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    Die Auswahl der Medikamente in Schwangerschaft und Stillzeit muss sorgfältig mithilfe qualifizierter Literatur oder nach Konsultation einschlägiger Informationsdatenbanken oder Beratungszentren erfolgen.

     

Medikamentöse Therapie in Schwangerschaft und Stillzeit – aktueller Kenntnisstand und Empfehlungen

Einleitung

Für die meisten akuten und chronischen Erkrankungen gibt es hinreichend erprobte Medikamente, die ohne erhebliche Risiken auch in Schwangerschaft und Stillzeit eingenommen werden können. Allerdings ist ein Off-Label-Use in der Schwangerschaft nicht ungewöhnlich. Dieser Artikel skizziert den aktuellen Kenntnisstand zu Analgetika, Antibiotika, Antihypertensiva, Cumarin-Antikoagulanzien, immunmodulatorischen Substanzen/Rheumatherapeutika, Retinoiden, Antiepileptika und Psychopharmaka und gibt Empfehlungen zu akzeptablen Medikamenten.
Da viele Schwangerschaften ungeplant entstehen, sollte jede Therapie bei Frauen im reproduktionsfähigen Alter von einer möglichen Gravidität ausgehen und Arzneimittel mit ausreichender Dokumentation ihrer Verträglichkeit für das Ungeborene bevorzugen.

Risikoabschätzung von Medikamenten in der Schwangerschaft
Die Pharmakotherapie Schwangerer ist ein heikles Thema, dem Beipackzettel und Rote Liste nicht gerecht werden können. Nicht selten führen Fehlinformationen zum Vorenthalten einer Therapie, schlechter Compliance, zu Überreaktionen nach Einnahme vermeintlich riskanter Mittel bis hin zum Abbruch einer Schwangerschaft oder auch zur Verordnung unzureichend erprobter Mittel. Dabei gibt es für die meisten akuten und chronischen Erkrankungen ausreichend sichere Arzneimittel (Tab. [1]). Aktuelle Daten zur Verträglichkeit von Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit finden sich in Fachbüchern (z. B. [1]) und Internetdatenbanken sowie spezialisierten Beratungseinrichtungen (z. B. www.embryotox.de).


Off-Label-Use
Auch Schwangere müssen behandelt und gegebenenfalls krankheitsbedingte Auswirkungen auf den Embryo verhindert werden. Nicht selten geht das nur mit Medikamenten, die für Schwangere „kontraindiziert“ sind. Dies entspricht dann einem Off-Label-Use. Nach deutscher Rechtsprechung ist ein zulassungsüberschreitender Einsatz von Arzneimitteln dann nicht rechtswidrig, wenn das Medikament mit Gegenanzeige Schwangerschaft nach dem aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand hinreichend wirksam und unbedenklich ist und eine gleichwertige therapeutische Alternative nicht zur Verfügung steht. Die Unbedenklichkeit ist relativ zu verstehen, das heißt, es steht kein anderes wirksames Medikament zur Verfügung, das sicherer erscheint, und eine Nichtbehandlung wäre im Sinne einer Nutzen-Risiko-Abwägung riskanter [1].


Medikamente in der Schwangerschaft


Analgetika
Paracetamol kann in der gesamten Schwangerschaft in üblichen Dosen verwendet werden, Ibuprofen als am besten untersuchtes nichtsteroidales Antirheumatikum bis Woche 28. Letztlich hat sich keines der verbreiteten Analgetika als teratogen erwiesen. Doch müssen Anpassungsstörungen beim Neugeborenen erwartet werden, wenn Opioide bis zur Geburt genommen wurden.
In den letzten Jahren wurden einige Studien veröffentlicht, die einen Zusammenhang zwischen mehrwöchiger Paracetamol-Einnahme in der Schwangerschaft und Entwicklungsauffälligkeiten beim Kind diskutierten, wie z. B. hyperkinetische Störungen, Hodenhochstand und Asthma [2]. Dergleichen war bei diesem alten Schmerzmittel bisher nicht beobachtet worden. Abgesehen davon, dass die Methodik einiger dieser Studien problematisch ist und andere Einflussgrößen unzureichend kontrolliert wurden, gibt es keine wirklich plausiblen Vorstellungen über den Wirkmechanismus dieser z. T. multifaktoriell bedingten Auffälligkeiten. Bei den nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie z. B. Ibuprofen und Diclofenac, ist der prostaglandinantagonistische Effekt hingegen erwiesen mit Auswirkungen auf den fetalen Kreislauf (vorzeitiger Verschluss des Ductus arteriosus) und die Nieren bei Gabe im 3. Trimenon. Daher gibt es insbesondere im 3. Trimenon bei leichten und mittelstarken Schmerzen keine medikamentöse Alternative zu Paracetamol. Im 1. und 2. Trimenon kann Schwangeren primär Ibuprofen als am besten untersuchtes NSAR empfohlen werden.


Antibiotika
Antibiotika der Wahl in der Schwangerschaft sind Penicilline, Cephalosporine und Makrolide. Unter Berücksichtigung des nicht völlig auszuschließenden Risikos für Neuralrohrdefekte bei Exposition um Woche 6 können auch Cotrimoxacol/Trimethoprim verwendet werden. Tetrazykline können nach der 15. Schwangerschaftswoche zu Zahnverfärbungen führen. Aminoglykoside, systemisch verabreicht, können ototoxisch beim Kind wirken. Bei anderen Antibiotika wurden bisher keine gravierenden embryo- oder fetotoxischen Effekte bestätigt. Dies gilt auch für Fluorchinolone, denen gelegentlich mit Verweis auf tierexperimentelle Ergebnisse eine teratogene Wirkung unterstellt wird, wie eine kürzlich publizierte große Beobachtungsstudie mit nahezu 1000 exponierten Schwangeren für die länger eingeführten Mittel dieser Gruppe nachwies [3].

aus Frauenheilkunde up2date 1/2015

 

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