Du lebst nicht, um zu leiden

Dieses Buch geht von zwei einfachen und großen Gedanken aus: Liebe dich selbst – und dies ohne jeden Vorbehalt. Denn psychische Erkrankungen entstehen, in dem wir unsere wahren Gefühle unterdrücken. Kurze, gut geschriebene Kapitel mit praktischen Übungen helfen dabei, wahre Potentiale zu erkennen.

Blake D. Bauer ist ein international gefragter Redner und Lehrer mit Erfahrung in Psychologie, Alternativer Medizin, Qi Gong und Achtsamkeitsmeditation. Tausenden von Menschen, die in der konventionellen Medizin, Psychologie oder Religion keine Antworten und Lösungen finden konnten, half er, zu sich selbst zu finden und ihren Weg zu gehen. Er lässt uns in diesem Buch auch an seiner eigenen Erfahrung, an seinem ganz persönlichen Weg aus Leid, Depression und Unsicherheit teilhaben.

  • Titel Bauer Du lebst nicht um zu leiden

     

Kapitel 10 - Selbstachtung

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wir die Wahl haben, uns ent-weder selbst leidzutun oder uns zu respektieren. Beides zugleich geht nicht. Meiner Meinung nach können wir davon ausgehen, dass nahezu alle Menschen Selbstachtung dem Verharren in der Opferrolle oder dem Selbstmitleid vorziehen würden, wenn sie wüssten, wie sie das hinbekommen können. Die meisten haben jedoch nie gelernt, dass sie sich selbst die Möglichkeit nehmen, inneren Frieden, Zufriedenheit und wahre Liebe zu finden, wenn sie die Schuld dafür, wie sie sich fühlen oder wie sie sich ihr Leben eingerichtet haben, bei anderen Menschen oder in äußeren Umständen suchen. Wer den aufrichtigen Wunsch hat, sich von seinem Leid zu befreien und zu einem von Freu-de erfüllten Leben zu finden, der muss zunächst akzeptieren, dass er zu hundert Prozent in allen Aspekten seines Lebens selbst verantwortlich ist.
Wenn Sie nun bei sich feststellen, dass Sie aus irgendeinem Grund die Verantwortung von sich wegschieben oder sich gegenüber bestimm-ten Menschen oder in bestimmten Situationen manchmal in die Opferrolle begeben, sollten Sie wissen, dass Sie damit nicht allein sind. Das tun wir alle. Die Opferrolle einzunehmen, ist die am häufigsten angewendete Methode, um vom Leben und von anderen Menschen zu bekommen, was wir wollen und brauchen. Stellen Sie sich ein kleines Kind vor, das einen Wutanfall bekommt, weint oder schmollt, um die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich zu lenken oder seinen Willen zu bekommen. Versuchen Sie sich dann vorzustellen – und diesen Gedanken auch wirklich an sich heranzulassen –, dass dieses kleine Kind höchstwahrscheinlich noch immer in Ihnen lebendig ist und Sie dazu bringt, in bestimmten Situationen in die Opferrolle zu schlüpfen, wie das fast alle Menschen auf diesem Planeten tun, ich selbst eingeschlossen.
Wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, müssen wir uns eingestehen, dass wir uns manchmal über andere Menschen und äußere Umstände beklagen und ihnen die Schuld für unsere Kränkungen, unser Unglück und unsere Unzufriedenheit zuschieben. Dieser Opfermodus, in dem viele von uns leben, ist ein höchst selbstzerstörerisches Überzeu-gungsmuster, das wir transformieren müssen, damit wir lernen kön-nen, uns selbst zu respektieren und Zufriedenheit zu finden. Die Lebenshaltung, die sich in dem Satz »Mir wird übel mitgespielt« aus-drücken lässt und in der viele Menschen feststecken, trägt dazu bei, dass wir in eben den Situationen und Beziehungen verharren, in denen wir uns schlecht behandelt und als Opfer fühlen. Wenn wir echten inneren Frieden finden wollen, dürfen wir uns nicht mehr derVorstellung hingeben, wir seien in irgendeiner Situation oder Bezie-hung nichts als hilflose Opfer. Die wenig angenehme Wahrheit ist, dass wir schon sehr früh lernten, dass wir vor allem von unseren El-tern das bekommen konnten, was wir wollten und brauchten, wenn wir die Opferrolle einnahmen, uns gekränkt zeigten oder andere be-schuldigten. Wir lernten, dass wir unsere Umgebung manipulieren konnten, indem wir es darauf anlegten, dass sie sich im Unrecht, schlecht und schuldig fühlten oder Mitleid mit uns bekamen. So konn-ten wir uns die Energie, Liebe, Aufmerksamkeit und Unterstützung sichern, die wir an dem jeweiligen Punkt unserer Entwicklung brauchten. Wir wussten es damals einfach nicht besser.
Heute aber wissen wir mehr. Und sobald wir diese Dynamik einmal durchschaut haben, gibt es keinen Weg mehr zurück – vor allem wenn wir den festen Willen haben, echtes Wohlbefinden zu erreichen und unserer Lebensbestimmung zu folgen. An jedem Tag und in jedem Augenblick haben wir die Wahl: Entweder wir richten unsere Energie unbewusst darauf, anderen Menschen und den äußeren Umständen die Verantwortung zuzuschieben, oder wir richten sie ganz bewusst darauf, zu einem gesunden, glücklichen und erfüllten Leben zu finden. Wenn wir wirklich auf Zufriedenheit – sowohl in unserem Privat- als auch in unserem Berufsleben – aus sind, müssen wir damit aufhören, es anderen Menschen und den äußeren Umständen anzulasten, wie es uns geht und wo wir in unserem Leben stehen. Unser Leben ist allein unser Werk und wird es auch immer sein, ob es nun traumhaft schön oder ein höllischer Albtraum ist.
Falls wir verbaler, körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt waren, ist von zentraler Bedeutung, dass wir nach dem Sinn und der Botschaft Ausschau halten, die in dem Trauma oder dem Schmerz stecken, um so schließlich »zum Licht finden« zu können. Dies kann sehr schwierig sein; dennoch ist es in unserem besten Interesse, dass wir mit Schuldzuweisungen an andere und auch uns selbst aufhören, da-mit wir vorangehen und zu wahrer Zufriedenheit finden können. Wir müssen dazu alle Vorwürfe hinter uns lassen und den Blick weiten, um die Bedeutung unserer Erfahrungen zu erfassen, sodass wir schließlich für uns selbst eintreten und uns in einer Weise ernst nehmen und respektieren können, die uns bislang nicht zugänglich war. Wir stehen, so ohnmächtig wir uns in der Vergangenheit auch gefühlt haben mögen, vor der Aufgabe, den Schmerz und die Wut in uns zu heilen, damit wir zu einer vergebenden und mitfühlenden Haltung gegenüber uns selbst und allen an unserem Schicksal Beteiligten fin-den und sodann handlungsfähiger und in größerer Bewusstheit vorwärtsgehen können.
Die Redensart »Was uns nicht umbringt, macht uns nur stärker« besagt, dass uns jede schwierige Erfahrung, so schmerzlich, erschreckend oder scheinbar »verwerflich« sie auch war, uns den Zugang zu unserer inneren Stärke und unbegrenzten Fähigkeit ermöglicht, Hindernisse zu überwinden. Was geschehen ist, können wir nicht ändern, aber wir haben Einfluss darauf, inwieweit wir zulassen, dass es uns von Glück und Wohlbefinden abhält. An Erfahrungen wie körperlicher Misshandlung oder sexuellem Missbrauch gibt es nichts zu beschönigen, doch ist niemandem geholfen, wenn wir sie als Vorwand dafür nehmen, unser Leben nicht so positiv zu gestalten, wie es uns heute möglich ist. Ich bin in meinem Privat- und Berufsleben Menschen begegnet, die schlimmste Gewalterfahrungen gemacht hatten, aber ihre Gesundheit und Zufriedenheit wiedererlangten, indem sie ihre Verwundungen als wichtige Erfahrungen akzeptierten, die ihnen halfen, ihrer Lebensbestimmung zu folgen und bedingungslose Liebe, Mitgefühl, Versöhnung und Weisheit in unsere Welt zu tragen.

  • Blake D. Bauer

    Blake D. Bauer ist ein international gefragter Redner und Lehrer mit Erfahrung in Psychologie, Alternativer Medizin, Qi Gong und Achtsamkeitsmeditation.

     

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