Hatha-Yoga

Der Begriff „Yoga“ leitet sich von dem Sanskritwort yuj − Anschirren der Zugtiere an das Joch − ab. Im übertragenen Sinn wird damit das Grundprinzip des Yogas benannt: die allumfassende Integration von Körper, Geist und Atem. Zunächst will Yoga als Übungsweg die drei Ebenen erfahrbar machen. Von der grobstofflichen, körperlichen Ebene baut der Atem die Brücke zur feinstofflichen, geistig seelischen Ebene. Wenn Sie achtsam mit Ihrem Körper arbeiten, können Sie Atem- und mentale Muster verändern. „Yoga ist jener innere Zustand, in dem die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen“, so lehren es die Schriften von Patanjali.

Die körperliche Ebene ist ohne Frage unsere dichteste und präsenteste. Eine regelmäßige Yoga-Praxis in Form von präzisen Körperhaltungen verbessert Kraft, Dehnung und Beweglichkeit. Wird dieses älteste Fitnesstraining mit dem modernen anatomischen Wissen verbunden, dient die präzise Ausrichtung und die Konzentration auf die Details dazu, den eigenen Körper genauestens kennenzulernen. Achtsamkeit ist der Schlüssel zur Veränderung.

Die bei uns am häufigsten praktizierte und wohl bekannteste Form des Yoga ist der Hatha-Yoga. Er umfasst Körperübungen (Asanas), Atemtechniken und Methoden zur Tiefenentspannung. Der Begriff Hatha bedeutet intensives Bemühen, Kraft und Hartnäckigkeit. Anstrengung ist nötig, um das hohe Ziel des Yoga, die Vereinigung von Körper, Geist und Atem, zu erreichen. Das Wort Hatha setzt sich aus den beiden Sanskritwörtern ha für Sonne und tha für Mond zusammen. Sonne und Mond stehen symbolisch für zwei entgegengesetzte Energien, die jedem Menschen eigen sind. Die Sonne symbolisiert die männlichen, aktiven, nach außen gerichteten Qualitäten, das rationale Bewusstsein und den Körper. Der Mond steht für das weibliche, intuitive, empfangende und klärende Prinzip, für den Bereich der Träume, Emotionen und den Geist. Das Bewusstsein, beide Qualitäten zu besitzen und beide angemessen leben zu können, wirkt harmonisierend und schenkt Selbstvertrauen.

Das gewünschte Gleichgewicht von Körper, Geist und Atem erreicht Yoga durch die Harmonisierung der guņas, der drei Qualitäten des Seins: von rajas, dem Bewegten und Dynamischen, tamas, dem Ruhenden und Stabilen und drittens der Qualität des Lichten, Klaren und Reinen − sattva. Neben der Harmonisierung von tamas und rajas gilt es, das sattva gezielt zu kultivieren. Laut yogischem Grundverständnis ist der Mensch von diesen drei „Qualitätsfäden“, den gunas, durchzogen. Die Zusammensetzung ist jedoch unterschiedlich. Herrscht z. B. ein Übermaß von tamas auf körperlicher Ebene vor, sind die Muskeln träge, fühlen sich schwer und unelastisch an. Auf mentaler Eben zeigt sich dieses Übergewicht in festgefahrenen und eher dunklen Gedanken, z. B. auch in allen Ausreden, warum diese oder jene Asana gar nicht gesund für meinen Körper sein kann oder warum ich keine Zeit finde zur regelmäßigen Yoga-Praxis. Ein von rajas dominierter Körper ist eher hypermobil, und es fehlt das nötige Durchhaltevermögen für kraftvolle Asanas. Der Atem ist schnell, unregelmäßig und oberflächlich. Auf mentaler Ebene fällt es schwer, die Aufmerksamkeit zu bündeln, sich zu konzentrieren oder bei der Sache zu bleiben.

Eine aufmerksame, bewusste Körperarbeit deckt dieses Ungleichgewicht auf – und nur dann ist Veränderung möglich. Es resultiert ein Zustand von sattva, die Kompetenz, im richtigen Moment aktiv, kraftvoll und zentriert zu sein, aber auch loslassen und entspannen zu können. Die Ausgeglichenheit der gunas zeigt sich im Körper im Anpassungsfähigkeit, Gesundheit, Flexibilität und Kraft. Ein Gleichgewicht im Geist zeigt sich in einem wachen und klaren Verstand und in einer Harmonie von Wollen und Loslassen. Eine optimale Sauerstoffversorgung sowie eine angemessene Entlastung durch einen funktionalen Stoffwechselprozess werden durch Ruhe und Ausgeglichenheit des Atems ermöglicht. Ein gut mit den Bedürfnissen des Körpers abgestimmter rhythmischer Atemwechsel vermittelt das Gefühl von Lebendigkeit und Präsenz.

 

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