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    Die perinatale, durch eine Asphyxie bedingte hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE) ist mit einer hohen Mortalität sowie einem hohen Risiko für schwere neurologische und kognitive Defizite assoziiert.

     

Enzephalopathie – Hypothermiebehandlung bei perinataler Asphyxie

Hintergrund: Die perinatale, durch eine Asphyxie bedingte hypoxisch-ischämische Enzephalopathie (HIE) ist mit einer hohen Mortalität sowie einem hohen Risiko für schwere neurologische und kognitive Defizite assoziiert. Eine innerhalb von 6 Stunden nach der Geburt eingeleitete moderate Hypothermiebehandlung senkt das Mortalitätsrisiko sowie das Risiko für Behinderungen mit 18–24 Monaten und erhöht die Rate gesund überlebender Kinder. Daten zu langfristigen Effekten der neonatalen Hypothermiebehandlung fehlen jedoch noch weitgehend.

 

Methoden: In den großen internationalen, randomisierten kontrollierten TOBY-Trial (Total Body Hypothermia for Neonatal Encephalopathy) wurden zwischen 2002 und 2006 325 Neugeborene mit einem Gestationsalter ≥ 36 SSW sowie mäßiger bis schwerer HIE eingeschlossen. Ein Teil der Kinder erhielt lediglich die Standardbehandlung (Kontrollgruppe), bei der anderen Gruppe wurde innerhalb von 6 Stunden postpartal mit Hilfe einer Kühldecke eine 72-stündige Hypothermiebehandlung begonnen (rektale Temperatur 33–34 °C). Anschließend erfolgte eine langsame Wiedererwärmung. Die mit Hypothermie behandelten Kindern hatten im Alter von 18 Monaten ein geringeres Risiko für eine infantile Zerebralparese und erreichten bessere Scores in verschiedenen psychomotorischen Tests. Die britische Arbeitsgruppe untersucht die Studienpopulation im Alter von 6–7 Jahren (2009–2013) hinsichtlich langfristiger neurokognitiver Benefits. Hierfür erfolgten eine strukturierte neurologische sowie eine neuropsychologische Untersuchung. Eltern und Lehrer beantworteten ferner einen Fragebogen. Die kognitive Leistung der Kinder wurde mit Hilfe eines Intelligenztest erfasst. Primäres Outcome war die Häufigkeit eines Überlebens mit einem IQ ≥ 85.

 

Ergebnisse: Die Daten von 277 Kindern wurden in die Primäranalyse eingeschlossen. In der Hypothermie- bzw. der Kontrollgruppe überlebten 52 % (75/145) bzw. 39 % (52/132) der Kinder mit einem IQ ≥ 85 (RR 1,31; 95 % CI 1,01-1,71; p = 0,04). Der Anteil der verstorbenen Kinder war in beiden Gruppen vergleichbar (29 % vs. 30 % ). Die number needed to treat zur Verhinderung eines Todesfalls oder eines IQ < 85 betrug 8 (95 % CI 4–145). In der Hypothermiegruppe überlebten im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant mehr Kinder ohne neurologische Auffälligkeiten (65/145; 45 % vs. 37/132; 28 %; RR 1,60; 95 % CI 1,15-2,22). In der Hypothermiegruppe fanden sich signifikant geringere Raten für infantile Zerebralparese (21 % vs. 36 %; p = 0,03) und mäßige bis schwere Behinderung (22 % vs. 37 %; p = 0,03). Zudem hatten diese Kinder signifikant bessere motorische Scores. Hinsichtlich des Seh- und Hörvermögens, der parentalen Einschätzung des kindlichen Gesundheitsstatus sowie in 10 von 11 psychometrischen Tests zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Lediglich in den Bereichen Aufmerksamkeit und Exekutivfunktionen fanden sich Unterschiede (p = 0,03). Der Anteil von Kindern, die spezielle schulische Fördermaßnahmen benötigten, war in der Hypothermiegruppe geringer als in der Kontrollgruppe (8,2 % vs. 26,9 %; RR 0,30; 95 % CI 0,12-0,79; p = 0,01).

 

Fazit

Eine moderate Hypothermiebehandlung nach perinataler Asphyxie resultiert in einem besseren neurokognitiven Outcome der Kinder. Der Nutzen dieser Therapie persistiert bis ins mittlere Kindesalter.

Dr. C. Weber

Aus: ZGN 5/14

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