• Einflüsse für Krebs

     

Brustkrebs und Umweltbelastungen: Erkennen, verstehen, vermeiden

Umweltbelastungen als Ursache von Brustkrebs werden bereits seit vielen Jahrzehnten erforscht. Medizin und Gesundheitspolitik sehen bisher Diagnostik und Therapie im Vordergrund. Auswirkungen von Umweltbelastungen, Chemikalien und hier insbesondere hormonell wirksamen Stoffen auf die Krankheitsentstehung finden dagegen wenig Beachtung.

Ein Anstieg der Brustkrebsraten wird seit den 1940er-Jahren beobachtet. Für den Anstieg von Brustkrebsdiagnosen mit verantwortlich ist u. a. der verstärkte Einsatz des Mammographie-Screenings, aber auch die höhere Lebenserwartung von Frauen heute. Es erkranken zunehmend aber auch jüngere Frauen. Im Umgang mit Brustkrebs in Medizin und Gesundheitspolitik stehen Diagnostik und Therapie ganz im Vordergrund. Prävention, also mögliche Ansätze zur Vermeidung von Brustkrebs hingegen wird vernachlässigt. Dies wird auch damit begründet, dass die Ursache für Brustkrebs nicht geklärt sei.

Doch bereits in den 1960er-Jahren gab es Hinweise aus Studien zu Zusammenhängen zwischen Umwelteinflüssen und Brustkrebs. Manchen Umweltbelastungen setzen wir uns freiwillig aus, anderen nicht. Umweltbelastungen ohne Einverständnis sind Unrecht, besonders, wenn sie zu schwerer Krankheit und sogar Tod führen können. Das gilt natürlich auch dann, wenn Betroffene von einer Exposition nichts wissen oder sie nicht spüren.

Obwohl bereits seit vielen Jahrzehnten versucht wird, Brustkrebs wirksam zu bekämpfen, erkranken heute nicht weniger, sondern mehr Frauen an Brustkrebs. Weniger als die Hälfte der Brustkrebserkrankungen kann durch die bisher bekannten Risikofaktoren erklärt werden. Die in Deutschland durchgeführten MARIE-Studien haben bekannte Risiko- und Schutzfaktoren wie Ernährung und Bewegung, Hormoneinnahme, Phytoöstrogene, Strahlung, reproduktive Faktoren, Vitamin D, Biomarker und Rauchen untersucht und sich dabei auch mit möglichen genetischen Unterschieden und ihren Auswirkungen auf Brustkrebs befasst. Im Ergebnis geht man davon aus, dass bei ca. 50 % der Brustkrebserkrankungen ein Zusammenhang mit reproduktiven Faktoren wie z. B. dem Alter bei der ersten Menstruation, der Anzahl der Schwangerschaften usw. besteht. In gewissem Maße schützend zeigten sich, wie bereits in anderen Forschungsarbeiten, eine höhere Anzahl von Geburten, Stillen und körperliche Aktivität. Die Auswirkungen von Umweltbelastungen wurden in den Arbeiten jedoch nicht berücksichtigt.

Ohne Ursachensuche keine Prävention

Auf der Suche nach den Ursachen von Brustkrebs befassen sich mehrere Forschungs- und Brustkrebsorganisationen in Großbritannien und den USA schwerpunktmäßig mit den Auswirkungen von Umweltbelastungen auf die Krankheitsentstehung. Sie gehen davon aus, dass es vielfältige Zusammenhänge gibt. Der Anstieg der Erkrankungsraten und zunehmende Umweltbelastungen sind parallele Entwicklungen. Eine Vielzahl von Forschungsarbeiten weisen wie in einem Puzzle, das bis heute nicht vollständig zusammengesetzt ist, die Risiken nach.

Die Reduzierung von toxisch wirkenden Umweltbelastungen, insbesondere hormonell wirksamen Chemikalien, steht bei diesen Organisationen ganz oben auf der Liste der Forderungen. Im Oktober 2008 hat der US-amerikanische Kongress das Gesetz zur Erforschung von Brustkrebs und Umwelt verabschiedet. Das Gesetz, das bereits verschiedene Vorläufer hatte, ist nicht zuletzt aufgrund erheblichen Drucks von Seiten der Frauengesundheitsorganisationen entstanden.

Die Zusammenhänge zwischen Brustkrebs und Umwelt identifizieren

Parallel zum Anstieg der Brustkrebsraten sind Umwelt- und Chemikalienbelastungen kontinuierlich angestiegen. Jedes Jahr kommen unzählige neue Stoffe hinzu, oft ohne dass Grundsätze des vorsorgenden Gesundheitsschutzes Berücksichtigung finden. In der Folge sind Frauen heute Chemikalien ausgesetzt, von denen viele im Verdacht stehen, Brustkrebs zu begünstigen. Wir finden sie in Gegenständen des täglichen Bedarfs, in Nahrungsmitteln und Verpackung, in der Arbeitswelt und im Haushalt, in Natur und Luft. Sie werden auf den Markt gebracht, vielfach ohne Testung auf Unbedenklichkeit für die Gesundheit.

Als Beleg für die Wirkung von Umweltbelastungen werden u. a. Migrationsstudien herangezogen. Die höchsten Brustkrebsraten finden sich in den am meisten industrialisierten Ländern der Erde. Asien und Afrika sind auf dem Wege der Industrialisierung. Die Brustkrebsraten steigen dort inzwischen ebenfalls stark an. Wenn Frauen aus Ländern mit niedriger Brustkrebsinzidenz in Länder mit hoher Inzidenz auswandern, erreichen sie innerhalb einer Generation das höhere Risiko ihres neuen Lebensumfeldes.

 

Lesen Sie den gesamten Beitrag hier: Brustkrebs und Umweltbelastungen: Erkennen, verstehen, vermeiden

aus der Zeitschrift: Deutsche Zeitschrift für Onkologie 01/2016

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