• Abstinenz nach der Geburt - Postpartale Sexualität

    Nach der Geburt herrscht im Bett oft eine sexuelle Flaute.

     

Abstinenz nach der Geburt - Postpartale Sexualität

Bisherige Forschungen zur postpartalen Sexualität waren fast ausschließlich auf die Mutter fokussiert. Eine neue Studie von US-Forschern im Journal of Sexual Medicine geht jetzt mehr auf die Sexualität des Partners nach der Geburt ein, denn demnach verändert sich auch diese deutlich.

Die Studie von Wissenschaftlern der Universität Michigan in Ann Arbor zeigt Angaben von 114 Partnern (heterosexuelle Männer und lesbische Frauen) zur Sexualität in den ersten drei Monaten nach der Geburt ihres letzten Kindes. Die Ergebnisse könnten nach Angaben der Autoren dabei helfen zu klären, wie die Partner der Mütter die Sexualität erleben und wie diese im Kontext mit der Paarbeziehung und der Elternschaft stehen.

 

Biologische Hintergründe

Die wichtigsten Ursachen für eine postpartale Abstinenz haben erwartungsgemäß einen biologischen Hintergrund. Ein Großteil der Frauen erleidet bei der Geburt zumindest kleine Dammrisse oder hat andere Probleme im Genitalbereich. Die postpartalen Blutungen beziehungsweise die Heilung der Wunden dauert oft länger als angenommen.

Allgemein wird den frischgebackenen Eltern geraten, in den ersten sechs Wochen nach der Geburt auf vaginalen Geschlechtsverkehr zu verzichten. Der Heilungsbedarfs im Genitalbereich und auch der keimbelastete Wundfluss dürfen nicht unterschätzt werden. Beobachtungen zeigen, dass die Sexualität in den ersten drei Monaten der postpartalen Phase gegen Null geht.

Das Stillen ist ein weiterer biologischer Grund für eine veränderte Sexualität nach der Geburt. Der Körper einer stillenden Frau ist weniger auf Sex eingerichtet. Das Hormon Prolaktin ist zwar laktationsfördernd, hemmt aber die Lust auf Sex. Deshalb ist in der Stillphase das Verlangen der Frau nach sexueller Nähe eher gering.

Auch die Schlafgewohnheiten des Neugeborenen bestimmen die sexuelle Aktivität. Rund ein Drittel der Väter und lesbischen Partnerinnen gab diese als einen Grund für eine verminderte Sexualität an. Als einige der Hauptgründe für mangelndes sexuelles Verlangen zitierten die Autoren der Studie weiterhin Müdigkeit, Zeitmangel und Stress.

 

Der Vater ist mehr involviert

Frühere Studien kamen oft zu der Erkenntnis, dass der Mann nach der Geburt schnell wieder Sex will, die Frau aber nicht – das führte letztendlich zu Konflikten. Mittlerweile sind die Väter viel stärker emotional sowie in Betreuung und Pflege der Babies involviert. Sie sind bei der Geburt dabei und identifizieren sich als gleichwertigen Elternteil – Partnerschaft und Sexualität rücken dann in den Hintergrund. Laut Studie hatten die Paare oft einvernehmlich in den ersten Monaten bis zu Jahren nach der Geburt nur wenig Sex.

Die Frau ist meist nach der Geburt hormonell so beeinflusst, dass sie mit der Belastung umgehen kann, doch der Mann hat häufig mit der psychischen Komponente zu kämpfen: Vielen fällt es durch die psychische Überlastung und den sozialen Druck schwer, wieder eine unverkrampfte Beziehung zum Sex zu bekommen. Die US-Studie zeigte, dass meist die erste sexuelle Aktivität der Partner nach der Geburt in Selbstbefriedigung bestand.

 

Frühe postpartale Sexualität durch schnelles Abstillen

Der Grund dafür, dass etwa 80 Prozent der befragten Partner in der Studie angaben, schon in den ersten drei Monaten nach der Geburt wieder vaginalen Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, hat regionale Gründe. Das Abstillen erfolgt in den USA im Durchschnitt sehr viel früher als in Europa. Hier hat das Stillen einen höheren Stellenwert, womit der Wert der sexuell aktiven Eltern in den ersten drei Monaten in Deutschland bestimmt deutlich niedriger liegen sollte.

Mutter und auch Partner hinsichtlich der postpartalen Sexualität zu verstehen, hilft vor allem Gynäkologen und Psychologen dabei, die Eltern nach der Geburt und bei bestehenden Fragen oder Problemen besser zu beraten.

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