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    Wenn bei Frauen in den ersten 3 Monaten nach einer Geburt Symptome auftreten, die auf eine Thrombose hindeuten, sollte an die noch erhöhte Thrombosegefahr postpartal gedacht werden.

     

Postpartales Thromboserisiko: Wie lange bleibt es erhöht?

Hintergrund: Während einer Schwangerschaft ist das Risiko für das Auftreten einer Thrombose erhöht, und steigt nochmal im Zeitraum nach der Geburt an. Üblicherweise geht man von einem solch erhöhten Risiko bis zur 6. postpartalen Woche aus, und die Prophylaxe bei Hochrisiko-Patientinnen für eine venöse Thrombembolie wird gemäß den Leitlinien nach 6 Wochen beendet. Es gibt aber Hinweise darauf, dass auch nach diesen ersten 6 Wochen weiterhin eine erhöhte Thrombosegefahr existiert. Eine Arbeitsgruppe aus New York ist dieser Frage jetzt nachgegangen.
N Engl J Med 2014; 370: 1307–1315

Methoden: Die Wissenschaftler um Haaman Kamel führten bei allen Frauen, die zwischen Januar 2005 und Juni 2010 erstmals ein Kind zur Welt gebracht hatten, eine retrospektive Crossover-Studie durch. Dabei wurde als Komposit-Endpunkt die Häufigkeit von Myokardinfarkt, ischämischem Schlaganfall oder venöser Thrombembolie in den 24 Wochen nach der Entbindung mit der Häufigkeit im gleichen Zeitraum genau 1 Jahr später verglichen. Frauen mit einer 2. Schwangerschaft in diesem Zeitraum und Frauen, bei denen bereits früher eine Thrombose aufgetreten war, waren ausgeschlossen.

Zusätzlich wurde das umgekehrte Modell getestet und überprüft, ob bei Frauen, die wegen eines erstmaligen thrombotischen Ereignisses behandelt worden waren, häufiger eine Schwangerschaft und Entbindung vorausgegangen waren als im entsprechenden Zeitraum vor 1 Jahr.

Ergebnisse: Insgesamt 1 687 930 Frauen wurden in die Auswertung aufgenommen. Bei 1015 von ihnen kam es im untersuchten Zeitraum zu einem thrombotischen Ereignis: zu 248 Schlaganfällen, 47 Myokardinfarkten und 720 venösen Thrombembolien. Dabei war das Risiko in den ersten 6 Wochen nach der Entbindung deutlich höher als im gleichen Zeitraum 1 Jahr später, mit 411 gegenüber 38 Ereignissen. Daraus errechnete sich eine Odds Ratio (OR) von 10,8 für die ersten 6 Wochen post partum. Für die Wochen 7–12 nach der Geburt war das Risiko ebenfalls gegenüber dem Vergleichszeitraum erhöht, allerdings weniger stark: mit 95 gegenüber 44 Ereignissen und einer OR von 2,2. Diese Risikoerhöhung blieb auch in Subgruppenanalysen von Frauen mit vs. Frauen ohne vorbestehende sonstige Risikofaktoren erhalten, mit Ausnahme eines deutlicher erhöhten Risikos für Frauen nach Sectio in den Wochen 0–6. Nach der 12. Woche zeigte sich dann kein erhöhtes Thromboserisiko mehr.

Umgekehrt war bei Frauen mit einer erstmaligen Thrombose die Wahrscheinlichkeit einer Entbindung in den Wochen vor der Diagnose ebenfalls signifikant erhöht, mit einer OR von 9,8 für die Wochen 0–6 vor der Thrombose und von 2,2 für die Wochen 7–12.

Folgerung: Das erhöhte Thromboserisiko nach einer Entbindung sinkt also 6 Wochen post partum nicht schlagartig auf Normalwerte, sondern nimmt über die folgenden 6 Wochen allmählich ab, folgern die Autoren. Das scheint auch biologisch plausibel, da die Konzentrationen der prothrombotischen Marker teilweise für mindestens 8–12 Wochen nach der Entbindung erhöht bleiben. Wenn bei Frauen in den ersten 3 Monaten nach einer Geburt entsprechende Symptome auftreten, sollten Kliniker in der Praxis also daran denken, dass bei diesen Patientinnen immer noch eine erhöhte Thrombosegefahr besteht. Weitere Studien müssen untersuchen ob bei Hochrisiko-Patientinnen die postpartale Thromboembolie-Prophylaxe verlängert werden muss.

Dr. E. Ruchalla

Aus: GebFra 7/14

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