• Ovarialkarzinom Thieme Gynaekologie

    Ovarialkarzinom, aus GebFra 04/2012

     

Ovarialkarzinom: Modifiziertes Schema für intraperitoneale Chemotherapie

Die intraperitoneale Chemotherapie ist der intravenösen in Studien bei Ovarial-, Tuben- oder primären Peritonealkarzinomen überlegen; allerdings auf Kosten der Verträglichkeit. D. S. Dizon et al. überprüften in einer Phase-I-Studie ein modifiziertes Schema und erhofften sich gute Wirksamkeit bei geringen Nebenwirkungen. Die Ergebnisse sind hier zusammengefasst.

Hintergrund: Bei Ovarial-, Tuben- oder primären Peritonealkarzinomen, bei denen eine optimale operative Zytoreduktion vorgenommen wurde, zeigte die intraperitoneale gegenüber der intravenösen Chemotherapie in Studien einen Überlebensvorteil. Allerdings waren die toxischen Effekte recht ausgeprägt. D. S. Dizon et al. überprüften in einer Phase-I-Studie ein modifiziertes Schema. Gynecol Oncol 2011; 123: 182–186  

 

Methoden: Teilnehmen konnten Patientinnen mit einem epithelialen Ovarialkarzinom, einem Adenokarzinom der Tube, einem primären Peritonealkarzinom oder einem Karzinosarkom der Stadien IIB, IIC, III oder IV. Innerhalb von 12 Wochen vor Studienbeginn musste eine ausreichende operative Zytoreduktion stattgefunden haben. Am 1. Tag jedes 21-tägigen Zyklus erhielten die Teilnehmerinnen 135 mg / m² Paclitaxel intravenös über 3 Stunden, gefolgt von einer intraperitonealen Gabe von 75 mg / m² Cisplatin. An Tag 8 erhielten sie noch 1-mal 60 mg / m² Paclitaxel intraperitoneal. Die Chemotherapie erstreckte sich über insgesamt 6 Zyklen. Primärer Endpunkt der Studie war die Rate an Patientinnen, bei denen zumindest ein Dosis-limitierendes Toxizitätsereignis auftrat. Als solches waren eine afebrile Neutropenie, ein Aufschub der weiteren Therapie um mehr als 2 Wochen aufgrund einer Zytopenie oder eine nicht-hämatologische Toxizität der Grade 3–5 innerhalb der ersten 4 Zyklen definiert.  

 

Ergebnisse: In die Analyse gingen 20 Patientinnen mit einem medianen Alter von 59 Jahren ein, von denen 18 (95%) alle 6 Zyklen beendeten. Bei 3 Teilnehmerinnen trat ein Dosis-limitierendes Toxizitätsereignis auf: bei einer Patientin kam es zu einem Harnwegsinfekt vom Grad 3 mit einer normalen Neutrophilenzahl, eine Patientin erlitt eine Hypoglykämie vom Grad 3 und bei einer weiteren Patientin traten eine Thrombozytopenie von Grad 4, eine Anämie vom Grad 3 sowie eine Leukopenie vom Grad 3 auf. Bei 18 Teilnehmerinnen war eine Auswertung im Hinblick auf das Therapieansprechen möglich. 12 von ihnen (67%) zeigten ein volles Ansprechen, gemessen am CA-125-Spiegel, 2 (11%) ein partielles, einer Gesamtansprechrate von 78% entsprechend. Bei 2 Patientinnen sank der CA-125-Spiegel nicht signifikant ab, bei 2 waren die Daten unzureichend.  

 

Folgerung: Ein modifiziertes Therapieregime mit intravenöser Gabe von Paclitaxel und intraperitonealer Gabe von Cisplatin am ersten Tag, gefolgt von intraperitonealem Paclitaxel an Tag 8 in einem 21-tägigen Zyklus scheint durchführbar zu sein und ist eine attraktive Alternative zum bisherigen intraperitonealen Behandlungsregime, so die Autoren. Die geringe Anzahl an Patientinnen und die Aufnahme von Frauen mit Karzinosarkom – einem im Vergleich zum Ovarialkarzinom biologisch unterschiedlichen malignen Tumor – in die Studie, schmälert die Aussage der Studie.

Dr. Johannes Weiß, Bad Kissingen

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