• Impfpass Frauenheilkunde Thieme Verlag

    Skepsis gegenüber Impfungen ist verbreitet. Bild: Christian Rummel/Fotolia

     

Influenzaimpfung in der Schwangerschaft: sicher oder nicht?

Hintergrund: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für schwangere Frauen eine Impfung gegen die saisonale Influenza, und diese Empfehlung hat sich auch bei der H1N1-Pandemie im Jahr 2009 nicht geändert. Dennoch gab es einzelne Berichte von Fehl- und Totgeburten. Eine systematische Untersuchung einer Arbeitsgruppe um Siri Håberg aus Norwegen wollte klären, ob ein kausaler Zusammenhang zur Influenzaimpfung bestand.

Methoden: Im Rahmen der Untersuchung wurden aus den allgemeinen norwegischen Registern die Daten zu Schwangerschaften, Influenzaimpfungen, Influenzainfektionen und Fehl- und Totgeburten vor, während und nach der Pandemie (Oktober bis Dezember 2009) analysiert.

Ergebnisse: Im Zeitraum von 2009 bis 2010 wurden insgesamt 117 347 Geburten registriert. Die Häufigkeit eines fetalen Todes, definiert als Fehl- oder Totgeburt nach der 12. SSW, betrug in dieser Gruppe 4,9 pro 1000 Geburten (570 Todesfälle). Von den Schwangeren, die während der Pandemie im 2. oder 3. Trimester waren (n = 46 491), waren 54 % gegen H1N1-Influenza geimpft worden. Zu einer klinisch diagnostizierten Influenza kam es bei 2278 der Frauen, und eine nur labordiagnostisch bestätigte Influenza lag bei 516 Frauen vor (Nachweis des A[H1N1]pdm09-Stammes). Setzte man diese Zahlen zueinander in Beziehung, ergab sich Folgendes, jeweils im Vergleich zu Frauen, die außerhalb der Pandemie schwanger gewesen waren:

  • Eine manifeste Influenzainfektion während der Schwangerschaft führte zu einem erhöhten Risiko von Fehl- oder Totgeburten (nach Alter, Geschlecht und anderen Risikofaktoren für fetalen Tod adjustierte Hazard Ratio [HR] 1,91).
  • Eine Influenzaimpfung führte zu einem deutlich verminderten Risiko für eine manifeste Influenza (adjustierte HR 0,30).
  • Die Influenzaimpfung führt nicht zu einer erhöhten Rate von fetalen Todesfällen, eher war das Risiko für eine Fehl- oder Totgeburt leicht, wenn auch nicht statistisch signifkant gesenkt (adjustierte HR 0,88).

Darüber hinaus wurde auch das Auftreten von Frühgeburten, geringem Geburtsgewicht und niedrigem APGAR-Wert mit der Impfung in Beziehung gesetzt, ohne dass sich ein statistisch gesicherter Zusammenhang ergeben hätte.

Folgerung: In Anbetracht des Risikos, das eine mütterliche Influenzainfektion für den Fetus darstellt, gibt es keinen Grund, schwangere Frauen im 2. und 3. Trimester nicht gegen Influenza zu impfen, meinen die Autoren. Hinweise auf den Fetus schädigende Wirkungen fanden sich nicht, im Gegenteil könnte die Impfung dem Kind sogar nutzen.

aus: N Engl J Med 2013; 368: 333–340, von Dr. Elke Ruchalla, Trossingen

  • Melden Sie sich zum Gyn-Newsletter an!