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Editorials

Der Schlaf der Vernunft (11/21)

Francisco de Goya hat uns mit seinen Aquatinta-Radierungen aus dem Jahr 1799, den Caprichos („Einfällen“), in Blatt 43 eine besonders eindringliche Mahnung hinterlassen. Das mit dem Titel „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ (span.: El sueño de la razón produce monstruos) versehene Blatt zeigt den schlafenden Maler, hinter welchem nächtliche Ungeheuer aufsteigen, nicht unähnlich einem Schwarm an Fledermäusen. Schützend beschirmen ihn gleichzeitig zwei Eulen, von denen die eine ihm eine Feder reicht, als wolle sie ihn zum wachen Tätigwerden drängen. Die Kunstkritik ordnet das Bild zunächst in den aufklärerischen Rahmen seiner Zeit ein, gleichsam als Programm gegen die monströsen Fantasien von Unvernunft und Laster, Ignoranz und Arroganz. 1810–1814 folgt eine zweite Sammlung an Aquatinta-Radierungen, betitelt „Die Schrecken des Krieges“, eine ungeschminkte Illustration der (un)menschlichen Gräuel im Kontext der politischen und sozialen Zustände seiner Zeit – gewissermaßen eine Kommentierung und Illustration der Folgen einer schlafenden Vernunft.

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