Östrogene – »unbeschreiblich weiblich«

Ohne Östrogene gibt es kein Leben als Frau – diese Gruppe von Hormonen lässt ab der Pubertät die Geschlechtsorgane wachsen und funktionieren. Die drei wichtigsten natürlichen Östrogene heißen Östradiol, Östron und Östriol. Östradiol ist der wirksamste Vertreter des Trios, Östriol scheint vor allem in der Schwangerschaft eine wesentliche Rolle zu spielen und hat ausgeprägte Wirkungen auf Haut und Schleimhäute. Östron wird nach den Wechseljahren zum wichtigsten Östrogen. Die Östrogene werden überwiegend in den Eierstöcken gebildet, Östron aber immerhin zur Hälfte auch im Fettgewebe, und selbst der männliche Hoden bildet Östrogene.

Männer produzieren Östrogene

Östrogene wirken beileibe nicht nur an den Geschlechtsorganen, sondern auch an Leber, Haut, Blutgefäßen und Knochen sowie einer ganzen Reihe weiterer Organe. Nicht zuletzt deswegen kommen auch Männer nicht ohne die »unbeschreiblich weiblich «-Hormone aus. Männer produzieren selbst Östrogene, indem sie ihre Androgene als Vorläuferhormone benutzen, die dann hauptsächlich im Fettgewebe zu weiblichen Geschlechtshormonen umgewandelt werden. Ein 60-jähriger Mann hat daher – Frau höre und staune – mehr Östrogene in seinem Blut als eine gleichaltrige Frau, die keine Hormonsubstitution betreibt.

Zwischen Pubertät und Wechseljahren

Zwischen Pubertät und Wechseljahren kann man zwei verschiedene Arten von Östrogenausschüttung unterscheiden: die dauerhafte, im Alter und in der Kindheit allerdings sehr niedrige gleichmäßige Östrogenbasisproduktion, sowie die zyklusabhängige. Letztere sorgt mit hohen Spiegeln in der ersten Zyklushälfte für das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und die Vorbereitung des Eisprungs in den Eierstöcken. Diese zyklische Wirkung endet nach den Wechseljahren komplett. Östrogenmangel erzeugt die klassischen Symptome der Wechseljahre: Hitzewallungen, Schlafstörungen, trockene Schleimhäute, Blasenprobleme und Depressionen – und diese Liste ist noch lange nicht vollständig.  

Nachdem die Östrogene ihren Zweck im Körper erfüllt haben, werden sie in der Leber inaktiviert und überwiegend mit dem Urin ausgeschieden.