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    Änderungen des Lebensstils können das Brustkrebsrisiko senken. Bild: PhotoDisk

     

Primärprävention des Mammakarzinoms

Einige Faktoren, die das Brustkrebsrisiko erhöhen, wie Übergewicht, körperliche Inaktivität, hoher Alkoholkonsum, Diabetes oder Hormonersatztherapie, können durch Änderungen des Lebensstils günstig beeinflusst werden. Bei erhöhtem Risiko aufgrund nicht modifizierbarer Risikofaktoren, wie höheres Lebensalter, hereditäre Brustkrebsformen, Kinderlosigkeit, frühe Menarche oder späte Menopause, kann nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung eine medikamentöse (Tamoxifen, Raloxifen, Aromatasehemmer) oder chirurgische (bilaterale Mastektomie) Primärprävention in Betracht gezogen werden. Der Stellenwert anderer medikamentöser Interventionen, z. B. mit nichtsteroidalen Antirheumatika, Vitamin D oder Antidiabetika, ist bisher noch nicht ausreichend geklärt. Da medikamentöse und chirurgische Primärprävention gleichbedeutend mit einer Therapie gesunder Frauen mit lediglich statistisch erhöhtem Risiko ist, kann eine entsprechende Entscheidung nur gemeinsam mit der betroffenen Frau nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Bewertung getroffen werden.

Im Jahr 2010 gab das amerikanische „National Comprehensive Cancer Network“ (www.nccn.org) aktualisierte Leitlinien zur Primärprävention des Mammakarzinoms heraus [1]. Das größte Gewicht wirdhier auf die medikamentöse Prävention mit Tamoxifen und Raloxifen bei Frauen mit erhöhtem Karzinomrisiko gelegt, dazu gibt es mittlerweile eine solide wissenschaftliche Datenbasis.

Auch für die bilaterale prophylaktische Mastektomie bei Patientinnen mit BRCA-1- und-2-Mutationen gibt es genügend Evidenz für eindeutige Empfehlungen. Der Stellenwert weiterer Interventionen, wie beispielsweise die Einnahme von Aromatasehemmern, Antidiabetika, Vitamin D oder nichtsteroidalen Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure (ASS), Coxiben oder Ibuprofen ist bisher nicht eindeutiggeklärt. Hier sind aber in naher Zukunft weitere interessante Studienergebnisse zu erwarten, die möglicherweise Eingang in die Leitlinien findenwerden. Eher stiefmütterlich behandelt wird das weite Feld wirksamer Lebensstiländerungen, das nach unserer Überzeugung deutlich mehr Beachtung verdient. Risikoreduktionen um 25–30%, die durch Lebensstilinterventionen wie Gewichtsreduktion oder vermehrtekörperliche Aktivität erzielbar sind, haben bisher viel zu wenig Eingang in das Denken und Handeln von Ärzten gefunden.

Dabei sind diese Maßnahmen nicht, wie medikamentöse Interventionen, durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen belastet. Das ist ein entscheidender Punkt, denn in der Primärprävention geht es um die Behandlung gesunder Frauen, um ein lediglich statistisch fassbares und damit letztlich hypothetisches Risiko zu reduzieren. Eine sehr sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko ist daher von elementarer Bedeutung. Letztlich kann nur die betroffene Frau selber die Entscheidungtreffen, ob sie bereit ist, eine medikamentöse Dauertherapie oder eine chirurgische Intervention für eine mehr oder weniger wahrscheinliche Krebsvermeidung in Kauf zu nehmen.

 

Aus: GebFra 05/2013. Hier vollständigen Artikel lesen

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