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    Die Reproduktionsmedizin gehört zu den Bereichen, in denen es in den letzten Jahren zu einer fast dramatischen Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten gekommen ist.

     

Kinderwunschbehandlung in der gynäkologischen Praxis

Der „unerfüllte Kinderwunsch“ stellt ein häufiges Problem in der gynäkologischen Praxis dar. Die Diagnostik muss sich von vornherein auf beide Partner erstrecken. Dabei müssen auf weiblicher Seite neben Einschränkungen der Tubenfunktion v. a. Störungen der Ovarialfunktion, aber auch allgemeine Endokrinopathien abgeklärt werden. Diagnostik und Therapie von Schilddrüsenerkrankungen sowie der verschiedenen Formen der Hyperandrogenämie können umfassend in der frauenärztlichen Praxis erfolgen – ggf. in enger Zusammenarbeit mit Kollegen anderer Fachgebiete. Die Ovulationsinduktion mit Clomifen – ggf. in Kombination mit Metformin – stellt nach wie vor eine sehr wirksame und in der Praxis gut anwendbare Behandlungsmethode dar.


Führen konservative Behandlungsmöglichkeiten nicht zur Konzeption bzw. zur erfolgreich ausgetragenen Schwangerschaft, so sollte geprüft werden, ob die Indikation für reproduktionsmedizinische Maßnahmen bzw. spezifische Therapieformen (z. B. zur Behandlung habitueller Aborte) besteht. Insbesondere bei solch komplexen Behandlungsverfahren ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen niedergelassenem Frauenarzt und IVF-Zentrum essenziell. Die Autoren hoffen, dass sie mit der vorliegenden Arbeit dazu beitragen können, dass auch zukünftig die Kinderwunschbehandlung einen festen Platz in der gynäkologischen Praxis einnimmt.


Die vorliegende Übersicht soll darstellen, welche Möglichkeiten zur Kinderwunschbehandlung in der gynäkologischen Praxis gegeben sind. Darüber hinaus wird aufgezeigt, in welchen Fällen weiterführende reproduktionsmedizinische Maßnahmen sinnvoll erscheinen und es wird dargestellt, wie die Zusammenarbeit von Frauenarzt und spezialisiertem Reproduktionsmediziner optimal gestaltet werden kann.


Einleitung
Innerhalb unseres Fachgebietes – der Gynäkologie und Geburtshilfe – gehört die Subspezialität der Reproduktionsmedizin zweifelsohne zu den Bereichen, in denen es in den letzten Jahren zu einer fast dramatischen Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten gekommen ist. Somit sind Techniken wie die intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), die testikuläre Spermienextraktion (TESE) oder moderne Verfahren der Kryokonservierungstechnik zu Routinemethoden geworden, die bei entsprechender Indikation jedem Paar mit unerfülltem Kinderwunsch zugänglich sind.
Bei aller Euphorie für diese fortschrittlichen Behandlungsverfahren wird oftmals jedoch vergessen, dass der Frauenarzt vor Ort der erste und wichtigste Ansprechpartner für alle Fragen rund um den Kinderwunsch ist. Nahezu alle diagnostischen Verfahren und ein großer Teil der Behandlungsmethoden bei unerfülltem Kinderwunsch können sehr erfolgreich in der gynäkologischen Praxis durchgeführt werden. Dies beginnt mit der gezielten Anamneseerhebung und gynäkologischen Untersuchung und setzt sich über die Hormonanalytik bis hin zur Prüfung der Eileiterfunktion fort. In vielen gynäkologischen Praxen werden darüber hinaus auch Untersuchungen zur Abklärung des männlichen Sterilitätsfaktors angeboten. Die Palette konservativer Behandlungsmöglichkeiten ist breit und umfasst die Behandlung zugrunde liegender endokrinologischer Störungen, die Zyklusoptimierung sowie verschiedene Formen der ovariellen Stimulation.
Erst wenn konservative Behandlungsverfahren nicht zum gewünschten Erfolg führen, besteht die Indikation zu reproduktionsmedizinischen Maßnahmen.

Epidemiologische Aspekte
Eine der wichtigsten Kennzahlen zur Bevölkerungsentwicklung eines Landes stellt die Geburtenrate dar. 2010 wurden in Deutschland 678 000 Kinder geboren. Im Jahr 2011 waren es 663 000 Kinder – so wenige wie nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Geburtenrate pro 1000 Frauen lag in Deutschland im Jahr 2011 bei 8,1; im Vergleich dazu betrug dieser Wert im Jahr 1900 noch 35,8.
Vergleicht man Deutschland mit europäischen Ländern, in denen höhere Geburtenraten erzielt werden, scheint ein Hauptgrund für die geringe Bereitschaft der Frauen, Kinder zu bekommen, in der schlechten Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu liegen, gegen den die Frauen in Deutschland ankämpfen müssen. Die Gründe für den dauerhaften negativen Trend der Geburtenrate sind allerdings umstritten und Gegenstand politischer Kontroversen. Die niedrigen und immer weiter absinkenden Geburtenraten in Deutschland sowie der zu beobachtende Trend eines steigenden Durchschnittsalters bei Geburt des 1. Kindes (1991–2011: von 27,3 auf 30,5 Jahre) lassen das Problem der Infertilität und die entsprechenden Maßnahmen der Kinderwunschbehandlung in den Fokus des gesellschaftlichen Diskurses rücken.

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Aus der Zeitschrift Frauenheilkunde up2date 2/2015

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