Was hat Tinnitus mit Durchblutung zu tun?

Die Durchblutung kann bei Tinnitus durchaus von Bedeutung sein. Die Durchblutung des Innenohres und des darin gelegenen Hörorgans („Schnecke“) wird vom Körper exakt reguliert: Unabhängig vom allgemeinen Blutdruck hält er die Durchblutung des Innenohres konstant. Bei Durchblutungsstörungen kann es zu Funktionsbeeinträchtigungen des Innenohres und damit auch zu einem Tinnitus kommen. Allerdings sind Experten mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass ein Tinnitus nicht immer und nicht ausschließlich auf einer Störung der Innenohrdurchblutung beruht.

Eine Störung der Durchblutung im Bereich des Innenohres kann auf verschiedenen Ursachen beruhen. Diskutiert werden Virusinfekte und Autoimmunprozesse. Unter Autoimmunprozessen versteht man Reaktionen des Immunsystems, die sich gegen körpereigene Zellen richten, beispielsweise gegen die Innenauskleidung von Blutgefäßen. Zudem kann Stress dazu führen, dass sich die Blutgefäße verengen, was dann unter Umständen eine Durchblutungsstörung des Innenohres nach sich zieht. Weiterhin ist eine beeinträchtigte Durchblutung im Rahmen einer allgemeinen Arterienverkalkung sowie bei einer Eindickung des Blutes möglich. Als Konsequenz der verminderten Durchblutung werden die Zellen des Innenohres nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und reagieren auf diesen Sauerstoffmangel mit einer Funktionsstörung, was sich unter anderem in Form eines Tinnitus äußern kann.

Verbesserung der Durchblutung als Therapie des Tinnitus

Eine Förderung der Durchblutung wird in der Leitlinie „Tinnitus“ der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie als erste therapeutische Maßnahme bei akutem Tinnitus genannt. Eine Verbesserung der Durchblutung lässt sich durch verschiedene Infusionsbehandlungen erreichen. Beim sogenannten rheologischen Therapieschema wird ein halber Liter Kochsalzlösung mit einem Medikament versetzt, das zu einer Erweiterung der Blutgefäße und damit zu einer Verbesserung der Durchblutung führt. Beim Lidocainschema wird die Fließfähigkeit des Blutes durch das Medikament Hydroxyethylstärke verbessert, das man zur Durchblutungsverbesserung in Kombination mit dem lokalen Betäubungsmittel Novocain verabreicht. Die Therapieergebnisse bei akutem Tinnitus sind in der Regel gut.


Quellen:
Biesinger, E.: Tinnitus – Endlich Ruhe im Ohr. Trias, Stuttgart (2013)
Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie: Leitlinie Tinnitus. www.phoniatrie-paedaudiologie.com/Informationen/HoersturzTinnitus/assets/AWMFonline-Leitlinie%20HNO-Tinnitus.pdf (Abruf am 09.12.2009)
Hesse, G.: Tinnitus. Thieme, Stuttgart (2008)
Reiß, M. (Hrsg.): Facharztwissen HNO-Heilkunde. Springer, Heidelberg (2009)

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