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    Körperliche Aktivität ist laut den Studienergebnissen mit einer niedrigeren Mortalität bei Ovarialkarzinom assoziiert – für diesen Effekt muss die körperliche Belastung aber stark sein.

     

WHI-Studie: Einfluss von BMI und körperlicher Aktivität auf die Ovarialkarzinom-Mortalität

Hintergrund: Das Ovarialkarzinom wird meist im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert und hat die niedrigste 5-Jahres-Überlebensrate aller gynäkologischer Tumorerkrankungen. Eine positive Familienanamnese sowie Mutationen im BRCA1/2-Gen wurden als Risikofaktoren identifiziert. Über den Einfluss modifizierbarer Lebensstil-Faktoren wie Übergewicht und körperliche Aktivität auf das Erkrankungsrisiko sowie die Mortalität liegen hingegen widersprüchliche bzw. qualitativ unzureichende Untersuchungsergebnisse vor.
Gynecol Oncol 2014; 133: 4–10

 

Methoden: Zhou et al. haben den Einfluss des Body-Mass-Index (BMI) sowie der körperlichen Aktivität auf die Ovarialkarzinom-spezifische und die Gesamt-Mortalität bei den in die „Women’s Health Initiative“(WHI)-Studie eingeschlossenen Frauen untersucht. An der US-amerikanischen WHI-Studie nahmen zwischen Oktober 1993 und Dezember 1998 insgesamt 161 808 postmenopausale Frauen im Alter von 50–79 Jahren teil. Bei 927 Probandinnen wurde zwischen 1993 und 2012 ein Ovarialkarzinom diagnostiziert. Für die vorliegende Untersuchung wurden die Daten von 600 (65 %) dieser Patientinnen über einen Zeitraum von durchschnittlich 10,9 Jahren (± 4,2) analysiert. Informationen zu BMI und körperlicher Aktivität der Studienteilnehmerinnen wurden im Rahmen der Basisvorstellung bei Aufnahme in die Studie erfasst und der Gesundheitszustand in regelmäßigen Intervallen evaluiert.

 

Ergebnisse: 301 der 600 Patientinnen verstarben aufgrund des diagnostizierten Ovarialkarzinoms. In der multivariaten Analyse zeigte sich für Frauen, die bei Studieneintritt eine starke körperliche Aktivität angegeben hatten, im Vergleich zu Frauen ohne solche Belastungen eine 24 % (HR 0,76; 95 %-CI 0,58–0,96; p = 0,036) bzw. 26 % (HR 0,74; 95 %-CI 0,56–0,98; p = 0,0639) niedrigere Gesamt- bzw. Ovarialkarzinom-spezifische Mortalität. Für den BMI hingegen zeigte sich – auch nach Adjustierung für verschiedene andere Einflussfaktoren – keine Assoziation mit der Gesamt- oder Ovarialkarzinom-spezifischen Mortalität. Auch für die Kombination aus BMI und starker körperlicher Aktivität konnte keine signifikante Assoziation mit der Mortalität gefunden werden.

 

Folgerung: Die Ergebnisse der großen populationsbasierten prospektiven WHI-Studie deuten darauf hin, dass starke körperliche Belastung (im Gegensatz zum BMI) mit einer niedrigeren Ovarialkarzinom-Mortalität assoziiert ist. Die Autoren postulieren die Existenz eines Schwellenwerts der sportlichen Aktivität, für welchen ein Benefit hinsichtlich der Ovarialkarzinom-Mortalität zu erwarten ist und vermuten, dass zudem intensive körperliche Belastungen notwendig sind, um einen Überlebensvorteil zu erreichen. Zukünftige Untersuchungen zum Einfluss von Gewicht und körperlicher Aktivität auf die Prognose des Ovarialkarzinoms sollten sich auf die Assoziation von Körperfett-Parametern und Bewegung auf die Lebensqualität, Biomarker sowie das erkrankungsfreie Überleben konzentrieren. Hierbei sollte eine objektive Messung der körperlichen Aktivität (z. B. mittels Akzelerometrie) erfolgen, um eine Verfälschung der Ergebnisse durch subjektive Einschätzungen der Probandinnen auszuschließen.

Dr. C. Weber

Aus: GebFra 9/14

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