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Drohende Frühgeburt: Liegen Schwangere zu kurz?

Frühgeburten sind ein großes Problem in der modernen Geburtshilfe, da sie zu einer hohen perinatalen Morbidität und Mortalität führen. Im Jahr 2015 lag die Frühgeburtenrate in Deutschland bei 8,55 Prozent. Bei kurzer Zervix und/oder vorzeitiger Wehentätigkeit wird den Schwangeren als flankierende Maßnahme häufig Bettruhe verordnet.

Diese Praxis basiert auf der Beobachtung, dass starke physische Anstrengung zu vorzeitiger Wehentätigkeit führen können.

Körperliche Schonung und Bettruhe sind deshalb die am häufigsten getroffenen Anordnungen in der Geburtshilfe. Fast alle Frauenärzte haben sie ihren Patientinnen bereits empfohlen. Ungefähr 18% der Schwangeren erhalten im Verlauf ihrer Gravidität den Hinweis, sich körperlich zu schonen. Während sich Bettruhe für eine Vielzahl von Indikationen, wie vaginale Blutungen, vorzeitiger Blasensprung, fetale Wachstumsrestriktion und schwangerschaftsbedingte Hypertonie anbieten kann, soll im Folgenden nur der Stellenwert von Bettruhe bei drohender Frühgeburt kritisch betrachtet werden.

Ende der 2000er-Jahre gab es 2 Befragungen von Geburtshelfern in Nordamerika zum Thema Bettruhe bei verkürzter Zervixlänge. In Kanada verordneten Geburtshelfer, Allgemeinärzte und Hebammen in jeweils 72,3, 77,2 und 67,1% der Fälle von drohender Frühgeburt körperliche Schonung. Bei einer entsprechenden Umfrage unter den Mitgliedern der SMFM (Society of Maternal-Fetal Medicine, USA) gaben mehr als 80% der Geburtshelfer und Perinatalmediziner an, Bettruhe als therapeutische Maßnahme einzusetzen. Viele Hebammen und Frauenärzte glauben weiterhin, dass körperliche Inaktivität ohne negative Folgen für ihre Patientinnen bleibt und dass im Umkehrschluss körperliche Aktivität zu uteriner Kontraktilität, Verkürzung der Zervix und Erweiterung des inneren Muttermunds führt.

Leider gibt es bisher keine standardisierte Definition von Bettruhe. Diese ist je nach Quelle definiert als Bettruhe 3-mal täglich für 1 Stunde, Bettruhe für 22 – 23 Stunden am Tag und kontinuierliche Bettruhe für 24 Stunden mit Ausnahme von Toilettengängen. Diese Inkonsistenzen erschweren den Vergleich mehrerer Studien miteinander. Sciscione schlug als Lösung die Einteilung in leichte, moderate und strikte körperliche Schonung vor, um für zukünftige Untersuchungen eine reproduzierbare Einteilung der körperlichen Schonung zu schaffen.

Bettruhe bei Einlingsschwangerschaft mit drohender Frühgeburt

Eine Cochrane-Übersicht aus dem Jahr 2015 fand nur 2 Publikationen, welche die Einschlusskriterien einer guten wissenschaftlichen Untersuchung erfüllten. Für die Metaanalyse kamen nur die Ergebnisse von Hobel et al. in Betracht, da die andere Studie von Elliott et al. auch eine kleine Anzahl von Mehrlingen mit einbezog. Hobel et al. führten eine randomisierte Studie an 8 Krankenhäusern in der Region von Los Angeles durch. Studienteilnehmerinnen waren Hochrisikoschwangere, die nach einem Risiko-Score evaluiert wurden. Die Interventionsgruppe umfasste 1774, die Kontrollgruppe 880 Schwangere. 432 Schwangeren wurde Bettruhe zu Hause verordnet, 834 Schwangere erhielten entweder ein Placebo (n = 412) oder keine Intervention (n = 422). Die Frühgeburtenrate unterhalb von 37 Schwangerschaftswochen war in beiden Gruppen ähnlich (7,9% in der Interventions-, 8,5% in der Kontrollgruppe, relatives Risiko 0,92, 95%-KI 0,62 – 1,37) und damit statistisch nicht signifikant verschieden.

Lesen Sie hier den gesamten Beitrag: Drohende Frühgeburt - Liegen Schwangere zu kurz?

Aus der Zeitschrift: Geburtshilfe und Frauenheilkunde 07/2017

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