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    Im letzten Jahrzehnt hat die Prävalenz von Adipositas, insbesondere bei jungen Erwachsenen, zugenommen.

     

Adipositasprävention bei Frauen in allen Lebensphasen

Frauen sind in verschiedenen Lebensphasen einem unterschiedlich hohen Risiko für die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas ausgesetzt. Der folgende Artikel soll für mögliche Präventionsmaßnahmen in besonders wichtigen Zeitfenstern innerhalb der Lebensspanne sensibilisieren. Dabei spielen Veränderungen in der Schwangerschaft, Pubertät und Menopause eine zentrale Rolle.

Schwangerschaft und fetale Programmierung

In Deutschland sind 35 % der Frauen im gebärfähigen Alter übergewichtig und 20 % adipös ([Abb. 1]). Sie bilden somit eine Zielgruppe, die von einer Adipositasprävention profitieren könnte, da innerhalb der Schwangerschaft entscheidende Weichen für die Entwicklung des Körpergewichts des Kindes, aber auch der Mutter gestellt werden.

Das Risiko von mütterlichen und fetalen Komplikationen steigt mit dem Grad des Übergewichts. Das Risiko des Gestationsdiabetes (GDM) erhöht sich progressiv für Frauen, die übergewichtig, adipös und morbid-adipös sind, und die Inzidenz der Schwangerschaftsgestose (Präeklampsie) verdoppelt sich bei einer BMI-Zunahme von 5–7 kg/m2 bei den Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft übergewichtig waren.

Erhöhte Insulinkonzentrationen während der Fetal- und Neugeborenenphase sind charakteristisch für Kinder diabetischer Mütter. Das mütterliche Überangebot an Glukose führt beim Feten zu einer regelrechten „Glukosemast“. Studien haben gezeigt, dass die betroffenen Kinder dauerhaft gefährdet sind, an Adipositas und Diabetes zu erkranken. Diese „epigenetische Programmierung“ scheint auch für übergewichtige Schwangere zu gelten.

Die so stattgefundene Fehlprogrammierung kann als Folge ein erhöhtes Geburtsgewicht (> 4000 g bei normalgroßen Eltern) bedingen, das mit einem erhöhten Übergewichtsrisiko im späteren Leben assoziiert ist.

Die frühe postnatale Wachstumsrate, das sog. Risiko des Catch-up-Wachstums (Aufholen) in der frühen Kindheit hat ebenfalls einen großen Einfluss auf die Risikofaktoren für chronische Erkrankungen im späteren Leben. In dieser Phase werden die unerwünschten intrauterinen Bedingungen durch Catch-up- oder Catch-down-Wachstum kompensiert. Kein Catch-up-Wachstum wurde bei 5-jährigen Kindern von Frauen gefunden, die in der Schwangerschaft intensiv körperlich aktiv waren. [Abb. 2] zeigt die komplexen Mechanismen hormonabhängiger Prägung zu Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen modifiziert nach Plagemann.

Obwohl es in Deutschland keine offiziellen Empfehlungen zur Gewichtszunahme während der Schwangerschaft gibt, sollten die Richtlinien des US-amerikanischen „Institute of Medicine“ (IOM), die erstmalig den prägraviden BMI berücksichtigen, mehr Beachtung finden. Angesichts der Vielzahl der genannten Risiken für Mutter und Kind bietet sich hier ein umfangreiches Präventionspotenzial. Die gewünschten Gewichtszunahmen während der Schwangerschaft sind aus [Tab. 1] zu entnehmen.

Körperliche Aktivität (KA) stellt einen entscheidenden Präventionsaspekt dar, wie die gute Evidenzlage beweist. So weisen Frauen, die am meisten körperlich aktiv sind, die geringste Prävalenz an Gestationsdiabetes (GDM) auf, die wiederum zu einer geringeren Inzidenz von Adipositas und Diabetes vom Typ 2 bei Mutter und Kind führen. Regelmäßige moderate KA vor und in der Schwangerschaft führen zu einer geringeren Gewichtszunahme der Mutter, und zu einem geringeren Geburtsgewicht des Kindes. Zudem wird nach der Schwangerschaft das frühere Gewicht häufiger wieder erreicht. Durch Fortführung einer sportlichen Tätigkeit in der Schwangerschaft kann bei bisher sportlich aktiven Frauen die Fitness erhalten und bei bis dato sportlich inaktiven Frauen eine Grundfitness erreicht werden. Hieraus ergeben sich Vorteile für Schwangerschaftsverlauf, Geburt und post partum.

Als Empfehlungen für Schwangere gelten dabei Sportarten wie Wandern, Walking, Jogging, Nordic Walking, Skilanglauf, Gymnastik und Radfahren in der Ebene (hier trägt das Rad das Gewicht und entlastet die Wirbelsäule). Schwimmen eignet sich besonders bei Schwangeren, die zu Ödemen neigen. Die Tatsache, dass KA durch die gesamte Schwangerschaft hindurch und sogar als intensive KA im Intervalltraining kombiniert mit Krafttraining empfohlen wird, sollte von allen beteiligten Ärzten, Gynäkologen und Kinderärzten, aber auch Hebammen verstärkt weitergegeben werden.

 

Zu den Tabellen und dem ausführlichen Artikel

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