• Belastungsinkontinenz

    Zeigt eine oberflächliche elektrische Stimulation ähnliche Effekte wie die Elektrodenbehandlung?

     

Behandlung von Harninkontinenz: Oberflächliche Elektrostimulation des Beckenbodens ist effizient

Hintergrund: Die Behandlung der Stress-inkontinenz durch Stärkung des Beckenbodens wurde in vielen Studien untersucht. Gezeigt wurde aber auch, dass die meisten Frauen die Therapie nur unregelmäßig anwenden. Die Elektrostimulation der Beckenbodenmuskulatur mit Elektroden stellt eine Behandlungsoption dar, die allerdings aufgrund der technischen Ansprüche im klinischen Alltag nur schwer einsetzbar ist. Correia et al. aus Brasilien haben untersucht, ob eine oberflächliche elektrische Stimulation einen ähnlichen Effekt wie die Elektrodenbehandlung zeigt.

Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2014; 173: 113–118

 

Methoden: In einer randomisierten, kontrollierten Studie wurden über 50-jährige Frauen eingeschlossen, die noch keine Physiotherapie zur Behandlung einer Stressinkontinenz erhalten hatten. Dranginkontinenz, Genitalprolaps, Schrittmacher, Hypertonie und neurologische Problemen führten zum Ausschluss. Die Patientinnen wurden in 3 Gruppen randomisiert:

  • Oberflächenstimulation,
  • intravaginale Stimulation,
  • Kontrolle.

Die Erhebung der Basisdaten erfolgte durch einen Physiotherapeuten sowie einen 1-Stunden-Pad-Test. Die Beckenbodenstärke wurde sowohl digital wie auch mittels Perineometer erfasst. Die Frauen wurden im Einzelnen über den Einsatz der oberflächlichen elektrischen Stimulation der Muskulatur instruiert. Ebenso wurde der „Kings Health Questionnaire“ (KHQ) erhoben. Die Elektrostimulation in beiden Gruppen wurde in 12 Sitzungen a 20 min durchgeführt.

Ergebnisse: Von den 48 rekrutierten Frauen konnten 45 ausgewertet werden. Eine Patientin der intravaginalen Gruppe musste wegen Dysmenorrhö ausgeschlossen werden. Zwei Patientinnen brachen die Studie vorzeitig ab. Unter den Gruppen gab es keine statistischen Unterschiede. In beiden Behandlungsgruppen gab es eine signifikante Reduktion der Inkontinenz gemessen mit dem Pad-Test im Vergleich zu Studienbeginn, aber auch im Vergleich zur Kontrollgruppe. Die Muskelstärke wurde durch den Einsatz der intravaginalen Technik signifikant verbessert. Für die Lebensqualität entsprechend KHQ gab es in beiden Behandlungsgruppen eine signifikante Verbesserung in allen erfragten Punkten.

Folgerung: Die Behandlung mit Elektrostimulation in 12 Sitzungen war effektiv – und zwar bei beiden Anwendungsmethoden. Diese Studie ist die erste, die die beiden Methoden miteinander vergleicht. Bisherige Studien zeigten jeweils für die einzelne Methode einen Effekt. Nicht nur in der quantitativen Analyse, sondern auch in der qualitativen zeigte sich die Verbesserung. Die Autoren vermuten, dass die Stimulation durch Muskelkontraktion zur Stärkung des Beckenbodens führt und nebenher durch Stimulation des Nervus pudendus eine Verstärkung des externen urethralen Sphinkters bewirkt. Darüber hinaus wird die Durchblutung lokal verstärkt, was zu einer Reduktion der Atrophie führt. Da die oberflächliche Stimulation der intravaginalen nicht unterlegen war, aber in der Technik einfacher und auch günstiger ist, sehen die Autoren in ihr eine Alternative, die weiter untersucht werden sollte.

Dr. S. Johann

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