Tinnitus als Behinderung

Eine Behinderung kann zum einen eine subjektive, persönliche Empfindung sein – ein Tinnitusbetroffener fühlt sich durch sein Ohrgeräusch im Alltag behindert. Zum anderen ist „Behinderung“ ein sozialrechtlicher Begriff, und zwar „ein von der Norm abweichender Zustand von mehr als sechsmonatiger Dauer, der die Eingliederung in die Gesellschaft infolge körperlicher Regelwidrigkeit, Schwäche der geistigen Kräfte oder seelischer Störungen in erheblichem Umfang beeinträchtigt oder zu beeinträchtigen droht“. Dabei stehen Schwierigkeiten bei der Bewältigung von Alltagsanforderungen sowie bei der Wahrnehmung sozialer und gesellschaftlicher Rollen im Mittelpunkt der Definition einer Behinderung.

Bei Tinnitus besteht eine mögliche Behinderung in der Beeinträchtigung durch das Ohrgeräusch. Im Sozialrecht wird die Behinderung durch einen Tinnitus als Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) klassifiziert. Dabei findet sowohl ein möglicher körperlicher Schaden als auch die tinnitusbedingte seelische Belastung Berücksichtigung.

Vorgehen bei Tinnitus als Behinderung

Eine tinnitusbedingte Behinderung kann dann relevant werden, wenn sich daraus beispielsweise Entschädigungs- oder Rentenansprüche ergeben. Dabei sind unter anderem folgende Bewertungen der tinnitusbedingten Behinderung möglich:

  • Tinnitus ohne nennenswerte seelische Begleiterscheinungen: Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von 0–10%
  • Tinnitus mit erheblichen seelischen und vegetativen (das heißt das vegetative, willentlich nicht beeinflussbare Nervensystem betreffenden) Begleiterscheinungen: MdE von 20%
  • Tinnitus mit wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit (beispielsweise aufgrund einer schweren Depression): MdE von 30–40%
  • Tinnitus mit schweren seelischen Störungen und sozialen Anpassungsschwierigkeiten: MdE von mindestens 50%

Damit ein Tinnitus sowie die damit einhergehenden Belastungen als Behinderung mit Entschädigungs- oder Rentenansprüchen anerkannt werden, ist ein entsprechendes ärztliches Gutachten erforderlich. In der Regel ist dieses zweigeteilt: ein Hals-Nasen-Ohren-ärztlicher Teil zur Beurteilung der Tinnitusintensität und ein psychologischer Teil zur Abschätzung des Ausmaßes der Begleiterscheinungen. Anhand dieser beiden Gutachtenteile zeichnet sich dann ein Gesamtbild der tinnitusbedingten Behinderung ab.


Quellen:
Hesse, G.: Tinnitus. Thieme, Stuttgart (2008)
Hoffmann-La Roche, Urban & Fischer: Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl. Urban & Fischer, München (2003)

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