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Ernährungs-Leitlinien für „Cancer Surviors“ – Wie gelingt Brustkrebsbetroffenen die Umsetzung?

Krebs zählt zu der Gruppe der nicht übertragbaren Erkrankungen und ist für 20 % aller Todesfälle in der Europäischen Region der WHO verantwortlich. Mit mehr als 3 Mio. Neuerkrankungen und 1,7 Mio. Todesfällen jährlich ist Krebs nach den kardiovaskulären Erkrankungen die bedeutendste Ursache für Todesfälle und Morbidität in Europa.

In Deutschland wird die Zahl der Krebsbetroffenen, bei denen die Diagnose 5 bis 10 Jahre zurückliegt, auf 2,1 Mio., d. h. 2,6 % der Bevölkerung geschätzt, aus der 5-Jahres-Prävalenz ergeben sich weitere 1,4 Mio. Krebserkrankte (1,7 % der Bevölkerung). Im Vergleich dazu lebten in den USA in 2007 11,7 Mio. Menschen, d. h. 4 % der Bevölkerung mit Krebs. 7 Mio. davon waren 65 Jahre und älter, 6,3 Mio., d. h. mehr als die Hälfte, waren Frauen. Bei 4,7 Mio. lag die Diagnose 10 Jahre oder länger zurück.

Von den Krebserkrankungen ist für Frauen das Mammakarzinom mit 70 000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland die häufigste. Eine von 8 Frauen erkrankt daran im Laufe ihres Lebens. Jede 4. Frau ist bei der Diagnosestellung jünger als 55 Jahre. Die Überlebensraten sind seit den 1980er-Jahren kontinuierlich gestiegen, die Überlebenszeiten deutlich angestiegen. Für 2007/2008 wird die relative 5-Jahres-Überlebensrate für Frauen mit Mammakarzinom mit 87 % ausgewiesen.

Krebs wird heute als eine chronische Erkrankung eingestuft. Als Krebsüberlebende (Cancer Survivors) gelten alle Personen, bei denen Krebs diagnostiziert wurde, d. h. vom Zeitpunkt der Diagnose bis zu ihrem Lebensende. Dabei werden 3 verschiedene Phasen unterschieden, die aktive Behandlung und Regeneration (Phase 1), das Leben nach der Regeneration in der erkrankungsfreien oder stabilen Lebensphase (Phase 2) sowie der fortgeschrittene Krebs und das Lebensende (Phase 3).

Brustkrebsbetroffene haben aber im Vergleich zu Nichtbetroffenen ein deutlich erhöhtes Risiko für Komorbiditäten durch bestimmte nicht übertragbare Erkrankungen. So wurde in einer retrospektiven Kohortenstudie für die brustkrebsspezifische Mortalität ein voll adjustiertes relatives Risiko (RR) von 1,24 für kardiovaskuläre Erkrankungen (95 %-KI 1,13 – 1,26), ein RR von 1,13 für einen weiteren Krebsvorfall (95 %-KI 1,13 – 1,26), ebenfalls ein RR von 1,13 für chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (95 %-KI 1,05 – 1,22) und ein RR von 1,10 für Diabetes mellitus (95 %-KI 1,03 – 1,16) bestimmt. Die Autoren fordern daher, dass der Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen in der Nachsorge von Brustkrebsbetroffenen Priorität beigemessen werden sollte.

Bereits 2003 wurden von der American Cancer Society (ACS) speziell für die Gruppe der Cancer Survivors Richtwerte für die Ernährung und körperliche Aktivität während und nach der Krebsbehandlung ausgesprochen. Evidenzbasierte Richtlinien für die Ernährung und körperliche Aktivität von Krebsbetroffenen wurden 2012 formuliert ([Tab. 1]). Diese zielen auf die Reduktion des Krebsrisikos oder die Verbesserung des Outcomes von Krebsbetroffenen ab. Gleichzeitig hat sich der World Cancer Research Fund (WCRF) und das American Institute for Cancer Research (AICR) in einem systematischen Review mit den Zusammenhängen zwischen Lebensmittel, Ernährung und Krebs auseinandergesetzt. In dem Update von 2007 werden neben den Empfehlungen zur Ernährung, körperlichen Aktivität und Krebsprävention auch spezielle Empfehlungen für Krebsbetroffene ausgesprochen. So wird empfohlen, einen normalen Körpergewichtsbereich anzustreben, den Verzehr energiedichter Lebensmittel zu begrenzen und überwiegend pflanzliche Lebensmittel zu verzehren. Begrenzt werden sollte der Verzehr von rotem Fleisch, der Konsum alkoholischer Getränke und der Salzkonsum. Der Nährstoffbedarf sollte ausschließlich durch Lebensmittel gedeckt werden. Die Kurzfassung liegt in deutscher Sprache vor und kann über die Homepage der DGE abgerufen werden.

Die Auseinandersetzung mit Krebsbetroffenen gewinnt zunehmend an Bedeutung und Forschungsfragen zu Langzeit-Krebsüberlebenden (Cancer Survivorship Research) haben sich als ein neuer Forschungsbereich entwickelt. Über die Ernährung und körperliche Aktivität von Brustkrebsbetroffenen in Deutschland ist bisher jedoch wenig bekannt. Mit der vorliegenden Studie wurde hierzu eine erste Problemanalyse vorgenommen. Für Brustkrebsbetroffene in der rezidivfreien stabilen Lebensphase kann überprüft werden, wie Gesundheitsstatus und Lebensqualität, Ernährungsstatus, körperliche Aktivität und Verzehrverhalten in Deutschland aussehen.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Ernährungs-Leitlinien für „Cancer Surviors“ – Wie gelingt Brustkrebsbetroffenen die Umsetzung?

Aus der Zeitschrift Aktuelle Ernährungsmedizin 5/2015

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