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    Antibiotika in der Schwangerschaft? Aus GebFra 04/2012

     

Einzelne Antibiotika können Wachstum hemmen

Antibiotika in der Schwangerschaft werden bei Infektionen im 2. und 3. Trimenon häufig eingesetzt, da Infektionen ein wichtiger Risikofaktor für eine Wachstumsverzögerung und somit für die Gesundheit des Neugeborenen sind. Doch es wird immer noch kontrovers diskutiert, ob der Nutzen der Antibiotika-Behandlung das Risiko überwiegt. In einer Fall-Kontroll-Studie haben F. Santos et al. untersuchten, ob die Exposition mit Antibiotika in diesem Zeitraum einen Einfluss auf das intrauterine Wachstum hat.

Hintergrund: Eine Wachstumsretardierung im 2. und 3. Trimester bedeutet ein erhöhtes Risiko für die Gesundheit des Neugeborenen. F. Santos et al. untersuchten, ob die Gabe von Antibiotika in diesem Zeitraum einen Einfluss auf das intrauterine Wachstum hat.

BJOG 2011; 118: 1374–1382

 

Methoden: Infektionen sind ein wichtiger Risikofaktor für eine Wachstumsverzögerung und einem für das Gestationsalter zu geringen Geburtsgewicht (small for gestational age, SGA). Daher werden bei Infektionen im 2. und 3. Trimester weltweit häufig Antibiotika eingesetzt. Allerdings wird der Einsatz hinsichtlich Nutzen und Risiko immer noch kontrovers diskutiert. Deshalb führten die Autoren anhand von Daten aus einem kanadischen Schwangerschaftsregister in Quebec eine Fall-Kontroll-Studie durch. Basis waren die prospektiv gewonnenen Daten von 63 338 werdenden Müttern, wobei 8192 ein SGA-Kind zur Welt gebracht hatten (unter der 10. Gewichtsperzentile nach den kanadischen geschlechtsspezifischen Referenzkurven), 55146 nicht (Kontrollgruppe).Damit lag der Anteil von Neugeborenen mit SGA mit 13% höher als zuvor für die kanadische Bevölkerung berichtet (7,8%) – wahrscheinlich, weil Mütter aus benachteiligten sozioökonomischen Verhältnissen in dem Register der öffentlichen Gesundheitsversorgung gegenüber der Gesamtbevölkerung überrepräsentiert waren und solche sozioökonomischen Verhältnisse mit einem erhöhten Risiko für SGA einher gehen.

 

Ergebnisse: Insgesamt fanden die Untersucher keinen Zusammenhang zwischen der Antibiotikaexposition im 2. und 3. Trimester und dem SGA-Risiko (Odds Ratio [OR] 0,97; 95%-Konfidenzintervall [KI] 0,91–1,04). Die Analyse nach einzelnen Antibiotika ergab aber doch einzelne Hinweise auf ein Risiko bei Sulfonamiden. Speziell die Einnahme von Sulfamethoxazol/Trimethoprim war signifikant mit einem erhöhten Risiko für SGA assoziiert (OR 1,61; 9 %-KI 1,16–2,23). Umgekehrt schienen Harnwegsantiifektiva, insbesondere Nitrofurantoin, das SGA-Risiko zu verringern (OR 0,80; 9 %-KI 0,65–0,97). Auch Amoxicillin war mit einem gering reduzierten Risiko für SGA assoziiert (OR 0,92; 95%-KI 0,85–0,99)

 

Folgerung: Die Exposition mit Sulfamethoxazol / Trimethoprim in den letzten beiden Trimestern war in dieser Fall-Kontroll-Studie klar mit einem erhöhten Risiko für SGA assoziiert. Sulfonamide sind in der gesamten Schwangerschaft als Antibiotika der 2. Wahl anzusehen und sollten bei bevorstehender Geburt mit Rücksicht auf die Bilirubinkonzentration des Neugeborenen nicht verwandt werden. Daher sollten bei Harnwegsinfekten in der Schwangerschaft Alternativen überprüft werden, insbesondere auch dann, wenn weitere Risikofaktoren für SGA vorliegen. Ein Kandidat ist Nitrofurantoin, soweit keine Resistenz der Erreger dagegen besteht und kommt in Frage, wenn für die Schwangerschaft empfohlene Antibiotika wie Cephalosporine nicht indiziert sind. Am Ende der Schwangerschaft muss auch hier die Möglichkeit einer Hyperbilirubinämie beim Neugeborenen bedacht werden.

Friederike Klein, München  

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