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    Die Folgen eines erhöhten Bedarfes an Jod in der Schwangerschaft und Stillzeit haben vor allem später die Kinder zu tragen.

     

Schwangerschaft und Stillzeit: Fertigessen und Schadstoffe gefährden Jodversorgung

Ein erhöhter Bedarf an Jod kann während Schwangerschaft und Stillzeit schnell zu einer Unterversorgung führen. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) besteht diese Gefahr, da Fertigprodukte häufig ohne jodiertes Salz hergestellt werden. Zudem blockieren einige Umweltschadstoffe die Verwendung des lebenswichtigen Spurenelements. Die Folgen haben vor allem später die Kinder zu tragen, warnen die Hormon- und Stoffwechselexperten.

Jod ist ein Bestandteil von Schilddrüsenhormonen, die für den Aufbau des Gehirns benötigt werden. „Schon ein leichter Mangel kann geistige Entwicklungsstörungen zur Folge haben“, warnt Professor Dr. Dr. med. Dagmar Führer, Vize-Präsidentin der DGE und Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen.

Zwar habe die Einführung von Jodsalz Ende der 80er Jahre dazu geführt, dass sich die Versorgung insgesamt gebessert habe und die Weltgesundheitsorganisation Deutschland nicht mehr als ausgewiesenes Jodmangelgebiet betrachtet. „Schwere geistige Behinderungen, die früher als Kretinismus in Jodmangelgebieten verbreitet waren, gibt es heute nicht mehr“, erläutert Professor Führer. Jedoch liege die Ausscheidung von Jod im Urin, die ein Maß für die Jodversorgung ist, in Deutschland nur knapp über dem Grenzwert von 100 Mikrogramm pro Tag. „Bei dem gesteigerten Bedarf während Schwangerschaft und Stillzeit kommt es regelmäßig zu einer Unterversorgung“, so Professor Führer.

Die American Academy of Pediatrics, der Fachverband der amerikanischen Kinderärzte, schätzt, dass ein Drittel der schwangeren Amerikanerinnen eine grenzwertige Jodversorgung hat. In Deutschland dürfte die Situation ähnlich sein, vermutet DGE-Mediensprecher Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Bochum, der auf einen Trend zur Verschlechterung der Jodversorgung in Deutschland hinweist. „Seit dem Jahre 2000 droht bei uns wieder ein Jodmangel“, betont der Experte. Verantwortlich seien einerseits eine gewisse „Jodmüdigkeit“ bis hin zu einer „Jodgegnerschaft“. Hinzu kommen zu einem kleinen Teil auch Ernährungstrends wie die Verwendung von kaum jodhaltigem Meersalz oder auch Himalaya-Salz, die einen besseren Geschmack und „Naturreinheit“ versprechen. Andererseits hätten sich die Ernährungsgewohnheiten geändert. „Immer mehr Menschen greifen auf Fertigprodukte aus dem Supermarkt zurück, bei deren Herstellung häufig kein Jodsalz verwendet wird“, sagt Professor Schatz „Die global agierenden Konzerne lassen Jod weg und vermeiden dadurch Probleme, die sich aus den unterschiedlichen Vorschriften zur Jodierung in den einzelnen Ländern ergeben können.“

Die prekäre Jodzufuhr kann durch Umweltschadstoffe noch verschärft werden. Nitrate, Thiozyanate und Perchlorat werden wie das Jod über einen sogenannten Natrium-Jodid-Symporter in die Schilddrüse gepumpt. Die Konkurrenz hat zur Folge, dass trotz ausreichender Jodzufuhr zu wenig Jod in die Schilddrüse gelangt und deshalb die Hormonproduktion zurückgeht. „Nitrate stammen meist aus dem Trinkwasser, wenn dieses nicht von der in der Regel gut überwachten öffentlichen Wasserversorgung, sondern aus privaten Wasserquellen wie etwa Hausbrunnen kommt“, berichtet Professor Schatz. Die wichtigsten Thiozyanatquellen sind dem Experten zufolge aktives und passives Rauchen. Perchlorate würden industriell freigesetzt. In bestimmten Gegenden der USA wurden sie auch im Trinkwasser nachgewiesen. Über die Belastung in Deutschland gibt es noch keine genauen Erkenntnisse.

Die DGE unterstützt die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation, die Schwangeren und Stillenden nach Rücksprache mit ihrem Arzt zu einer täglichen Zufuhr von etwa 250 Mikrogramm Jod rät. Da die Verwendung von Jodsalz im Haushalt in der Regel nicht ausreicht, sollten Schwangere und Stillende Jodtabletten einnehmen. „Dies gilt insbesondere für Frauen, die sich vegan ernähren und dabei auf den Verzehr von Fisch verzichten, der eine wichtige Jodquelle in der Nahrung ist“, ergänzt Vize-Präsidentin Professor Führer.

Nach einer Presseinformation

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