Entsteht der Tinnitus im Gehirn?

Das Gehirn nimmt beim Hören eine zentrale Stellung ein. Die Einbeziehung des Gehirns in den Hörprozess beginnt bereits im Innenohr. Dort wird Schallenergie in elektrische Impulse umgesetzt und auf den Hörnerv übertragen. Der Hörnerv leitet die Hörinformation weiter, wobei diese im Gehirn verschiedene Stationen durchläuft:

  • Die in das Gehirn übermittelte Information gelangt in ein Nervenkerngebiet im Stammhirn. Dort besteht eine enge Verbindung zu unbewusst ablaufenden Vorgängen, sodass beispielsweise unangenehme Höreindrücke reflexartige Reaktionen wie Fluchtverhalten, Herzschlagerhöhung oder einen Adrenalinausstoß hervorrufen können.
  • Die nächste Station ist der im Zwischenhirn gelegene Thalamus. Dort wird beispielsweise die Wirkung beruhigender Musik vermittelt.
  • Vom Thalamus gelangt die Hörinformation zur Hörrinde des Großhirns, wo das Gehörte schließlich bewusst wahrgenommen wird.

Aus diesen komplexen Verbindungen innerhalb des Gehirns lässt sich sehr gut eine therapeutische Beeinflussungsmöglichkeit des Tinnitus ableiten: die Musiktherapie. Im Rahmen dieser Tinnitusbehandlung soll unter anderem eine Umprogrammierung des gestörten Hörsystems im Gehirn (siehe unten) erfolgen.

Das Gehirn als Ort der Tinnitusentstehung

Im Gehirn werden Hörinformationen nicht lediglich weitergeleitet. Vielmehr werden sie mit zahlreichen Systemen wie körperlichen Reaktionen und Gefühlen verknüpft (siehe oben), aber auch gefiltert. Diese Filterfunktion des Gehirns kann bei Tinnitus gestört sein, sodass einem Tinnitusbetroffenen erheblich mehr Geräusche bewusst sind als einem Gesunden. Auch eine begleitende Geräuschüberempfindlichkeit kann auf einer Störung dieser Filterfunktion des Gehirns beruhen.

Zudem können weitere Störungen im Bereich des Gehirns zur Entstehung und Aufrechterhaltung eines Tinnitus beitragen. So führt eine übermäßige Aktivität des Hörnervs dazu, dass sich einige am Hören beteiligte Gehirnregionen umorganisieren. Diese Umorganisation wiederum bedingt einen Höreindruck in der Hörrinde des Großhirns, der auf keinem realen Geräusch beruht und als Tinnitus wahrgenommen wird. Hier setzt unter anderem die Musiktherapie an.

Quellen:
Biesinger, E.: Tinnitus – Endlich Ruhe im Ohr. Trias, Stuttgart (2013)
Cramer, A.: Tinnitus: Wirksame Selbsthilfe mit Musiktherapie. Trias, Stuttgart (2012)
Hesse, G.: Tinnitus. Thieme, Stuttgart (2008)

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