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    Die Therapie beim Mammakarzinom entwickelt sich immer mehr in Richtung einer individualisierten Präzisionsmedizin.

     

Mammakarzinom Update 2014 – Die Patientin und der Tumor im Mittelpunkt

Zusammenfassung
Die Therapie von Patientinnen mit Mammakarzinom hat sich in den letzten 10 Jahren deutlich weiterentwickelt. Das Verständnis um die molekulare Biologie der Tumoren und Patientinneneigenschaften haben die jüngsten Entwicklungen geprägt. In diesem Review werden die neuesten Erkenntnisse zur Therapie des Mammakarzinoms dargestellt. Hierbei gibt es sowohl auf dem Gebiet der Anti-HER2-Therapie als auch bei der Behandlung von triple-negativen und hormonrezeptorpositiven Patientinnen neue Tests und Therapien. Das Verständnis um Prognose und Therapieansprechen auf Chemotherapien definiert nach und nach Patientinnengruppen, die nicht auf eine Chemotherapie ansprechen oder die keine Therapie benötigen, weil die Prognose außerordentlich gut ist. Auf dem Gebiet der Anti-HER2-Therapie wird weiterhin an Medikamenten gearbeitet, die bei einer Trastuzumab-Resistenz geeignet sind, diese zu überwinden. Für hormonrezeptorpositive Karzinome wird besser verstanden, welche Therapiegruppen von welchen antiendokrinen Medikamenten profitieren, und welche eine eventuelle Resistenz überwinden können (Behandlung des PI3K-Pathways, Inhibition des Zellzyklus). Molekulare Tests befinden sich weiterhin in der Evaluation, in welchen klinischen Situationen sie den größten Nutzen für Therapieentscheidungen bringen können, jedoch wächst die Evidenz, in welchen Bereichen eine gute Aussage über die Prognose gewonnen werden kann. Insgesamt muss daran gearbeitet werden, das Verständnis für die neuen Entwicklungen in Diagnostik und Therapie zu fördern und Ärzte und Patientinnen gleichermaßen in die Ausbildung mit einzubeziehen.

Einleitung
In den letzten Jahren fokussiert sich die Detektion und Behandlung des Mammakarzinoms immer mehr auf individuelle Patientinnen- und Tumoreigenschaften. Grundlage hierfür ist das umfangreiche Wissen um die Molekularbiologie der Patientinnen und des Tumors. Dies konnte bei einer immer noch hohen Inzidenz zu einer Reduktion der Mortalität führen. Im Folgenden sollen die aktuellen Entwicklungen auf der Basis neuer Erkenntnisse der letzten Kongresse (ASCO 2014, ESMO 2014 und San Antonio Breast Cancer Symposium 2014) und der neuesten Publikationen dargestellt werden.

Neoadjuvante Therapien
Die neoadjuvante oder primär systemische Therapie (PST) ist mittlerweile ein Standard in der Behandlung des Mammakarzinoms. Dabei hat sich die ursprüngliche Hauptrolle in Form der Verkleinerung des Tumors für eine bessere Operabilität grundlegend verändert. Immer wichtiger sind tumorbiologische und an das Therapieansprechen adaptierte Kriterien in der Auswahl der Behandlung. Die Bewertung der pathologischen Komplettremission (pCR) als Marker für das Überleben muss ebenfalls immer differenzierter betrachtet werden. So zeigt sich mit zunehmend aggressiverer Tumorbiologie ein Effekt zugunsten eines besseren Überlebens in Abhängigkeit von der pCR. Aber selbst in der Gruppe der triple-negativen Karzinome (TNBC) ist dieser eventuell vom BRCA-Mutationsstatus abhängi . Ein weiterer Aspekt ist, dass lokale Therapiealgorithmen, z. B. Mastektomieraten, Sentinel-Lymphonodektomie (SNB) und Radiatio, bisher noch nicht ausreichend an die o. g. Behandlungskriterien adaptiert sind.
Eine immer wiederkehrende Frage in der Behandlung des TNBC ist die nach der Bedeutung einer platinhaltigen Chemotherapie. Erste Analysen und präklinische Daten konnten eine deutlich höhere Effektivität für DNA-schädigende Zytostatika nachweisen. Im Rahmen der GeparSixto-Studie wurden u. a. 315 triple-negative Mammakarzinome mit oder ohne Carboplatin behandelt. Es zeigte sich eine signifikant erhöhte pCR-Rate durch die Hinzunahme von Carboplatin (53,2 %; 95 %-Konfidenzintervall [KI]: 54,4 – 60,9 vs. 36,9 %; 95 %-KI: 29,4 – 44,5; p = 0,005). Demgegenüber konnte in der Subgruppe mit HER2-positiver Tumorbiologie dieser Effekt nicht nachgewiesen werden. Bei einer weiteren Betrachtung zeigte sich in der Subgruppe mit positiver Familienanamnese hinsichtlich eines Mamma- oder Ovarialkarzinoms eine Erhöhung der pCR-Rate um 26 %, in der Subgruppe mit BRCA1 / BRCA2/RAD51-Keimbahnmutation um 23 % und ohne die o. g. Zusatzkriterien um lediglich 11 %. In einer israelischen Studie mit wenigen triple-negativen Mammakarzinompatientinnen (n = 80) wurde allerdings gezeigt, dass die pCR kein Surrogatmarker für das Überleben bei Patientinnen mit einer BRCA-Mutation ist. Es bleibt also abzuwarten, ob sich die signifikante Verbesserung der pCR durch die Hinzunahme des Carboplatins bei Patientinnen mit triple-negativem Mammakarzinom und einer vorhandenen Mutation oder positiver Familienanamnese sich ebenfalls auf das Gesamtüberleben auswirken wird.

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Aus der Zeitschrift Senologie

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