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    Nachweislich korreliert der AMH-Spiegel im Serum bei Frauen direkt mit der Anzahl der reifenden Oozyten. Pacchiarotti und Kollegen haben untersucht, welchen Stellenwert er für die Funktionsfähigkeit der Ovarien bei Endometriose-Patientinnen hat.

     

Wie wirkt sich der AMH-Serumspiegel auf die Ovarfunktion bei schwerer Endometriose aus?

Hintergrund: Endometriose betrifft ca. 6–10 % der Frauen im reproduktiven Alter. Die Pathogenese ist trotz vieler Hypothesen und Theorien nicht sicher geklärt. Pacchiarotti et al. haben untersucht, welchen Stellenwert der Anti-Müller-Hormonspiegel (AMH) im Serum bei Frauen mit Endometriose für die Funktionsfähigkeit der Ovarien hat, da er direkt mit der Anzahl der reifenden Oozyten korreliert.

Europ J Obstet Oncol Reprod Biol 2014; 172: 62–64

 

Methoden: Für diese prospektive Fall-kontrollierte Studie wurden 2 Gruppen von Patientinnen rekrutiert. Die Kontrollgruppe (Gruppe A) umfasste 130 fertile, gesunde Frauen. Die Fallgruppe umfasste 65 Frauen mit histologisch oder laparoskopisch diagnostizierter Endometriose im Stadium III und IV (Gruppe B). Einschlusskriterien waren ein Alter zwischen 25 und 35, einheitliche kaukasische Ethnizität und ein BMI zwischen 20 und 25. Ausgeschlossen wurden Patientinnen mit weiteren gynäkologischen Erkrankungen. Der AMH-Serumspiegel wurde in beiden Gruppen gemessen und anschließend mit einem t-Test statistisch analysiert.

 

Ergebnisse: Die AMH-Serumspiegel zeigten sich bei Patientinnen der Gruppe B signifikant niedriger (0,97 ± 0,59 ng / ml) als in Gruppe A (1,72 ± 0,63 ng / ml) (p = 0,001). Die Ergebnisse der 2 Gruppen erwiesen sich als homogen bezüglich Alter (33,6 ± 1,9 Jahre in Gruppe B vs. 32,9 ± 2 Jahre bei Gruppe A (p = 0,2) und BMI (22,85 ± 1,3 bei Gruppe B vs. 22,5 ± 1,3 bei Gruppe A (p = 0,5)).

 

Folgerung: Aus dieser Studie ergibt sich, welch destruktive Wirkung die Endometriose auf die Ovarien hat. Bei Frauen wird das AMH durch Granulosazellen von der Geburt an bis zur Menopause produziert und ist daher ein guter Marker für das reproduktive Alter, da er die Anzahl der reifenden Oozyten unabhängig vom weiblichen Zyklus widerspiegelt.

Zusammenfassend konnte mit dieser Studie gezeigt werden, dass die Endometriose negative Auswirkungen auf die Aktivität der Ovarien hat. Außerdem wurde deutlich, dass die Analyse des AMH-Serumspiegels bei Patientinnen mit Endometriose ein wichtiger Parameter für die Funktionsfähigkeit der Ovarien ist. Ein sinkender AMH-Serumspiegel deutet auf eine nachlassende Funktionsfähigkeit der Ovarien hin, bzw. auf einen nahenden Beginn der Menopause und ist somit ein wichtiger Parameter in der Reproduktionsmedizin. Ebenso kann der AMH-Serumspiegel bei Frauen mit Endometriose als Follow-up-Marker eingesetzt werden, um eine drohende Infertilität abzuwenden.

M. Lehrian

 

Aus: GebFra 5/14

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