• Symbolbild, Quelle: Jupiterimages

    Gesellschaftliche Schönheitsideale betreffen nicht länger nur das Gesicht oder den Körper, sondern prägen auch immer mehr das Bild des Genitale.

     

Äußeres Genitale - was ist normal?

Hintergrund: Die operative Angleichung der kleinen Labien (Labienplastik) ist der am häufigsten durchgeführte kosmetische Eingriff am weiblichen Genitale. Für die Labia minora gilt eine Größenvariabilität von 2–10 cm als normal. Frauen ohne morphologische Anomalien oder Traumafolgen unterziehen sich zunehmend aus ästhetischen Gründen einem operativen Eingriff. Moran et al. vermuten, dass insbesondere durch die Medien das verfälschte Bild eines idealisierten Genitale mit zierlichen Labia minora geprägt werde. Die australische Arbeitsgruppe hat die weibliche Perzeption des „normalen“ und sozial „wünschenswerten“ Genitale untersucht und hat evaluiert, ob solche Fehlwahrnehmungen dem Wunsch nach unnötigen Vulva-Eingriffen zugrunde liegen.
BJOG 2014; 121: 761–766

 

Methoden: 97 Frauen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren nahmen an der Untersuchung teil und wurden in 3 Gruppen randomisiert. Die Teilnehmerinnen der Gruppe 1 bekamen 35 Fotos nicht modifizierter Vulven zu sehen, die der Gruppe 2 sahen 35 Bilder chirurgisch veränderter Genitale, und die Frauen der Kontrollgruppe sahen einen leeren Bildschirm. Anschließend mussten die Probandinnen eine zufällige Abfolge von 20 Vulva-Fotografien (10 modifiziert, 10 nicht modifiziert) hinsichtlich Normalität sowie dem gesellschaftlichen Schönheitsideal mithilfe einer Likert-Skala beurteilen.

 

Ergebnisse: Frauen, die initial Bilder von chirurgisch veränderten Vulven gesehen hatten, bewerteten anschließend die Bilder der modifizierten Genitale signifikant häufiger als „normaler“ als die Bilder des nicht voroperierten Genitale. Die Frauen der Kontrollgruppe bewerteten die modifizierten Vulven dagegen als „weniger normal“. Alle 3 Gruppen bewerteten die Bilder der operierten Vulven als „dem sozialen Ideal näher“. Dieser Effekt war am stärksten bei den Frauen, die anfangs Fotos von chirurgisch behandelten Genitalen gesehen hatten.

 

Folgerung: Das Ansehen von Darstellungen chirurgisch veränderter Vulven beeinflusste in der vorliegenden Untersuchung die Wahrnehmung der Probandinnen hinsichtlich des als normal und wünschenswert empfundenen genitalen Erscheinungsbilds. Dies, so die Meinung der Autoren, erkläre, warum auch gesunde Frauen Labienplastiken vornehmen lassen. Die Unsicherheit der Frauen darüber, was als normal anzusehen sei, resultiere – verstärkt durch den Trend zur Intimrasur – in der Besorgnis, das eigene Genitale sei anormal. Es müsse in der Zukunft untersucht werden, inwiefern die Meinung der männlichen Sexualpartner die Wahrnehmung des eigenen Genitale beeinflusse. Moran et al. fordern eine nachhaltige Aufklärung der weiblichen Bevölkerung über die normale genitale Diversität sowie das Hinterfragen gesellschaftlich fixierter Schönheitsideale. Dies beinhalte neben der Visualisierung der normalen Vulva-Morphologie auch das Bewusstmachen medialer Manipulationstechniken wie z. B. das Retuschieren von Bildern. Frauen, die einen Labieneingriff wünschen, sollten darauf hingewiesen werden, dass keine Evidenz für einen psychologischen, funktionellen oder partnerschaftlichen Benefit einer solchen Operation besteht. Zudem sollten diese Patientinnen eine psychosoziale Beratung erhalten.

Dr. C. Weber

Aus: GebFra 9/14

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