• Symbolbild, Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Hepatitis-B-Virus; CDC/Dr. Erskine Palmer

    Etwa 400 Mio. Menschen sind von einer chronischen HBV-Infektion betroffen. Der Einfluss auf Schwangerschaften ist nur wenig untersucht und die Auswirkungen auf die Ergebnisse einer IVF werden kontrovers diskutiert. Im Bild: TEM-Aufnahme von HBV.

     

Chronische HBV-Infektion beeinträchtigt Ergebnisse der IVF

Hintergrund: Eine chronische Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus (HBV) betrifft weltweit bis zu 400 Mio. Menschen. Ursache ist häufig eine vertikale Übertragung, aber der Einfluss der HBV-Infektion auf das Outcome einer Schwangerschaft ist nur wenig untersucht. Zwar sind vermehrt Schwangerschaftskomplikationen sowie erhöhte Fehl- und Frühgeburten-raten bei infizierten Schwangeren bekannt. Die Auswirkungen der Infektion auf die Ergebnisse einer In-vitro-Fertilisation (IVF) werden jedoch kontrovers diskutiert. Eine chinesische Arbeitsgruppe hat diese Fragestellung nun untersucht.

Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2014; 172: 10–14

 

Methoden: Im Rahmen der vorliegenden Studie wurden 25 Paare untersucht, die zwischen Februar 2007 und Dezember 2008 in einem reproduktionsmedizinischen Zentrum behandelt worden waren (Gruppe A). Dabei wiesen:

  • bei 14 Paaren die Mütter serologische Parameter einer chronischen HBV-Infektion auf (Gruppe A1),
  • bei 9 Paaren war es der Vater (Gruppe A2)
  • und bei 7 Paaren waren beide Elternteile infiziert (Gruppe A3).

Als Kontrolle diente die Gruppe B mit 50 Paaren ohne Anzeichen einer chronischen HBV-Infektion, die im gleichen Zeitraum behandelt worden waren. Dabei war das Alter beider Elternteile in den Gruppen vergleichbar.
Beurteilt wurden die klinische Schwangerschaftsrate, die frühe Fehlgeburtsrate, die Häufigkeit von Fehlbildungen bei den Neugeborenen sowie die HBV-Infektionsrate bei den Kindern unmittelbar nach der Geburt und im Alter von 6 Monaten. Darüber hinaus wurden überzählige Embryonen (62 in Gruppe A, 48 in Gruppe B) mittels Polymerase-Kettenreaktion auf Anzeichen einer HBV-Infektion untersucht.

 

Ergebnisse: Die Auswertung zeigte eine tendenziell etwas geringere Schwangerschaftsrate in Gruppe A (36 vs. 44 % in Gruppe B), jedoch ohne statistisch signifikanten Unterschied. Angeborene Fehlbildungen und HBV-Infektionen fanden sich bei keinem Neugeborenen, ebenso waren im Alter von 6 Monaten alle Kinder ohne HBV-Nachweis.

Frühe Fehlgeburten traten dagegen in Gruppe A deutlich häufiger auf (44,4 vs. 9,1 %; p = 0,043). Im Hinblick auf die Subgruppen waren sie am häufigsten in Gruppe A1 (60 %) (p = 0,030 vs. Gruppe B), in Gruppe A2 und A3 unterschieden sich die Raten nicht signifikant von denen in der Kontrollgruppe (33,3 und 0 %).
Bei der Untersuchung der überzähligen Embryonen im Ein-Zell-Stadium zeigten sich HBV-mRNA-Fragmente in Gruppe A bei 6 der 62 Embryonen (9,7 %), aufgeschlüsselt nach den Subgruppen waren es 13,2 % (5 von 38; A1), 5,6 % (1 von 18; A2) und 0 % (0 von 6; A3). In der Kontrollgruppe lag die Rate ebenfalls bei 0 % (48 Embryonen).

 

Folgerung: Die Rate früher Fehlgeburten nach IVF ist bei HBV-infizierten Müttern und, möglicherweise in geringerem Ausmaß, HBV-infizierten Vätern also deutlich höher als bei gesunden Eltern, meinen die Mediziner. Die Untersuchung der Embryonen scheint dabei ein Hinweis darauf zu sein, dass die Ursache dieser erhöhten Rate eine HBV-Infektion des Kindes sein könnte. Kann die Schwangerschaft allerdings ausgetragen werden, führt das offensichtlich nicht zwangsläufig zu einer Infektion der Kinder.

Dr. E. Ruchalla, Trossingen

 

Aus: GebFra 5/14

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