• Bestrahlung oder Tamoxifen nach Brustkrebsoperation?

    Die Radiotherapie alleine – zur Senkung der Rezidivrate bei Brustkrebs-Patientinnen – ist weniger effektiv als in Kombination mit Tamoxifen haben Blamey und Kollegen herausgefunden (Symbolbild, Quelle: PhotoDisc).

     

Bestrahlung oder Tamoxifen nach Brustkrebsoperation?

Hintergrund: Vorangegangene Studien konnten zeigen, dass der Einsatz der Radiotherapie nach einer brusterhaltenden Brustkrebs-Operation die Rezidivraten deutlich senkt. Ohne eine adjuvante Therapie hingegen bewegen sich die Inzidenzen von lokalen Rezidiven auf einem nicht akzeptablen hohen Niveau – sogar bei Tumoren mit einer guten Prognose.

R.W. Blamey et al. haben untersucht, wie sich eine Radiotherapie oder Tamoxifen nach einer konservativen operativen Brustkrebs-Behandlung auf das Auftreten von lokalen Rezidiven auswirkt.

Europ J Cancer 2013; 49: 2294–2302

 

Methoden: Die BASO-II-Studie (BASO: British Association of Surgical Oncology) schloss 1171 Patientinnen mit primärem, invasivem Brustkrebs (<2 cm im Durchmesser) vom Grad 1 oder guter Prognose ein. Alle Studienteilnehmerinnen waren unter 70 Jahre alt, hatten sich einer breiten lokalen Exzision (mit „Clear Margins“) unterzogen und waren frei von Metastasen oder Lymphknotenbefall. Nach dem Ausscheiden von 36 Patientinnen wurden 1135 randomisiert und erhielten entweder:

  • keine adjuvante Therapie,
  • Bestrahlung,
  • Tamoxifen oder
  • eine Bestrahlung plus Tamoxifen.

Das Auftreten von lokalen Rezidiven wurde über einen Zeitraum von 10 Jahren untersucht.

 

Ergebnisse: Die Beobachtung der Patientinnen erstreckte sich im Median über 121 Monate. Das Alter bei Studieneintritt betrug im Durchschnitt 57 Jahre (Spanne: 33–69 Jahre). Bei dem letzten Follow-up waren 49 brustkrebsbedingte Todesfälle (4%) sowie 68 Todesfälle (6%) aufgrund anderer Ursachen zu verzeichnen. 7 weitere Patientinnen wiesen Fernmetastasen auf. Insgesamt betrug das 10-Jahres-Überleben 96 %, und sowohl die Radiotherapie als auch Tamoxifen waren mit einer nicht signifikanten Verbesserung des Überlebens assoziiert. Die Autoren registrierten im Rahmen einer Intention-to-Treat-Analyse einen Rückgang von lokalen Rezidiven nach einer breiten lokalen Exzision bei Patientinnen, die sich einer Radiotherapie unterzogen (HR 0,37; p<0,001), und bei solchen unter Tamoxifen (HR 0,33; p<0,004). Weitere Analysen hatten zum Ergebnis, dass die jährliche Inzidenz von lokalen Rezidiven nach alleiniger Exzision 1,9 % betrug, innerhalb der Radiotherapie- und Tamoxifen-Gruppe waren die Inzidenzen jeweils 0,7 und 0,8%. Keine der Patientinnen, die beide adjuvanten Therapien erhielten, entwickelte lokale Rezidive. Eine Analyse, die sich auf die tatsächlich erfolgten Therapien bezog, erbrachte für eine alleinige Operation jährliche Rezidivraten von 2,2%, für eine adjuvante Radiotherapie oder Tamoxifen-Behandlung alleine von 0,8% sowie für beide Behandlungen zusammen von 0,2%.

 

Folgerung: Im Vergleich zu einer alleinigen breiten lokalen Exzision, die mit hohen Raten an lokalen Rezidiven einherging, gelang es mithilfe einer adjuvanten Radiotherapie und Tamoxifen gleichermaßen, die Rezidivraten bei den Brustkrebs-Patientinnen zu senken. Am effektivsten war die Behandlung, wenn beide adjuvanten Therapien simultan zum Einsatz kamen.

Dr. Frank Lichert, Weilburg

 

Kommentar

Das Studiendesign verwundert, da zahlreiche Studien gezeigt haben, dass nach operativer Tumorentfernung die lokale oder lokoregionäre Bestrahlungsbehandlung als substantieller Bestandteil anzusehen ist und die Radiotherapie maßgeblich zur örtlichen und regionalen Tumorkontrolle angesehen werden kann.

Durch die Radiotherapie bewirkte Verbesserungen sowohl der lokoregionären Tumorkontrolle als auch ein Überlebensvorteil sind in prospektiven randomisierten Studien mit jeweils hoher Signifikanz auf höchstem Evidenzniveau nachgewiesen worden. Insofern verwundert es, dass im Rahmen dieser Studie auf adjuvante Therapiemaßnahmen verzichtet wurde. Letztendlich bestätigen die vorliegenden Ergebnisse die schon bekannten Aspekte.

Prof. Dr. Jörg Baltzer, Krefeld

 

Aus der Zeitschrift GebFra Geburtshilfe und Frauenheilkunde

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