• Schwangere Frau und Hebamme

    Bringt nur ein ausgeprägtes Übergewicht in der Schwangerschaft komplikationen mit sich oder sind auch schon leichte Formen ein Risiko?

     

Einfluss des Body-Mass-Index von Schwangeren auf das kindliche Outcome

Scott-Pillai R, Spence D, Cardwell CR, Hunter A, Holmes VA. The impact of body mass index on maternal and neonatal outcomes: a retrospective study in a UK obstetric population, 2004–2011. BJOG. 2013; 120: 932–939

 

Hintergrund: Immer mehr Menschen haben mehr oder weniger ausgeprägtes Übergewicht, und das zeigt sich auch in der Gruppe schwangerer Frauen. Dass starkes Übergewicht das Risiko für Gestationsdiabetes, hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft und auch für Fehlgeburten erhöht, ist bekannt. Ebenso sind vaginale Geburten schwieriger und häufiger muss ein Kaiserschnitt durchgeführt werden. Gilt das aber tatsächlich nur für ausgeprägtes Übergewicht, oder sind auch schon leichte Formen ein Risiko? Eine britische Gruppe hat es untersucht.

 

Methoden: Die Arbeitsgruppe um Rebecca Scott-Pillai wertet mehr als 30 000 Einlingsschwangerschaften retrospektiv aus. Dazu nutzten sie Daten eines Zentrums in Nordirland, die von 2004–2011 erhoben worden waren. Die Schwangeren wurden anhand ihres Body-Mass-Index (BMI) in der frühen Schwangerschaft (16. Woche oder früher) gemäß der WHO-Klassifikation eingeteilt in:

  • untergewichtig: BMI < 18,50 kg / m2
  • normalgewichtig: BMI 18,50–24,99 kg / m2
  • leicht übergewichtig: BMI 25,00–29,99 kg / m2
  • krankhaft übergewichtig Klasse I: BMI 30,00–34,99 kg / m2
  • krankhaft übergewichtig Klasse II: BMI 35,00–39,99 kg / m2
  • krankhaft übergewichtig Klasse III BMI ≥ 40,00 kg / m2

Beurteilt wurden der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Schwangerschafts- und geburtshilflichen Komplikationen sowie der Einfluss der unterschiedlichen Übergewichtsklassen.

 

Ergebnisse: Mit zunehmendem Übergewicht steigt bei Schwangeren das Risiko von Komplikationen für Mutter und Kind, beginnend schon in den niedrigen "Gewichtsklassen". Die Auswertung ergab schon für leicht übergewichtige Frauen im Vergleich zur Referenzgruppe der normalgewichtigen Schwangeren ein signifikant erhöhtes Risiko für hypertensive Schwangerschaftserkrankungen (Odds Ratio [OR] 1,9), Gestationsdiabetes (OR 1,7), Notwendigkeit, die Geburt einleiten zu müssen (OR 1,2), Notwendigkeit eines Kaiserschnitts (OR 1,4), postpartale Blutungen (OR 1,4) und Makrosomie des Kindes (Geburtsgewicht > 4000 g; OR 1,5). Dieses erhöhte Risiko nahm dann über die Klassen I bis Klasse III weiter zu, beispielsweise auf 8,5 für einen Gestationsdiabetes bzw. auf 6,6 für hypertensive Erkrankungen in Klasse III. Für Frauen mit Untergewicht fand sich ein erhöhtes Risiko für Anämien (OR 1,3) und für ein niedriges Geburtsgewicht des Kindes unter 2500 g (OR 1,6).

 

Zusätzlich wiesen Frauen der Klasse III ein erhöhtes Risiko auf für Frühgeburten (OR 1,6), Totgeburten (OR 3,0), verlängerten Klinikaufenthalt des Kindes über mehr als 5 Tage (OR 2,1) oder Notwendigkeit der Behandlung auf einer Neugeborenen-Intensivstation (OR 1,6).

 

Fazit

Nicht nur ein massives Übergewicht kann bei Schwangeren das Komplikationsrisiko erhöhen – schon leichte Formen sind ebenfalls mit einem erhöhten Risiko verbunden, auch wenn es geringer ausfällt. Geburtshelfer sollten das berücksichtigen und auch diesen Frauen vermehrte Aufmerksamkeit schenken, z. B. im Hinblick auf das Screening auf einen Gestationsdiabetes oder die Planung der Geburt.

Dr. Elke Ruchalla, Trossingen

Aus der Zeitschrift für Geburtshilfe und Neonatologie 2013; 217(05): 154

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