Wasserqualität oder die Pflanzenwelt zu studieren, um dann erfreut die Veränderungen des Ökosystems mitzuteilen. Der nicht autistische Partner könnte sich gekränkt fühlen, weil seine romantischen Gefühle nicht erwidert werden, was er dem autistischen Partner mitteilen sollte.

Unterschiedliche Bedürfnisse nach körperlicher Nähe

Problematisch ist für Menschen mit Autismus in der Regel auch die körperliche Nähe, vor allem dann, wenn es sich nur um leichte, zärtliche Berührungen handelt.Wichtig ist daher die Möglichkeit, sich bei Bedarf auch in einer Partnerschaft zwischendurch zurückziehen zu können, was eventuell auch getrennte Wohnungen nötig macht. Obwohl natürlich die gemeinsame Gestaltung des Alltags nicht zu kurz kommen darf, sind hier also gegenseitige Freiräume wichtig mit der Möglichkeit, auch getrennte Aktivitäten zu planen. Das bedarf aber der Abstimmung mit dem Partner, damit die Beweggründe nachvollziehbar sind und keine Eifersucht aufkommt.

Immer wieder Kompromisse suchen

Beziehungen zwischen autistischen und nicht autistischen Menschen sind insgesamt immer wieder von der Suche nach Kompromissen geprägt, mit denen beide Seiten leben können. Dabei müssen die Partner jeweils doch deutliche Zugeständnisse an die andere Seite machen, was ein Analysieren und Kommunizieren der eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Schwierigkeiten notwendig macht. Insbesondere zu Beginn stellt eine solche Beziehung daher stets aufs Neue große Anforderungen an beide Partner, und in nicht wenigen Fällen ist auch bei längeren Partnerschaften die Notwendigkeit beschrieben, sich Hilfe bei einer Paarberatung zu holen, wobei der Therapeut in diesem Fall Kenntni svom Asperger-Syndrom und den speziellen Schwierigkeiten haben sollte, um effektiver helfen zu können.

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