• BMI Androgenspiegel

    PCOS-Patientinnen sind oft übergewichtig und typischerweise sind beim polyzystischen Ovar mehrere Follikel darstellbar.

     

BMI und Androgenspiegel

Hintergrund:

Eine Zunahme des Körpergewichts führt bei prä- und postmenopausalen Frauen zu Veränderungen im Gleichgewicht der Sexualsteroide und ihrer Trägerproteine. Neben hyperandrogenämischen Symptomen leiden Patientinnen mit Polyzystischem Ovarsyndrom (PCOS) häufig an Übergewicht. Während der Einfluss des Körpergewichts auf metabolische Störungen bei PCOS-Patientinnen gut untersucht ist, konnte bisher keine direkte Korrelation zwischen einem erhöhten BMI und dem Androgenspiegel bei PCOS-Erkrankten und gesunden Frauen nachgewiesen werden. Der bereits in früheren Untersuchungen vermutete Zusammenhang könnte auch durch metabolische Faktoren bedingt sein. Yasmin et al. haben die Assoziation zwischen dem BMI und verschiedenen Androgen-Parametern bei Patientinnen mit PCOS und gesunden Frauen untersucht.

Europ J Obstet & Gynecol Reprod Biol 2013; 166: 173–177

 

Methoden:

In die prospektive britische Studie wurden 286 Frauen zwischen 20 und 44 Jahren eingeschlossen. Bei 165 Studienteilnehmerinnen lag ein PCOS vor, 121 hatten ovulatorische Zyklen ohne klinischen, sonografischen oder biochemischen PCOS-Nachweis. Die Diagnose PCOS wurde mit Hilfe der Rotterdam-Kriterien gestellt (Vorhandensein von mindestens 2 der 3 Kriterien: Oligo-, Amenorrhö; klinische oder biochemische Hyperandrogenämie; polyzystische Ovarien im Vaginal­ultraschall). Die PCOS- und die gesunden Probandinnen wurden in 2 BMI-Subgruppen aufgeteilt (BMI ≤ 30 kg / m2 und BMI > 30 kg / m2). Neben FSH, LH und Östradiol wurden Testosteron, Androstendion, Sexualhormonbindendes Globulin (SHBG) sowie der freie Androgenindex (FAI) bestimmt.

 

Ergebnisse:

Die PCOS-Patientinnen hatten im Vergleich zu den gesunden Frauen einen höheren BMI (28,9 ± 5,8 vs. 24,5 ± 4,1; p = 0,0046) sowie niedrigere FSH- und höhere LH-Konzentrationen. Die Spiegel von Testosteron und Androstendion sowie der FAI waren bei den PCOS-Patientinnen ebenfalls signifikant höher, wogegen bei diesen Frauen niedrigere SHBG-Werte gemessen wurden. Zwischen den beiden BMI-Subgruppen konnte hingegen kein statistisch signifikanter Unterschied in der Testosteron- und Androstendion-Konzentration festgestellt werden. Eine Korrelation zwischen dem BMI und der Gesamt-Testosteron-Konzentration zeigte sich in keiner der beiden Gruppen. Allerdings konnte sowohl in der PCOS- (p < 0,001) als auch in der Non-PCOS-Gruppe (p = 0,02) eine positive Korrelation zwischen dem BMI und dem FAI nachgewiesen werden. In der PCOS-Gruppe fand sich zudem eine positive Korrelation zwischen dem BMI und der Androstendion-Konzentration (p = 0,001). Die SHBG-Konzentration war hingegen in beiden Gruppen mit dem BMI negativ korreliert.

 

Folgerung:

Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen konnte in der vorliegenden Studie kein direkter kausaler Zusammenhang zwischen dem BMI und dem Androgenspiegel nachgewiesen werden. Möglicherweise – so die Autoren – bestehe jedoch ein indirekter Zusammenhang über die Insulinresistenz. Mit zunehmendem BMI sinkt der SHBG-Spiegel aufgrund der inhibitorischen Wirkung des zirkulierenden Insulins auf die hepatische SHBG-Synthese. Ein verminderter SHBG-Spiegel führt zu einem veränderten Hormon-Angebot am Zielgewebe und induziert kompensatorisch eine erhöhte Androgenproduktion, was wiederum den FAI beeinflusst. Es ist insgesamt schwierig, den individuellen Einfluss der erhöhten Plasma-Insulinspiegel und des Übergewichts auf hormonelle und metabolische Variablen bei PCOS-Patientinnen einzuschätzen, da beide Faktoren eng miteinander verknüpft sind.

 

Dr. J. L., Künzell

Aus GebFra Geburtshilfe und Frauenheilkunde 06/2013

 

 

 

  • Melden Sie sich zum Gyn-Newsletter an!