• Social Media Like Daumen

    Social Media - Must-Have für Arztpraxen?

     

Gefällt mir! – Ärztin sein im Zeitalter von Social Media

Immer mehr Patienten greifen auf das Internet zurück, wenn sie Gesundheitsinformationen suchen. Das können sich Ärztinnen und Ärzte zu Nutze machen und mit einer eigenen Web- und Facebook-Seite für ihre Praxis werben.

Es ist ja nicht so, dass Ärzte beruflich mit dem Internet nichts zu tun haben wollen. Doch vielen sind Facebook, Youtube und Co suspekt. Die Gründe dafür sind nicht unbedingt immer nur die berühmt berüchtigten Datenschutzprobleme oder die gefürchtete Schmähkritik im Internet, sondern die Unklarheit, wie man Social Media konkret im Praxisalltag nutzen kann. Dabei stehen vor allem die Kosten und der Arbeitsaufwand im Vordergrund. Das Internet sollte möglichst effektiv mit all seinen Möglichkeiten genutzt werden können, ohne dass noch mehr Arbeit auf das Praxisteam zukommt, das ohnehin schon ein immenses Arbeitspensum zu bewältigen hat.

Der Internet-Auftritt und Social Media

Agentur oder selber machen? Am Anfang kann professionelle Hilfe nicht schaden. Schließlich soll der Internet-Auftritt für die eigene Praxis werben und dabei helfen, neue Patienten zu gewinnen. Sascha Maynert, Geschäftsführer der Agentur „Maynert Online Marketing“, stellt immer wieder fest, dass viele Ärzte zwar bereits eine Internetseite haben, diese aber oft sehr altmodisch und nicht an die aktuellen Erfordernisse angepasst ist. Oft fehlen etwa Suchmaschinenoptimierung und Tauglichkeit für mobile Endgeräte. Er rät dazu, sich an einen Profi zu wenden.

Die Kosten für die Konzeption einer Homepage variieren stark. Seiten, die nicht sehr aufwendig zu planen und zu erstellen sind, können bei ca. 2500 Euro liegen. Sehr hochwertige Webseiten kosten bis zu 5000 Euro. Auch wenn diese Beträge auf den ersten Blick hoch erscheinen, sind sie eine Investition in die Zukunft. „Die Internetseite ist schon länger weit mehr als eine Visitenkarte für den Arzt und sollte gezielt zur Information und Interaktion eingesetzt werden“, betont Maynert. Wie bedeutend mittlerweile das Internet für niedergelassene Ärzte ist, zeigt die Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2011“ der Stiftung Gesundheit. 64,6 % der Ärzte schätzen die Internetpräsenz als wichtigstes Marketinginstrument ein [Abb. 1]. Mit ihrer Einschätzung liegen die Mediziner richtig. Laut Statistischem Bundesamt nutzten 63 % der Bundesbürger 2011 das Internet, um Informationen zu Gesundheitsthemen zu finden. „Die Patienten entscheiden sich für den Arzt, dessen Internetseite ihnen das beste Gefühl vermittelt“, sagt der Social Media Experte Christian Wenzel. Er betreut mit seiner Agentur „digital branding“ Webauftritte von Ärzten. Die Zeiten seien vorbei, dass man zu dem Arzt gehe, zu dem schon die Großmutter gegangen sei, sagt er.

Die junge Generation wächst mit den neuen Medien auf. Für sie ist bloggen und twittern so selbstverständlich wie für Ältere Briefeschreiben. Auch wenn manche Ärzte vielleicht argumentieren, dass sie vor allem ältere Patienten betreuen, die sie mit den neuen Medien kaum erreichen, werden sie nicht umhinkommen, sich mit Social Media auseinanderzusetzen. Politiker, Unternehmer, letztendlich alle Akteure müssten mit diesem Wandel leben, sagt der Kommunikationswissenschaftler Professor Martin Emmer. „Sie müssen mehrgleisig fahren, da die ältere Generation weniger offen für die neuen Medien ist als die junge.“

Damit Ärzten sowohl ihren jungen als auch ihren alten Patienten gerecht werden, sollten sie unterschiedliche Strategien einsetzen: klassische Marketinginstrumente, wie zum Beispiel eine Anzeige in der örtlichen Tageszeitung, weiter beibehalten und gleichzeitig auf die neuen Medien setzen. Die Internetseite ist wie eine Insel im World Wide Web, um die herum die Social Media Kanäle organisiert sind. Der gängigste Kommunikationskanal für Ärztinnen und Ärzte ist Facebook. Die Erstellung einer Facebook-Seite kostet etwa zwischen 400 bis 800 Euro, je nach technischem Aufwand – wie viele Unterseiten gewünscht sind. Besteht bereits eine Facebook-Seite und soll diese nur noch optimiert werden, dann liegen die Kosten bei etwa 400 Euro.

Im Idealfall steht die Internetseite vor der Facebook-Seite online, damit der Patient oder der allgemein Interessierte mehr über den Arzt erfahren kann. Doch dass es auch anders geht, zeigt die Gemeinschaftspraxis „360°zahn“ in Düsseldorf. Efthimios Giannakoudis gründete mit zwei Studienkollegen im Oktober 2010 eine Zahnarztpraxis. Da absehbar war, dass die Internetseite nicht rechtzeitig fertig werden würde, richtete die Agentur von Sascha Maynert vorab eine Facebook-Seite ein, die die Entstehung der Praxis mit Baustellenfotos dokumentierte. „Facebook war unser wichtigstes Marketinginstrument“, sagt Giannakoudis. Nach nur zwei Monaten hatten sie 300 Fans, die dann alle zur Eröffnungsfeier der Praxis eingeladen wurden. Am Ende hätten allerdings 800 Leute vor der Tür gestanden, erzählt Giannakoudis. Mit so viel Interesse hätten sie nicht gerechnet. Ihr Engagement im Netz wird belohnt: Heute haben sie 1700 Fans und 40 % ihrer Patienten gewinnen sie durch ihre Internetaktivitäten. Für den Zahnarzt hat Social Media eine ganz konkrete Bedeutung: „Auf Augenhöhe mit dem Patienten kommunizieren“. Er schaut täglich auf die Facebook-Seite und schreibt „auch mal nichts über Zähne, sondern über Fußball“. Aktuell suchen sie über Facebook einen Namen für das Maskottchen ihrer neuen Kinder- und Jugendabteilung.

„Bei dem Thema Arzt-bewertungsportale wird viel heiße Luft produziert.“

Die Betreuung des Facebook-Auftritts, also das regelmäßige Posten von neuen Beiträgen und Bildern und das Antworten auf Kommentare, übernehmen auch Agenturen. Die Kosten dafür betragen je nach Aufwand etwa 200 Euro pro Monat. Vieles lässt sich nach anfänglich professioneller Unterstützung aber auch ohne Hilfe selbst bewerkstelligen. Die Social-Media-Expertin Anna-Lena Radünz gibt Workshops zum Thema Social Media. Sie rät, dass es in der Praxis klare Verantwortlichkeiten und Prozesse für dieses Thema geben sollte. Einmal in der Woche oder im Monat sollte in einem Redaktionsplan festlegt werden, wann welche Themen gepostet werden, sagt Radünz. Die tägliche Arbeit für die Veröffentlichung und das Antworten auf Fragen betrage 10 bis 15 Minuten. Ihr Tipp: „Konsequent dabeibleiben, Halbherzigkeit bringt hier keinen Erfolg.“ Wenn das ganze Praxisteam aufgefordert werde, neue Themen zu finden, würde man dadurch auch hellhöriger, was die Patienten interessiere, sagt sie.

  • Wichtigste Marketingmaßnahmen für Ärzte

    64,6 % der niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen schätzen die Internetpräsenz als wichtigstes Marketinginstrument ein. Quelle: Stiftung Gesundheit

     

Arztbewertungsportale –was ist dran?

Ärztinnen und Ärzte, die eine eigene Homepage und Facebook-Seite haben und die sich aktiv im Internet bewegen, müssen damit rechnen, dass sie auch in diversen Arztbewertungsportalen bewertet werden. Spätestens an diesem Punkt beschleicht manche ein ungutes Gefühl. Die Risiken solcher Bewertungsportale kennen die meisten, aber wie die Rechtslage in diesem Zusammenhang aussieht, wissen viele nicht. (Weitere Informationen dazu finden Sie in dem Artikel auf Seite 168).

Die Meinungen zu Arztbewertungsportalen gehen auseinander. Je nachdem, wen man fragt, sind solche Bewertungsportale entweder der digitale Pranger oder die Plattform für patientenorientierte Transparenz. Auch beim Bekanntheitsgrad scheiden sich die Geister. Wie viele Menschen wissen von ihnen und nutzen sie auch aktiv? „Die Bewertungsportale haben sich etabliert“, sagt Ingo Horak, Geschäftsführender Gesellschafter des Bewertungsportals „DocInsider.de“. Jeder Arzt sollte sich damit beschäftigen, denn die digitale Generation wachse in den Gesundheitsmarkt herein. Nach seinen Angaben soll „DocInsider.de“ monatlich mehrere Millionen Aufrufe haben.

Der Diplom-Psychologe Dr. Christopher Kofahl sieht diese Diskussion gelassen. „Bei dem Thema Arztbewertungsportale wird viel heiße Luft produziert“, sagt er. Die große Mehrheit der Patienten kenne solche Portale überhaupt nicht. Und tatsächlich ergab eine Studie der Bertelsmannstiftung, der Gesundheitsmonitor 2009, dass nur etwa 2 bis 3 Prozent der Patienten Arztbewertungsportale kennen.

Für Kofahl ist das eigentliche Problem bei allen webgestützten Angeboten: „Die Diskussion dazu wird nur von einer kleinen Gruppe geführt, die aber sehr laut ist. Die große Mehrheit der Bevölkerung beteiligt sich an dieser Diskussion überhaupt nicht.“ Dennoch ist sich Kofahl sicher: „Die Portale werden an Bedeutung gewinnen. Doch noch stehen wir am Anfang der Entwicklung.“

 

Quelle: Sarah M. Pancur, aus XX 03/2012,  Georg Thieme Verlag Stuttgart

  • Melden Sie sich zum Gyn-Newsletter an!