Frauenherzen ticken anders

Schutz vor Herzinfarkt. Frauen überleben nur halb so oft einen Herzinfakt wie Männer. Bei Frauen äußert sich der Herzinfarkt meistens ganz anders als bei Männern: Kurzatmigkeit, Übelkeit, Schmerzen im Oberbauch oder gar Erbrechen können die Anzeichen sein.

Ursachen

Bis zu den Wechseljahren erleiden Frauen seltener Herzinfarkte als Männer. Man nimmt an, dass die weiblichen Hormone sie davor schützen. Nach den Wechseljahren ist ihr Risiko für diese Erkrankung dann ebenso hoch wie bei den Männern. Was aber deutlich schwerer wiegt, ist, dass Frauen nur halb so oft den ersten Herzinfarkt überleben wie Männer! Auch wird bei ihnen der Herzinfarkt seltener entdeckt.

Eine Veranlagung für Herzinfarkt spielt eine ganz untergeordnete Rolle, vielmehr beinhaltet der Lebensstil gleich eine ganze Reihe von Risikofaktoren. Und wenn bei Ihnen mehrere Risikofaktoren vorliegen, addieren sie sich nicht nur, sondern sie verstärken sich gegenseitig.

 

Risikofaktoren:

  • Rauchen
  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • übermäßiger chronischer Stress
  • Depressionen
  • Ängste.

 

Symptome

  • Der typische Herzschmerz im Brustkorb, der in den Arm oder den Rücken ausstrahlt, wird auch von Laien rasch erkannt. Bei Frauen äußert sich der Herzinfarkt aber meistens ganz anders:
  • Kurzatmigkeit
  • Übelkeit
  • Schmerzen im Oberbauch oder gar
  • Erbrechen.

 

So verhindern Sie den Herzinfarkt

Die Annahme, dass eine östrogenhaltige Hormonersatztherapie Frauen nach den Wechseljahren vor Herz-Kreislauferkrankungen schützen könnte, veranlasste die Ärzte über viele Jahrzehnte, jeder Frau in den Wechseljahren Hormone zu empfehlen. Es stellte sich jedoch vor einigen Jahren heraus, dass unter einer Hormontherapie das Risiko, an einer Herzerkrankung zu versterben, zunahm (neben anderen Risiken, wie Gallensteinen, Thrombosen etc.).

Heute wird den Frauen bei uns in Deutschland zur Prophylaxe von Herzinfarkt keine Hormontherapie mehr empfohlen. Dies könnte sich unter Umständen wieder ändern, denn die „Kalifornische Lehrerinnenstudie“ ergab, dass das Risiko für einen Herzinfarkt bei den Frauen unter Hormontherapie nur halb so groß war wie ohne. Dieser Effekt kann eventuell schon mit extrem niedrigen Hormondosen erreicht werden. In den USA ist deshalb schon ein sehr niedrig dosiertes Hormonpflaster zugelassen, von dem man sich günstige Auswirkungen auf Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Demenz verspricht.

Allerdings zeigen weitere neue Studien, dass man mit der Östrogentherapie bereits vor den Wechseljahren beginnen müsste, um das Sterberisiko für Herzinfarkt wirksam reduzieren zu können. Dabei muss man sich im Klaren darüber sein, dass frühestens nach 20 Jahren der Effekt messbar wäre. Und ob da in der Zwischenzeit nicht die Nebenwirkungen überwiegen?

Jedenfalls deutet eine aktuelle Studie aus Frankreich darauf hin, dass das Risiko für einen Herzinfarkt und Schlaganfall von der Höhe des Östrogenspiegels im Blut abhängt. Von 6.000 Frauen über 65 Jahren wurden die Hormonkonzentrationen vor und 4 Jahre nach der ersten Untersuchung gemessen. In diesen 4 Jahren verstarben 150 Frauen an Herz-Kreislauferkrankungen. Je höher die Östrogenwerte zu Beginn der Beobachtung lagen, desto höher war das Sterberisiko, auch wenn man das sowieso erhöhte Risiko durch Diabetes und Übergewicht mit berücksichtigte.

Verbesserung des Lebenstils

Meiner Meinung nach haben Sie ausgesprochen gute Möglichkeiten, durch eine Optimierung Ihres Lebensstils Ihr Risiko für einen Herzinfarkt zu senken. Eine große deutsche Studie bestätigte: wer nie geraucht hat, nicht stark übergewichtig war, sich gesund ernährte und sich mindestens dreieinhalb Stunden pro Woche bewegte, senkte sein Herzinfarktrisiko um 81%! Welches Medikament kann das schon?

  • Bewegung: Bewegen Sie sich mindestens dreimal in der Woche für ca. eine Stunde. Das kann Walken, Schwimmen, Joggen sein. Wenn Sie Trampolin springen oder das Osflow-Gerät benutzen wollen, brauchen Sie sogar weniger Zeit! Wichtig ist, dass Sie Ihren Kreislauf und Ihr Herz trainieren. Werden die Muskeln aktiviert, so produzieren sie ebenfalls Schutzstoffe. Wenn Sie einen Sport intensiver betreiben, können Sie Ihr Sterberisiko noch weiter verringern. Die Gefäße bleiben elastisch, der Blutdruck stabilisiert sich im normalen Bereich, die guten Blutfette steigen an und die schlechten fallen, die Zuckerkrankheit tritt seltener auf.
  • Rauchen: Geben Sie endgültig das Rauchen auf. Schon ein Jahr nach der letzten Zigarette sinkt das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich.
  • Ernährung: Die sogen. Mittelmeerdiät und basische Kost beugen allen Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs vor. Also den Konsum von tierischen Fetten und einfachen Zuckern einschränken, statt dessen viel Obst und Gemüse essen. Verschiedene Artikel in diesem Webmagazin geben Ihnen Hinweise darauf, wie Sie sich mit kleinen Tricks gesünder ernähren können. Oder welche gesundheitlichen Vorteile die vegetarische Kost bietet. Studien haben wiederholt gezeigt, dass mit zunehmendem Obst-, Salat-, Gemüse- und Vollkornkonsum das Risiko eines koronaren Herztodes sank. Sehen Sie zu, dass Sie genügend Omega-3-Fettsäuren essen. Die finden sich bspw. in Leinöl und Nüssen. Auch mit Fischöl können Sie ergänzen, für Vegetarier gibt es die pflanzliche Alternative als Perillaöl. Aber achten Sie darauf, was Ihnen wirklich bekommt. Es hat keinen Sinn, sich gesund nach Vorschrift zu ernähren und sich dann schlecht zu fühlen. Essen und Trinken soll Ihnen Energie spenden und Sie nicht schwächen. Und dazu gehört eine gute Leber-, Darm- und Verdauungsfunktion.

Quelle: Prof. Dr. Ingrid Gerhard (2012). Netzwerk Frauengesundheit.

 

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