• Frau mit Zigarette Gynäkologie Thieme Verlag

    Eine prä- bzw. postpartale Raucherentwöhnung ist nicht mit überhöhter Gewichtszunahme bei der Mutter verbunden und verringert die Rate an Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht (Symbolbild, Fotograf: Christoph Frick)

     

Auswirkung der Raucherentwöhnung auf das Gewicht der Schwangeren und des Neugeborenen

Hintergrund: Weltweit rauchen 15–30 % der Frauen zum Konzeptionszeitpunkt. Davon hören 45 % in der Schwangerschaft auf zu rauchen. Raucherentwöhnung ist assoziiert mit einem besseren neonatalen Outcome und einem reduzierten Risiko für niedriges Geburtsgewicht sowie für Frühgeburtlichkeit. Nachhaltige Entwöhnung reduziert das Risiko von Nikotin-assoziierten Erkrankungen im späteren Leben der Frauen. Andererseits ist die Raucherentwöhnung mit kurz- und langfristiger Gewichtszunahme verbunden, was die Motivation zur Entwöhnung negativ beeinflusst. Rode et al. haben die Assoziation zwischen Nikotinabusus während einer Einlingsschwangerschaft und Gewichtszunahme in der Schwangerschaft bzw. im Jahr nach der Entbindung eruiert. Auch die Auswirkung der Raucherentwöhnung auf das neonatale Geburtsgewicht wurde erfasst. Obstet Gynecol 2013; 122: 618–625

Methoden: In die prospektive Studie wurden 1774 Einlingsschwangere eingeschlossen und in die Kategorien Nichtraucher (n = 1104, 62 %), Raucher (n = 321, 48 %), und Entwöhnte (n = 349, 52 %), eingestuft. Ein Jahr nach Entbindung wurde der Status erneut analysiert und die Frauen nochmals in Nichtraucher, Raucher, nachhaltig Entwöhnte (n = 177, 51 %) und Rezidivraucher (n = 172, 49 %) eingestuft. Der Zusammenhang zwischen Raucherstatus, prä- und postpartaler Gewichtszunahme und das neonatale Geburtsgewicht wurde mittels linearer Regressionsanalyse untersucht. Der Zusammenhang zwischen Raucherstatus und neonatalem Geburtsgewicht unter der 10er-Perzentile (nGG < 10erP) wurde mittels multivariater logistischer Regressionsanalyse ausgewertet. Die Frauen füllten Fragebögen aus und der Nikotin-abusus wurde mittels Speicheltest in einer Stichprobe abgeglichen.

Ergebnisse: Die Gewichtszunahme in der 16. SSW war vergleichbar unter Nichtrauchern, Rauchern und Entwöhnten. Die adjustierte mittlere Gewichtszunahme in der 37. SSW betrug 2,0 kg mehr bei den Entwöhnten im Vergleich zur Gewichtszunahme unter den Nichtrauchern (95 %-KI 1,5-2,6). Die Rate an nGG < 10erP lag bei 21,7 % unter Nichtrauchern, 8 % unter Entwöhnten und 7,4 % unter Nichtrauchern. Die adjustierte Odds Ratio für dieses Kriterium (nGG < 10erP) betrug 3,6 für Kinder von Raucherinnen (95 %-KI 2,5–5,2) und war vergleichbar mit dem berechneten Risiko bei Kindern von entwöhnten Müttern (OR 1,0; 95 %-KI 0,6–1,6). Ein Jahr nach Entbindung zeigten nachhaltig entwöhnte Frauen eine 2,4 kg höhere Gewichtszunahme als Nichtraucher (95 %-KI 1,6–3,1). In dieser Kohorte hatten Entwöhnte jedoch einen niedrigeren durchschnittlichen Ausgangs-BMI als Nichtraucher. Eine Gewichtszunahme von Entwöhnten auf das mittlere Gewicht von Nichtrauchern dürfte somit zu erwarten sein. Rezidivraucher hatten keine Gewichtszunahme im postpartalen Jahr.

Folgerung: Schwangere die rauchen, haben bekanntlich ein erhöhtes Risiko für Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht. Die wichtige und neue Erkenntnis dieser Studie ist, dass dies nicht für Frauen zutrifft, die das Rauchen unmittelbar vor oder in der Schwangerschaft aufgeben. Des Weiteren zeigten Rode et al., dass die postpartale Gewichtszunahme bei nachhaltig entwöhnten Frauen im Schnitt nicht zu einem überhöhten BMI führt. Raucherentwöhnung ist demnach sowohl prä- als auch postpartal mit keinerlei überhöhter Gewichtszunahme verbunden und trägt zu einer wesentlich geringeren Rate an Neugeborene mit niedrigem Geburtsgewicht bei.

Dr. Ana Habedank, Darmstadt

Aus: GebFra 01/2014

 

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