• -Bevacizumab-bei-Ovarialkarzinom-Thieme Gynaekologie

    aus GebFra - Geburtshilfe und Frauenheilkunde

     

Tumordurchblutung unter Bevacizumab

Hintergrund: Bevacizumab ist ein gegen den Vascular Endothelial Growth Factor (VEGF) gerichteter Antikörper, der die Tumorangiogenese hemmt. Chase et al. haben untersucht, ob mit Hilfe des DCE-MRI (Dynamic Contrast-Enhanced Magnetic Resonance Imaging) die antiangiogenetische Aktivität von Bevacizumab bei Patientinnen mit rezidivierendem epithelialem Ovarialkarzinom bzw. primär peritonealem Karzinom gemessen werden kann. Hierbei wird ein Kontrastmittel intravenös appliziert, das über Kapillarlecks ins interstitielle Tumorgewebe austritt. Gefässvolumen und -permeabilität werden dann über das initiale Enhancement bzw. das „Wash-out-Muster“ beurteilt und der relative Blutfluss (relative blood flow, RBF) im Tumor im Vergleich zu Muskelgewebe objektiviert. Zusätzlich werden die Daten mit dem progressionsfreien Überleben nach 6 Monaten (progression free survival, PFS) sowie der immunhistochemisch messbaren Gefässdichte korreliert. Gynecol Oncol 2012; 126: 375–380

Methoden: In der Phase-II-Studie wurden von April 2002 bis August 2004 62 Patientinnen mit rezidivierendem / persistierendem epithelialem Ovarialkarzinom bzw. primär peritonealem Karzinom bis zur Progression mit Bevacizumab (15 mg / kg, q21) behandelt. Vor dem 1. und vor dem 4. Zyklus erfolgte die DCE-MRI-Bildgebung. Tumor- und Muskel-Kontrast-Enhancement wurden mittels der Signalintensität gemessen und der RBF als Verhältnis von Blutfluss im Tumor zu Muskelgewebe errechnet.

Ergebnisse: Nur bei 14 bzw. 13 der 62 mit Bevacizumab behandelten Patientinnen lag vor Zyklus 1 bzw. 4 auswertbares Bildmaterial vor. Bei 75 % der Patientinnen zeigte sich zu beiden Messzeitpunkten ein RBF > 1, was einem stärkeren Fluss ins Tumorgewebe im Vergleich zum Muskelgewebe entspricht. Der hypothetische Wirkmechanismus von Bevacizumab, die Verringerung des Blutflusses im Tumorgewebe, ließ eine Abnahme des RBF zwischen den Messzeitpunkten erwarten. Es zeigte sich jedoch keine signifikante Veränderung des RBF im Verlauf der Behandlung. Auch konnte keine signifikante Assoziation des prätherapeutischen RBF mit dem PFS nach 6 Monaten und der immunhistochemisch messbaren Gefässdichte nachgewiesen werden. Statt dessen korrelierte eine Zunahme der Blutflussrate mit einer höheren Wahrscheinlichkeit, nach 6 Monaten ohne Progress zu sein.

Folgerung: Maligne Tumoren zeigen aufgrund ihrer stärkeren Vaskularisation im DCE-MRI ein schnelleres und intensiveres Enhancement als benigne Läsionen. Beim Ovarialkarzinom korrelieren quantitative DCE-MRI-Parameter jedoch schlecht mit dem klinischen Outcome und der antiangiogenetischen Therapie, was auf die erschwerte Messbarkeit der oft weit gestreuten peritonealen Tumormanifestationen zurückgeführt wird. Daher empfehlen die Autoren, die Erstellung und Auswertung der Bilddaten zu optimieren und zu standardisieren. Ein großes Manko dieser Studie ist die aufgrund technischer Probleme sehr geringe Zahl ausgewerteter Fälle. Im Gegensatz zur erwarteten Reduktion der Tumordurchblutung scheinen nach den Studienergebnissen diejenigen Patientinnen ein längeres progressionsfreies Überleben zu haben, deren Blutfluss sogar zugenommen hat. Dies könnte – so die Autoren – darauf hinweisen, dass Bevacizumab die instabile Tumorvaskularisation reorganisiert, den Blutfluss zum Tumor erhöht und einen bislang noch unbekannten zytotoxischen Effekt vermittelt. Auch eine verminderte Ausschwemmung von Tumorzellen ins Gefäßsystem erklärt die beobachtete Reduktion der Progression.

Dr. Judith Lorenz, Künzell

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